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Der Balance-Akt : Zum Glück versichert

Versicherungen haben ihre eigene Logik. Da ist Osteopath nicht gleich Osteopath und eine Milchkuh ganz was anderes als ein Traktor.

          Versicherungen soll einer verstehen! Gar nicht erst erinnern will ich mich an den Ärger nach dem Einbruch bei uns. Da besuchte uns ein Sachbearbeiter, um den Schaden zu beziffern. Alles verständlich, es wird ja viel geschummelt auf der Welt. Deshalb ziehen sie immer gleich mal 20 Prozent von der angegebenen Summe ab, tönte der Mann und griff zum Rotstift. Gut zu wissen, fürs nächste Mal. Unser Fall war ihnen suspekt, weil bei dem Einbruch acht Fenster demoliert wurden. Hätte mich auch stutzig gemacht. Noch dazu nagelneue Fenster. Das riecht nach Betrug. Vielleicht haben die Einbrecher ja nur ein Fenster aufgehebelt, und wir haben die anderen sieben dann mit der Brechstange attackiert. Warum? Weil es Spaß macht. Oder einfach nur, um die Versicherung zu schröpfen.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Oder nehmen wir den armen Milchbauern in Barkelsby, dem man jetzt nachts seinen Traktor aus dem Kuhstall geklaut hat. Da könne man gar nichts machen, erklärte ihm die Versicherung. Hätten die Diebe die Kühe mitgenommen, ja, das wäre was anderes, aber das 25 000 Euro teure Fahrzeug, da gehe nichts. Leider, leider. Aber wer, bitte, klaut bei den Preisen heute noch Milchkühe?

          Besonders spitzfindig zeigte sich jetzt unsere Krankenversicherung. Tochter Jule hatte zwei Monate Kopfschmerzen, nachdem sie sich den Kopf gestoßen hatte. Das soll sich mal ein Osteopath angucken, sagte der Kinderarzt, der ihr nicht helfen konnte. Ich war begeistert, alle rennen ständig zum Osteopathen, endlich durften wir auch mal. Die Therapeutin hat eine Stunde gebraucht, dann waren das Schleudertrauma im Nacken, die Schmerzen sowie 95 Euro weg. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse nicht; leider, leider. Nicht etwa, weil sie generell keine Osteopathie bezahlt, sondern weil wir die falsche Praxis gewählt haben. Wäre die Kollegin mit den sanften Händen eine niedergelassene Ärztin mit einer Zusatzausbildung zur Osteopathin, hätte die Kasse gezahlt. Das wäre dann ja ein Vertragspartner, also ein ganz anderer Fall. So sichert die Ärzteschaft sich ihre Pfründe!

          P.S.: Wir hatten einen solchen Arzt mit Zusatzqualifikation kontaktiert - der nächstmögliche Termin dort wäre aber erst in einem Vierteljahr gewesen. Da hätten wir uns eben gedulden müssen. Das bisschen Kopfweh!

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