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Der Balance-Akt : Neandertaler mit Power

Im Smartphone-Zeitalter gelten neue Gesetze: Wer an der Steckdose sitzt, hat die Macht. Beobachtungen aus dem Alltag...

          Was machen Smartphones nur mit unseren Kindern? Wenn wir früher zu einem Turnier aufbrachen, hatten wir neben den Sportsachen nicht viel dabei, höchstens mal Schokolade und ein Bier. Ansonsten waren wir weg, unerreichbar für Freunde und Eltern, bis wir irgendwann wieder vor der Tür standen.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei unserem Nachwuchs heute sieht das ganz anders aus. Wenn der sich für einen oder gar mehrere Tage von zu Hause wegbewegt, dann ist ganz, ganz wichtig, dass für das digitale Überleben gesorgt ist. Als Erstes landet der iPod in der Tasche, dann die Bluetooth-Megaboom-Lautsprecher, das kleine Tablet und zuletzt das Smartphone. Letzteres ist absolut unverzichtbar, sonst sind die Kinder völlig hilflos.

          Damit ist es aber nicht getan. Denn so ein Hightech-Gerät, das gut und gerne 500 Euro kostet, hält keinen einzigen Tag durch, schon ist der Akku leer. Was das für einen Jugendlichen bedeutet, mag man sich nicht vorstellen. Das ist wie Isolationshaft in Guantánamo, einfach nur grausam. Also stellen sie alle Push-Nachrichten ab, schalten die mobilen Daten aus, verweigern den Ortungsdiensten den Zugriff und dimmen das Display runter, um die Energiefresser zu eliminieren.

          Doch was sie auch tun, irgendeine fiese App saugt trotzdem innerhalb weniger Stunden allen Saft aus dem Akku. Deshalb steckt jeder noch einen Notfall-Akku ein, eine externe Powerbank und einen Zehner-Stecker für die Steckdose. Sobald sie am Ziel ankommen, suchen sie die Örtlichkeiten nach einer Steckdose ab, lassen sich in deren Nähe nieder, stöpseln alle Geräte ein und hocken dann - wie die Neandertaler früher am Feuer - um die Stromquelle herum, um aller Welt mitzuteilen, was sie gerade Tolles erleben.

          Und wissen Sie, was das Schlimmste ist? Erwachsene sind kein Stück besser (nur meist schlechter organisiert)! Auf der letzten Mediziner-Konferenz knallte ich gegen einen Hirnforscher, der sich auf der verzweifelten Suche nach einer Steckdose hinter einen Vorhang verirrt hatte. Andere Teilnehmer, seriöse, graumelierte Herren, robbten auf Knien über den Boden und entfernten - zum Teil unter Anwendung von Gewalt - Abdeckungen, um ihre Laptops an die dahinter verborgenen Steckdosen anzudocken. Der Rest beschimpfte die Kongressleitung, warum sie keine Powerstations eingerichtet hätten. Eine verrückte Welt da draußen.

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