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Der Balance-Akt : Die Zehn-Tage-Regel

Bild: F.A.Z.

Die Welt dreht sich so schnell... Wie geduldig muss man also sein mit faulen Mitarbeitern, quengelnden Kinder oder bockigen Haustieren?

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          Die Welt ist so was von schnelllebig. Da guckst du einmal aufs Handy, schon ist der Bus weg. Eine Unachtsamkeit, schon hat ein anderer das Haus, das du kaufen wolltest, oder den Mann, den du liebst. Einmal kurz eingeschlummert, schon sind die Kinder groß. Ein Wimpernschlag und du bist deinen Job los. Wirklich, was Digitalisierung, Globalisierung, G8 und andere Beschleunigungsübel mit uns anrichten, ist der Wahnsinn.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Erst letzte Woche durfte ich die Folgen am eigenen Leib erfahren. Wir hatten den Kindern diesen Sommer einen Besuch im Europapark versprochen. Versprochen ist versprochen, also habe ich mich todesmutig in – fast – alle Schikanen gestürzt, inklusive Geisterbahn und „Silverstar“. Ich dachte, die Kinder wären stolz auf mich. Von wegen! Mit Sohn Hannes entzündete sich ein hitziger Disput. Es ging um Angsthasen und Hosenscheißer, mehr ist hier leider nicht zitierfähig. Am Ende brüllte der Bub durch den Park: „Du traust dich eh nichts, Mama, du kannst nach Hause gehen.“ Nach nicht einmal einem Tag war ich als Expeditionsleiterin gefeuert. Als Mutter sowieso. Da kennt die Jugend nichts. Dabei ließ selbst Dealmaker Donald Trump seinen Pressechef Scaramucci zehn Tage wüten, bevor er durchgriff.

          Zehn Tage, finde ich, ist eine gute Frist für zerrüttete Beziehungen. So viel Zeit muss sein, bevor durchregiert wird, man sich von durchgedrehten Mitarbeitern, hasenfüßigen Eltern oder erziehungsresistenten Haustieren trennt. Die Zehn-Tage-Regel hat sich auch unter den Singles im Bekanntenkreis bewährt. Die geben einer neuen Flamme genau zehn Tage. Keinen Tag mehr. Dann wird sich entweder schnell verlobt oder es heißt: „Go home, you’re fired!“

          Unser Freund Klaus, ambitionierter Auto-Manager mit noch ambitionierteren Träumen, behauptet gar, er bekäme in zehn Tagen den Diesel-Skandal in Griff: Die Hälfte aller Meetings würde er streichen, alle Powerpoint-Präsentationen verbieten, Redezeiten halbieren und zwei Drittel der Belegschaft rauswerfen. Richtig gelesen: zwei Drittel. „Oben angefangen.“ Mit dem handverlesenen Rest dreht er sodann am Rad der Zukunft. Sagt’s und nippt zufrieden am eisgekühlten Rosé.

          Na, bevor der Sommer rum und die Zukunft da ist, ziehe ich mit Hannes schnell noch ein paar Bahnen im Freibad.

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