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Online-Praxis : Der heiße Draht zum Hausarzt

Technische Entwicklung hilft weiter

Für die positive Variante sprechen gute Gründe. Erstens die technische Entwicklung. Wenn fast jeder ein Smartphone hat und damit dauernd fotografiert, warum soll ein Arzt dann am Telefon nicht um ein Foto bitten, um einzuschätzen, wie gefährlich ein Ausschlag ist? Und das ist erst der Anfang. Es gibt seriöse Studien, nach denen Elektrokardiogramme, die mit einem speziell dafür entwickelten Smartphone-Cover gemessen werden, genauso zuverlässig sind wie solche von Großgeräten im Labor. Trommelfelluntersuchung, Blutdruckkontrolle und Insulinmessung, auch dafür gibt es schon Erweiterungen fürs Telefon. Wenn sich die Technik als verlässlich und erschwinglich erweist, könnten noch mehr Anlässe für den Besuch in der Arztpraxis entfallen.

Der Arzt steckt jetzt in der Smartphone-App.
Der Arzt steckt jetzt in der Smartphone-App. : Bild: Medgate

Zweitens der zunehmende Ärztemangel auf dem Land. Junge Mediziner suchen ihr Glück meistens in der Großstadt, auf dem Land dagegen finden viele Hausärzte keinen Nachfolger, der ihre Praxis übernehmen möchte. Mehr und mehr Dorfbewohner müssen deshalb schon jetzt große Strecken zurücklegen, um zur nächstgelegenen Praxis zu kommen. Die Diagnose am Telefon könnte das Problem entschärfen, die medizinische Versorgung in der Provinz verbessern. Und manchen Ärzten gefällt die Arbeit im Call-Center oder Home-Office auch deshalb besser als in einer Praxis, weil Teilzeitmodelle so tendenziell einfacher zu regeln sind.

Steigende Kosten im Gesundheitssystem

Drittens die steigenden Kosten im Gesundheitssystem. Die aktuellen Zahlen für Deutschland hat das Statistische Bundesamt vergangene Woche veröffentlicht. Demnach beliefen sich die Gesundheitsausgaben zuletzt auf 344 Milliarden Euro im Jahr, das sind mehr als 4000 Euro je Einwohner – und 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Gut jeder neunte Euro des Bruttoinlandsprodukts ging damit für die Gesundheit drauf. Da ist es kein abwegiger Gedanke, nach Einsparmöglichkeiten zu suchen.

Andy Fischer, der Medgate-Gründer aus der Schweiz, rechnet es so vor: Etwa die Hälfte der Anrufer bekommt am Telefon eine Diagnose und, wenn nötig, danach auch ein Rezept und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. „Ein Besuch in der Arztpraxis kostet das Gesundheitssystem drei- oder viermal so viel.“ Die andere Hälfte wird zum Haus- oder Facharzt geschickt, weil die Medgate-Mediziner sich die Diagnose am Telefon nicht zutrauen. Das kostet dann etwas mehr, als wenn diese Patienten gleich in die Praxis gegangen wären. Unterm Strich, sagt Fischer, sparten die mit Medgate zusammenarbeitenden Versicherungen aber zwischen 12 und 17 Prozent der Kosten für die gesamte ambulante Versorgung. Einen Teil davon geben sie an die Versicherten weiter, die niedrigere Beiträge zahlen müssen, wenn sie stets zuerst bei Andy Fischer in Basel anrufen.

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