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Der Balance-Akt : Blutige MÄNNER

Wir haben den letzten lebenden Macho getroffen! Über eine Begegnung mit einer aussterbenden Spezies...

          1 Min.

          Es gibt sie noch, die guten alten Dinge. Echte Männer zum Beispiel. Gut, man muss sie suchen, die meisten von ihnen verstecken sich ganz hasenfüßig vor der mächtigen Genderia, die den letzten lebenden Überbleibseln aus Macho-Zeiten ans Fell will.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kürzlich aber saß ein Prachtexemplar der bedrohten Gattung neben uns in einem Schweizer Restaurant. Herrlich anzuschauen: von stattlicher Statur, mit dichtem, dunklem Haar, knapp über 60 Jahre alt, gesunde Segelbräune im Gesicht. Rolex am Handgelenk. Alles tipptopp, bis hin zu den gepflegten Fingernägeln und einem üppigen Bizeps. Neben ihm thronte eine dunkle Schönheit, 30 Jahre jung, bildhübsch und Heidi-Klum-schlank. Ein echter Hingucker, das Paar.

          Dann kommt der Kellner. Der Mann von Welt ordert für beide, auf Englisch.

          „Ich hätte gerne ein ordentliches Steak, medium-rare, wenn Sie das hinbekommen.“

          „Aber selbstverständlich.“

          „Ich komme aus Argentinien, da essen wir gerne Steaks, you know. Und für meine Begleitung hier den Salat mit Hühnerbrust.“

          „Natürlich.“

          „Und dazu eine Flasche guten Wein.“

          „Rot oder weiß?“

          „Egal, Hauptsache den teuersten, den Sie haben.“

          „Wir hätten da einen sehr...“

          „Bringen Sie einfach den Teuersten, ok?“

          „Der ist aber wirklich teuer.“

          „Das will ich hoffen“, sagt er und knutscht leidenschaftlich mit seiner Perle.

          Kellner ab. Die anderen Gäste blicken sich staunend an: Wo kriegt man so was heute noch geboten? In Deutschland nicht, so viel ist gewiss.

          Das Trauerspiel an Mann, mit dem wir uns herumplagen, beschreibt der Autor Thomas Tuma treffend in seinem Büchlein „Der moderne Mann in unsicheren Zeiten“. Dieser nämlich nimmt bei jedem Kind Elternzeit, während der er ein Buch schreibt über die Abenteuer, die Väter wie er während der Elternzeit auf Spielplätzen erleben, er verköstigt die Gäste mit vegetarischen Gemüseaufläufen, leidet an mysteriösen Lebensmittel-Unverträglichkeiten und besucht regelmäßig „Gender-Awareness“-Seminare. Nur ganz selten, wenn es niemand mitbekommt, geht er los und „tut, was ein Mann tun muss“. Was das ist, wollen Sie gar nicht wissen. Aber Blutiges-Tier-Essen und Busserln gehören definitiv dazu.

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