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Ein Balance-Akt : Weg mit den Funktionären

Wäre ohne ihn der Fußball schöner? FIFA-Präsident Infantino Bild: EPA

Nach den tollen European Championships in München liegt die Messlatte fürs nächste Sport-Event hoch. Einen Verbesserungsvorschlag hat unsere Kolumnistin parat.

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          München ist meine Stadt. Ich habe die Weißwurst-Metropole stets gegen alle Spötter und Neider verteidigt, die stattdessen Orte des schnöden Mittelmaßes hochjubeln: Köln („so authentisch“). Berlin („so kreativ“). Frankfurt („toller als sein Ruf“). Gut, über Hamburg ließe sich streiten.

          Bettina Weiguny
          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber welche Großstadt hat schon einen Wildfluss als kilometerlange Badelandschaft im Zentrum? Berge und Seen vor der Haustür? Top-Unis, welche die wertvollsten Start-ups hervorbringen? Und wo bitte darf man sich noch die Brotzeit in den Biergarten mitbringen? Da nehme ich die zugegebenermaßen unverschämt hohe Bussi-Bussi-Dichte in Kauf; man muss ja samstagmittags nicht über die Maximilianstraße laufen.

          Seit Neuestem aber treffe ich nur noch Münchenfans. Alle finden die Stadt plötzlich cool. So erfrischend locker. Schuld sind die European Championships, die über Nacht die Herzen der Nation verzückt haben. Eigentlich kann keine Europameisterschaft mehr anderswo stattfinden. Die Messlatte liegt, um im Sportjargon zu bleiben, dermaßen hoch, dass sie vermutlich reißt, wer den Sprung wagt. München 2022 hat alle verzaubert, da sind wir uns einig. Nur bei der Frage, wem das zu verdanken ist, da gehen die Ansichten auseinander.

          Wir zu Hause, im erweiterten Familienkreis, sind in der Frage ausnahmsweise einer Meinung: je weniger Funktionäre, desto besser. Das gilt generell, für die Unsympathen von IOC und FIFA erst recht. Schluss mit Sponsoren-Knebelverträgen, Luxusabsteigen für die Verbandsbosse und sündteuren Neubauten an absurden Orten. Wir wollen nicht nur Cola trinken dürfen, sondern auch Spezi. Oder mitgebrachten Matetee. Wir wollen entspannt auf der Wiese hocken, Sportler anfeuern und Songs von Wanda oder Paula Hartmann hören. Wir wollen fröhliche Ordner. Und magische Momente wie der eine, als ein ukrainischer Läufer seine ukrainische Kollegin beim Anstieg ein bisschen anschiebt. Sehr symbolisch am Friedensengel, vorm russischen Konsulat. Die Zuschauer haben getobt. Erlaubt war das bestimmt nicht. Aber es war kein Funktionär in der Nähe. Ein Glück!

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