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Bahnkonkurrenz im Syltverkehr : Kräftemessen auf dem Hindenburgdamm

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Ein Autoreisezug der Deutschen Bahn auf dem Hindenburgdamm Bild: dpa

Erstmals seit über 80 Jahren gibt es auf dem Hindenburgdamm in Sachen Autozug Konkurrenz. Die Strecke nach Sylt teilen sich jetzt die Deutsche Bahn und ein amerikanisches Unternehmen.

          Eigentlich hätte der neue Autozuganbieter seinen Betrieb schon mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag aufnehmen sollen. Unter der Marke „Autozug Sylt“ will das amerikanische Eisenbahnunternehmen Rail Development Corporation Deutschland (RDCD) jetzt voraussichtlich von Februar 2016 an Fahrzeuge von Niebüll nach Sylt und zurück transportieren. Vergangenen Donnerstag präsentierten die Amerikaner in Kiel einen Musterzug. Die einstöckigen Transportwagen für Pkw werden von einer Diesellokomotive des Typs MaK ME 26 gezogen. Den Autozug fahren wird die Nord-Ostsee-Bahn (NOB), die auch das Personal stellt. Weitere Transportwagen, etwa für Lkw, befänden sich im Zulauf, teilte RDCD mit.

          Es ist das erste Mal seit 1932 - seitdem verkehren auf dem Hindenburgdamm Autozüge - dass ein zweiter Anbieter auf der rund 11 Kilometer langen Strecke durch das Wattenmeer für Konkurrenz sorgt. Das Tor für den Wettbewerb öffnete letztlich eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in letzter Instanz im Januar diesen Jahres: Demnach muss die DB Fernverkehr AG auch anderen Anbietern einen so genannten diskriminierungsfreien Zugang zur gesamten Schieneninfrastruktur ermöglichen - inklusive der Verladeterminals.

          Bislang eine lukrative Strecke für die Bahn

          Warum RDCD in den Wettbewerb eintritt, liegt auf der Hand: Die Strecke ist mit rund 490.000 Fahrzeugen jährlich und einem Ticketpreis von derzeit noch 90 Euro hin und zurück lukrativ für die Deutsche Bahn, die jüngst mitteilte, den Preis zum 1. Januar 2016 um etwa zwei Prozent zu erhöhen. RDCD kündigt an, mit ihrem Ticketpreis unter dem der Deutschen Bahn zu liegen. „Wir werden allerdings kein Billig-Anbieter sein“, sagt die Sprecherin des Unternehmens, Meike Quentin. Auch werde es eine flexible Preisgestaltung geben.

          Der Herausforderer: Mit diesen neuen Flachwagen will RDC ab Januar  Autos vom Festland nach Sylt transportieren.

          Dass sich RDCD die Strecke mit dem ehemaligen Monopolisten teilen muss, „damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Quentin. Die Bahnunternehmen müssen sich in einem komplizierten Vergabeverfahren um die Trassen bewerben, für deren Vergabe die DB Netz AG zuständig ist. Mit ihr hat RDCD einen Rahmenvertrag über zehn Jahre geschlossen und sich 98 Trassen wöchentlich gesichert. „Damit allein können wir den Autozug allerdings nicht wirtschaftlich betreiben. Wir werden uns daher um zusätzliche Trassen bemühen“, beschreibt Quentin die Situation. Der Sylt-Shuttle der Deutschen Bahn hat täglich 55 Trassen erhalten und fährt jetzt durchgängig alle 30 Minuten statt vorher nur alle 60 oder 90 Minuten.

          Bundesnetzagentur freut sich über den Wettbewerb

          Die Bundesnetzagentur begrüßt die Konkurrenzsituation. „Ein Monopolist kann Ihnen alles verkaufen, Sie müssen es nehmen. Eine Verstärkung des Wettbewerbs führt in der Regel zu einer Verbesserung der Qualität des Angebots“, sagt Fiete Wulff, Leiter der Pressestelle der Bundesnetzagentur. Auch die Schlagzahl im Nahverkehr erhöht sich. Um sich in dem Vergabeverfahren möglichst viele Trassen zu sichern, hat die Deutsche Bahn in die Trickkiste gegriffen und ein Konzept Namens „Sylt Shuttle Plus“ präsentiert. An den Autozug wird ein Personenzug gekoppelt, der weiter nach Bredstedt sowie einmal täglich auch nach Hamburg fährt. So hat die Bahn die Strecke verlängert - und in dem Vergabeverfahren gilt: Wer die längere Strecke bedient, gewinnt. Allerdings wird auch diese Verbindung nicht zum Fahrplanwechsel am Sonntag starten: Die Deutsche Bahn teilte am Donnerstag mit, man habe noch nicht alle Lokführer ausgebildet und werde erst ab Ende Januar alle Zugverbindungen bedienen.

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