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Bahn-Chef Grube : „Die Bahn ist pünktlich wie selten in ihrer Geschichte“

  • Aktualisiert am

Ein Börsengang der Deutschen Bahn ist nach den Worten von Bahn-Chef Rüdiger Grube derzeit kein Thema Bild: dapd

Bahn-Chef Rüdiger Grube spricht im Interview über den Angriff auf die Billigflieger, das Warten auf komfortablere ICE-Züge und den Abschied von Tempo 350.

          Herr Grube, wie läuft’s bei der Bahn?

          Immer besser, mal abgesehen von den Herausforderungen, die es bei der Bahn jeden Tag gibt. Das Jahr 2011 war alles in allem das beste Jahr in der Geschichte der Deutschen Bahn. Und es geht gut weiter.

          Normalerweise sorgt die Bahn doch immer für Schlagzeilen mit kaputten Achsen, Bahntunnelbauarbeiten oder Lokführer-Streiks. Haben Sie ein paar Zauberer eingestellt?

           Wir arbeiten die Baustellen in unserem Konzern eine nach der anderen konsequent ab. Das zeigt Schritt für Schritt gewisse Erfolge.

          Vielleicht haben Sie auch nur die Kritiker zum Schweigen gebracht?

          Kritiker gibt es immer, häufig wird ja auch zu Recht kritisiert. Wir bekommen jeden Tag einige tausend Briefe und E-Mails, natürlich auch Beschwerden. Aber unsere Kunden sind insgesamt zufriedener als früher. Wir befragen jeden Tag mehr als 1000 Kunden. Dabei ist zu erkennen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber das ist wahrlich kein Ruhekissen, auf dem man sich ausruhen darf. Es gibt noch viel zu verbessern.

          Nimmt der Bau des Tunnelbahnhofs in Stuttgart denn jetzt seinen geordneten Gang?

          Dort ist es deutlich ruhiger geworden. Es gab in Baden-Württemberg eine Volksabstimmung über Stuttgart 21. Die Gegner konnten sich nicht durchsetzen. Ich bin Ministerpräsident Winfried Kretschmann sehr dankbar, dass er sein Wort hält: Er hatte gesagt, wenn die Mehrheit der Bevölkerung für das Projekt ist, dann wird es auch umgesetzt. Genau das geschieht jetzt.

          Wie geht es dort jetzt weiter?

          Als Nächstes steht die Planung für den Anschluss am Stuttgarter Flughafen an. Dort werden wir die Bürger stärker beteiligen - wie man das bei dem ganzen Projekt von Anfang an hätte machen sollen.

          Bei der Berliner S-Bahn läuft es aber immer noch nicht rund oder?

          Bei der Berliner S-Bahn muss man zwei Dinge unterscheiden. Es gibt auf der einen Seite die S-Bahn GmbH. Sie betreibt die Züge. Dort haben wir alles umgekrempelt, und da läuft es jetzt recht ordentlich. Auf der anderen Seite gibt es die Infrastruktur - Gleise, Weichen und Stellwerke. Die sind zum Teil älter als die DDR - da hakt es leider noch zu häufig.

          Mit dem Ergebnis können Sie nicht zufrieden sein ...

          Nein, natürlich nicht. Wir investieren aber gewaltige Summen, um das Berliner S-Bahn-Netz zuverlässiger zu machen. Bis 2016 wollen wir dort noch einmal über 720 Millionen Euro hineinstecken.

          Auch die Fernreisenden müssen sich noch gedulden - bis die neuen ICE-Züge kommen, die Sie schon lange versprochen hatten...

          Das ist die Schuld der Industrie. Wir hatten schon 2008 bei Siemens 16 neue Hochgeschwindigkeitszüge bestellt. Die hätten im vorigen Jahr alle schon fahren sollen. Wir sind immer wieder vertröstet worden. Jetzt werden wir bis zum Jahresende wohl sechs bis acht Züge bekommen. So spät, dass wir die nur als Winterreserve nutzen können.

          Sie verlangen von der Industrie einen Ausgleich?

          Ja, darüber verhandeln wir noch. Es geht hier um einen signifikanten zweistelligen Millionenbetrag, aber das können wir erst am Ende exakt sagen.

          Was ist an den neuen Zügen eigentlich besser?

          Mit unserer neuen ICx-Generation lässt sich noch bequemer reisen. Zum Beispiel braucht man beim Einsteigen keine Stufen mehr zu steigen. Das ist gut für Rollstuhlfahrer - aber auch für Menschen mit viel Gepäck. Außerdem sind die Züge leiser, das ist viel angenehmer. Und nicht zuletzt sind sie leichter und verbrauchen deshalb weniger Energie.

          Als Sie damals angetreten sind, hatten Sie gesagt, Sie wollten für mehr Pünktlichkeit sorgen. Haben Sie das geschafft?

          Ja, unsere Züge sind deutlich pünktlicher geworden. Wir fahren im Augenblick sogar mit einer der höchsten Pünktlichkeiten in der Geschichte der Deutschen Bahn. Knapp 93 Prozent unserer Züge haben weniger als fünf Minuten Verspätung. Allerdings gleich ein Wermutstropfen: Wir haben in diesem Jahr besonders viele Baustellen, weil wir viel Geld in unser Schienennetz stecken: rund sechs Milliarden Euro allein 2012. Was langfristig gut für die Infrastruktur und somit für die Kunden ist, hat kurzfristig negative Auswirkungen auf die Pünktlichkeit. Mehr Baustellen bedeuten - leider - auch mehr Verspätungen.

          Sie wollen den Umsatz der Bahn innerhalb weniger Jahre verdoppeln. Wie schafft man das?

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