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Der Balance-Akt : Geschwister sind die Hölle

Glücklich ist, wer Wirt wird. Das belegen neue Studien. Aber sollen wir unsere Kinder nun ermuntern, in die Gastronomie zu gehen?

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          Unsere Töchter wollen später ein Restaurant eröffnen. Der Name steht fest, das „JuNi“ liegt - natürlich - am Meer, am liebsten mit Hotel, Pool und allem Pipapo. Die Kompetenzen sind ebenfalls verteilt: Jule kümmert sich um die Gäste, Nina regelt die Finanzen.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Klingt erst mal vernünftig, schließlich hat die Gesellschaft für Konsumforschung gerade herausgefunden, dass Gastronomen überdurchschnittlich glückliche Menschen sind. Außerdem schmieden viele Geschwister gemeinsame Pläne. Etliche gründen dann eine Band, wie die Jackson 5, Bee Gees und Beach Boys. Auch Tokio Hotel sind wieder unterwegs. Und wie hätte ein Kessler-Zwilling alleine tanzen sollen?

          Nur: Musik und Tanz mögen unsere Töchter eher passiv, maximal im Fernsehen. Ihre Vorbilder bringen anderes hervor, meistens Geld: die Aldi-Süd- und -Nord-Brüder, das Hexal-Pillen-Gespann, die Adidas-Puma-Connection, nicht zu vergessen das doppelte Lottchen und Rom. Ja, die Stadt am Tiber hätte es nicht gegeben ohne Romulus und Remus. Allerdings warnen Geschwister-Forscher vor den Dramen, wie sie sich seit Abel und Kain immer wieder zutragen, siehe nur die Britpop-Prügeleien der Oasis-Brüder.

          Zu emotional sei häufig das Verhältnis, zu tief die Kränkungen aus Kindestagen, sagt die Forschung. Die Langzeitschäden durch Geschwister werden verkannt, heißt es in einer neuen Studie. Geschwister sind nämlich die Hölle. Besonders in Dreierkonstellationen, wie bei uns zu Hause. Der reine Psychoterror.

          Die Älteste hat eh die A-Karte gezogen. Die darf nichts, kriegt nichts (nicht mal ein iPhone 6), während die Jüngeren überhäuft werden mit Konsumgütern. Und dann muss die Älteste auf die Nervensägen auch noch aufpassen. Die Kleinen wiederum werden permanent gemessen an den Leistungen der Großen („Die Jule hatte immer eine Eins in Deutsch“) und müssen deren alte Klamotten auftragen.

          Klar, da entstehen Traumata. Der einzige Trost: Wer keine Geschwister hat, ist ein Einzelkind. Und das nennt man erst recht eine schwere Kindheit!

          Also Mädels, los! Und nehmt den Hannes mit ins „JuHaNi“, vielleicht als Küchenmeister?

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