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Tarifstreit : Bahn wirft Lokführern „horrende Forderungen“ vor

  • Aktualisiert am

Immer eine Hand am Hebel: Lokführer in einem Triebwagen Bild: dpa

Die Lokführergewerkschaft GDL fordert 4,8 Prozent mehr Lohn und eine Corona-Prämie von 1300 Euro. „Völlig realitätsfern“, sagt der oberste Personalmanager der Bahn.

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          Die Deutsche Bahn hat Forderungen der Lokführergewerkschaft GDL als „maßlos und unsolidarisch“ zurückgewiesen. Anstatt sich mit einem Beitrag an der Behebung der Corona-Schäden zu beteiligen, lege die GDL ein milliardenschweres Paket mit insgesamt 58 Forderungen vor, kritisierte der Staatskonzern am Sonntag. Allein in dem Bereich, für den die GDL bislang Tarifverträge geschlossen habe, hätte dies 46 Prozent höhere Kosten zur Folge. „Die GDL muss jetzt aufhören, die Corona-Schäden zu leugnen, und Vernunft annehmen“, sagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler. „Ihre horrenden Forderungen sind angesichts der größten wirtschaftlichen Krise des Unternehmens völlig realitätsfern.“

          Die GDL hatte am Freitag 4,8 Prozent mehr Lohn und eine Corona-Prämie von 1300 Euro für fast alle Beschäftigten in Deutschland verlangt. Dies geht weit über den Tarifvertrag hinaus, den die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG bereits mit der Bahn ausgehandelt hat und der bis Anfang 2023 gelten soll. Darin sind unter anderem Lohnerhöhungen entlang der Inflationsrate vereinbart. Die GDL lehnt diesen Corona-Sanierungsvertrag ab. „Wir werden nicht zulassen, dass unsere Kollegen mit einem Sanierungstarifvertrag mit Reallohnverlust abgespeist werden“, hatte GDL-Chef Claus Weselsky gesagt.

          Besonders kompliziert wird die diesjährige Tarifrunde dadurch, dass sowohl EVG als auch GDL den Anspruch erheben, für praktisch alle rund 185.000 Beschäftigten in Deutschland beim Schienenpersonal zu verhandeln. Die GDL will ihn nicht mehr allein für Lokführer und Zugpersonal durchsetzen und der EVG die Hoheit über die übrigen Sparten wie Instandsetzung oder Stellwerkspersonal überlassen. In der Vergangenheit hatten sich Bahn und Gewerkschaften im Kern auf eine solche Aufteilung verständigt. Auch die EVG lehnt dies jetzt ab.

          „Die GDL muss jetzt aufhören, die Corona-Schäden zu leugnen“: Martin Seiler, Personalvorstand der Deutschen Bahn
          „Die GDL muss jetzt aufhören, die Corona-Schäden zu leugnen“: Martin Seiler, Personalvorstand der Deutschen Bahn : Bild: dpa

          Die Bahn wiederum setzt daher das Tarifeinheitsgesetz um. Das heißt, es würde in einem Betrieb allein der von derjenigen Gewerkschaft ausgehandelte Vertrag gelten, deren Mitglieder die Mehrheit stellen. „Wir sind nach wie vor bereit, gemeinsam mit beiden Gewerkschaften eine Lösung für eine geordnete Koexistenz zu finden“, sagte Bahn-Manager Seiler. Er rief die GDL erneut dazu auf, am 12. März „endlich die Tarifverhandlungen aufzunehmen“. Die GDL hat aber erklärt, als erstes wolle man in Gesprächen mit dem Konzern sicherstellen, dass Ergebnisse auf alle Beschäftigen angewendet werden. Der bisherige Tarifvertrag ist Ende Februar ausgelaufen, Streiks wären damit möglich.

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