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Der Balance-Akt : Sexismus am Glühweinstand

Hilfe, Diskriminierung lauert überall, auch im heimischen Fußball-Club! Ein Lehrstück über schwache Väter, gute Feen und ihre blöde Kuchenlisten.

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          Mit der Harmonie zwischen Mann und Frau ist es endgültig vorbei. Allerorten tobt der Kampf der Geschlechter. Wenn es dabei um lukrative Posten ginge, um Geld und Macht, dann könnte ich es ja verstehen. Aber nichts da. Die aufgestaute Wut Jahrtausende währender Unterdrückung entlädt sich jetzt sogar auf dem Weihnachtsmarkt in unserem Taunusstädtchen, direkt am Glühweinstand des Fußball-Clubs.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Betrieb eines solchen, das versteht sich von selbst, erfordert eine generalstabsmäßige Planung und viele Freiwillige. In unserem Fall waren die Eltern der F-Jugend gefragt: Auf- und Abbau waren zu stemmen, Kartoffelsuppe in rauhen Mengen zu kochen, Punsch zu kredenzen. Und da ist es passiert: ein Eklat! Die Budenmeisterin, verantwortlich für den reibungslosen Standdienst, fragte per sozialem Netzwerk, scheinbar harmlos, in die Runde: „Ich brauche für den Abbau noch ein paar starke Männer. Wer hat Zeit?“

          Mensch, Marion! So darf heute niemand mehr reden. „Das ist sexistisch“, tönte es sofort zurück. Wenn nicht gar „Sexismus pur“! Nur wer genau hier diskriminiert wurde, das war unter den Pöbelnden strittig: die schwachen Frauen? Oder die armen Männer, die immer stark sein müssen? „Ich will auch mal in Ruhe krank sein dürfen!“, maulte ein Vater.

          Beleidigt waren jedenfalls alle, Männer wie Frauen. Die besonders kämpferischen Mütter witterten einen „Rückfall ins Mittelalter“ samt männlicher Jagdphantasien und Beutegelüsten. Die Männer schlugen zurück, indem sie für sich eine Glühweinquote forderten und eine eigene Whatsapp-Gruppe zum Austausch „ohne Kuchenlisten und ähnlichen Mist“.

          Die Wogen glättete schließlich Andreas, nunmehr frisch gekürter Genderbeauftragter: „Ich brauche Hilfe für den Abbau. Wer hat Zeit?“ Exakt so wäre die Frage gendermäßig korrekt formuliert gewesen. Nur bis dies zu aller Zufriedenheit geklärt war, blieb die Arbeit einzig an Marion hängen: Danke, gute Fee! Oder ist das auch schon wieder sexistisch?

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