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Präsidentschaftskandidat : Donald Trump: „Jeder denkt, ich mach Spaß“

Kleine Rhetorikübungen: Donald Trump. Bild: AP

Von Spaß und Pathos: Immobilien-Magnat Donald Trump meint es womöglich ernst mit seiner Kandidatur für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016.

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          Donald Trump, der seine geschätzten vier Milliarden Dollar mit Immobilien gemacht hat, unterzieht die Vereinigten Staaten einer Prüfung. Ist das Land bereit für ihn, lautet die Prüfungsfrage. Trump sucht die Antwort. Er hat in einem Interview mit der Washington Post verkündet, dass er diesmal noch ernster als 2011 an die Sache, eine Präsidentschaftskandidatur, herangehe.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Damals hatte er für eine gewisse Unterhaltung in der giftig geführten Wahlkampagne gesorgt mit der öffentlichen Ausbreitung seiner Ambitionen und mit hübschen Provokationen. Dann zog er sich doch zurück, gab ein Mini-Comeback, um sich dann komplett aus dem Rennen zu nehmen. Und es blieb der Verdacht, er wollte sich vor allem im Lichte der Öffentlichkeit sonnen und auf die Sahne hauen.

          Trump weiß das natürlich: „Jeder denkt, ich mach das aus Spaß oder um meiner Marke zu nützen. Aber diesmal ist es kein Spaß.“ Und dann sagt der 68-Jährige mit klassisch amerikanischem Pathos: „Ich tue das, weil das Land in ernsthaften Schwierigkeiten steckt.“

          Ein dutzend potentielle Bewerber

          Er würde für die republikanische Partei antreten wollen und damit dem Parteivolk die nicht ganz unproblematische Auswahl erschweren. Gute Karten hat bisher mit Scott Walker ein Kandidat, der Probleme mit wissenschaftlichen Erkenntnissen hat (Evolution, Klimawandel). Ferner bemüht sich mit Rand Paul ein libertärer Politiker und schließlich noch Spross der Bush-Familie.

          Und das ist nur eine kleine Auswahl von rund einem Duzend potentieller Bewerber. Am Freitag kann er prüfen, ob er auch beim republikanischen Fußvolk ankommt. Die Republikaner treffen sich zu jährlichen Conservative Political Action-Konferenz. Das spricht Trump vor Jeb Bush. Über den hatte Trump jüngst verbreitet: „Das letzte, was wir brauchen, ist noch ein Bush.“

          Trumps Erwägungen werden diesmal eine Spur ernster genommen, weil er ein paar hochkarätige Berater engagiert hat, die in früheren Wahlkämpfen ihre Expertise unter Beweis gestellt hatten. Der triftigste Hinweis für die Seriosität ist aber, dass er für eine in Amerika beliebte Fernsehshow „Celebrity Apprentice“, für die er als Gastgeber fungiert, noch keinen Folgevertrag unterschrieben hat.

          Trump hat viel Geld und genug Zeit

          Ein Sprecher der Demokraten hat gegenüber der Washington Post gesagt, wenn mit Trumps Kandidatur die Chance verbunden sei, dass seine Reality Show aus dem Fernsehen verschwinde und die Republikanische Partei durcheinander gebracht werde, dann wünsche er ihm viel Glück. Auch von Republikanischer Seite kam vorsichtige Skepsis.

          Trumps Programm ist im Moment noch etwas unscharf. Vor allem geht es darum, die Vereinigten Staaten zu alter Stärke zurückzuführen. Zwei unbestreitbare Vorteile hat der Mann. Er muss als schwerreicher Herr keine Wahlkampfspenden akquirieren, das macht ihn unabhängig und schenkt ihm Zeit. Seine armen Konkurrenten verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit Geld einsammeln. Der zweite Vorzug: Wo Trump ist, sind Kameras nicht weit. Seine Kandidatur scheitert nicht daran, dass ihn keiner kennt.

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