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Marktmanipulation : Bafin zeigt Wirecard an

Die Firmenzentrale des Zahlungsdienstleisters Wirecard im bayrischen Aschheim. Bild: dpa

Nach den Vorwürfen wegen Marktmanipulation gegen den Zahlungsdienstleister hat nun die Finanzaufsicht Bafin Anzeige erstattet. Die Geschäftsräume des Unternehmens in Bayern wurden untersucht. Die Vorwürfe richten sich gegen Vorstände.

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          Die Vertrauenskrise um das Dax-Unternehmen Wirecard hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Wie am Freitagabend bekannt wurde, hat die deutsche Finanzaufsicht Bafin den Zahlungsdienstleister bei der Staatsanwaltschaft München I wegen Marktmanipulation angezeigt. Damit dürfte der Vorstandsvorsitzende Markus Braun noch stärker unter Druck geraten.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wirecard teilte am Freitagabend mit, dass wegen der Ermittlungen am Freitag die Geschäftsräume des Unternehmens von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden sind. Die Ermittlungen richteten sich nicht gegen die Gesellschaft, sondern gegen ihre Vorstandsmitglieder. Das Unternehmen kooperiert vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden.

          Aktionäre hatten zuletzt vermehrt den Rücktritt Brauns gefordert, weil er die Gerüchte um Bilanzmanipulationen nie entkräften konnte. Das sollte ein Sondergutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Doch das Gegenteil war der Fall: Nach der Veröffentlichung rutschte der Aktienkurs um 40 Prozent ab. KPMG musste einräumen, dass bestimmte Umsätze nicht nachzuvollziehen waren, weil die Geschäftspartner dazu keine Auskunft gaben. Im Vorfeld hatte Wirecard den Eindruck erweckt, das Sondergutachten würde alle Verdächtigungen aus der Welt schaffen.

          Daraufhin prüfte die Bafin die Pflichtmitteilungen von Wirecard vor der Veröffentlichung des KPMG-Gutachtens. Dabei haben sich offenbar Anhaltspunkte für irreführende Angaben und damit für eine informationsgestützte Marktmanipulation ergeben. Daraufhin erstattete die Aufsicht nun eine Anzeige bei der Münchner Staatsanwaltschaft. Wirecard hat seinen Sitz in Aschheim nahe der bayrischen Landeshauptstadt.

          Irreführende Angaben sind Marktmanipulation

          Der Aufsicht dürften vor allem die beiden Pflichtmitteilungen vom 12. März und 22. April aufgefallen sein, weil diese den Eindruck eines entlastenden Ergebnisses vermitteln sollten. Eine Bafin-Sprecherin wollte sich am Freitagabend nicht zu einzelnen Gesellschaften äußern. Sie sagte, dass unrichtige, nicht vollständige oder in anderer Weise irreführende Angaben eine verbotene Marktmanipulation sein können. Finde die Bafin dafür Anhaltspunkte, werde Anzeige erstattet.

          Doch die Bafin dürfte auch weiterhin untersuchen, ob Wirecard darüber hinaus möglicherweise irreführend kommuniziert und damit Marktmanipulation begangen hat. Hierfür dürften auch Angaben der Wirtschaftsprüfer KPMG und EY nötig sein. Denn schließlich stehen im Mittelpunkt der Wirecard-Affäre mögliche Bilanzierungsverstöße.

          Wirecard musste die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2019 schon dreimal auf nun 18. Juni verschieben. Der langjährige Prüfer EY wird die Bilanz gewiss nun noch genauer in den Blick nehmen. Ende Mai kam auch noch eine Bafin-Prüfung der jüngsten Aktienkäufe Brauns hinzu, ob diese möglicherweise einen Verstoß gegen Insiderhandels-Vorschriften darstellen. Er hat den Zahlungsdienstleister gegründet und ist mit 7 Prozent der größte Wirecard-Aktionär.

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