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Der Balance-Akt : Grossmeister Trump

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Hilfe, unser Sohn hat uns Eltern gekündigt. Per Twitter. Wo hat der Lümmel sich das bloß abgeschaut?

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          Alles Gute kommt aus Amerika, finden unsere Kinder. Die Cola, die Jeans, Whatsapp, Nike. Jetzt hat Hannes, unser Jüngster, was ganz Tolles entdeckt: Donald Trumps Personalrochaden. Die Rauswürfe im Weißen Haus kriegt sogar ein mittelmäßig informierter Elfjähriger mit.

          Hannes hält das Spektakel für ein ihm bisher unbekanntes Strategie-Spiel, bei dem gewinnt, wer in kürzester Zeit die meisten Mitarbeiter feuert. „Großartig“, schwärmt der Sechstklässler. Als Schachnovize bewundert er die Spielzüge von „Großmeister Trump“. Geben wir zu bedenken, dass vielleicht nicht jede Entscheidung von großer Weisheit getragen ist, wischt er den Einwand weg. „Ihr seid dumm. Trump hat einen Masterplan.“ Und diesem ist er auf der Spur. Die Spielregeln hat er verstanden: Jeder feuert jeden. Kreml ist Trumpf, Trump hat sieben Leben. Kündigungen per Twitter geben Extrapunkte.

          Zur besseren Analyse hängt er die hübschesten Abgänge über sein Bett:

          * Yates: zickende Juristin stört Muslim-Reisebann, wird daraufhin selbst verbannt.

          * Comey: größter Versager ever beim FBI, wird von russischen Trollen erledigt.

          * Flynn: feiner Kerl und Kreml-Intimus, stolpert aber über eigene Lügen-Geschichten.

          * Walsh: undichte Stelle, gibt Fake News raus, eine Schande.

          * McFarland: schlau, aber Frau, scheitert gleich zwei Mal – das bringt Extrapunkte für Trump.

          * Spicer, Priebus, Short: Versager-Trio im Pressebüro muss Platz machen für Scaramucci.

          * Scaramucci: pöbelnder Großkotz, beseitigt etliche Topleute, dann sich selbst – gibt Bonus-Punkte.

          * Bannon: grandioser Rechtsaußen, bis er selbst die Nr. 1 spielen will. Karriere-Selbstmord

          * Price: Minister vermasselt Trumps Triumph über Obamacare, da kommt eine Flugaffäre gerade recht.

          * Gary Cohn: zu schlau, enttarnt als Agent für den Freihandel.

          * Tillerson: nervt beim Raketenmann Kim, beim Klima, beim Gift-Russen in England, in Iran, überall. Stirbt den Twitter-Tod.

          „Ein grandioser Zug“, erkennt unser Sohn neidlos an. Ihm ist klar: Es wird schwer, den „King of Rotation“ zu schlagen. Zumal der Elfjährige hierzulande – außer bei den Losern von SPD und HSV – kaum Rauswürfe im großen Stil sieht. Mangels Vorbild übt er deshalb an uns Eltern. Mehrfach wurden wir - via Twitter - gefeuert, auf den sozialen Medien entfreundet. Aber auch Mama und Papa haben sieben Leben. Mindestens.

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