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Axel Weber : Ein Sturkopf für die UBS

Axel Weber wird an diesem Donnestag Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS Bild: AFP

Axel Weber war Chef der Bundesbank. Dann nahm er Reißaus. Nun wird er Vorsitzender des Verwaltungsrats der UBS. Doch nicht alle freuen sich darüber.

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          Das Hallenstadion Zürich ist ein durchaus spektakulärer Ort. Gewöhnlich spielt dort die Zürcher Eishockey-Mannschaft, auch Lady Gaga tritt dort auf und DJ Bobo. An diesem Donnerstag aber tagt dort die Generalversammlung der UBS - jener Schweizer Großbank, die noch bis vor kurzem der größte Vermögensverwalter der Welt war und sich anschickte, Goldman Sachs als mächtigste Investmentbank abzulösen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wichtigster Tagesordnungspunkt: Der frühere Bundesbankchef Axel Weber wird in den Verwaltungsrat gewählt. Ihm soll der Vorsitz des Gremiums übertragen werden. Ebenfalls gewählt wird die langjährige Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro, die Weber unterstützen soll. In der Tagesordnung ist ausdrücklich vermerkt, dass Weber deutscher Staatsbürger sei und Weder di Mauro „schweizerisch italienische Doppelbürgerin“.

          Beatrice Weder di Mauro
          Beatrice Weder di Mauro : Bild: dapd

          Webers neuer Auftrag wird gleich in zweifacher Hinsicht ein spannendes Unterfangen. Auf der einen Seite ist es keineswegs alltäglich, dass ein Notenbanker auf einen Spitzenposten einer privaten Geschäftsbank wechselt - zumal der Chef einer so eminent politischen und herausgehobenen Einrichtung wie der Deutschen Bundesbank.

          Von einer Institution, die Risiken im Bankensektor zu bekämpfen hat, kommt er zu einer Institution, deren Geschäftsmodell nichts anderes ist als das Eingehen von Risiken. Zum anderen geht Weber als prominenter Vertreter der politischen Klasse Deutschlands in einem Moment in die Schweiz, da sich der Bankensektor dort durch Deutschland und Amerika verfolgt, wenn nicht gar in seiner Existenz bedroht sieht.

          Spannend ist auch, wie sich das Naturell Webers mit dem seines neuen Sparringspartners, des UBS-Chefs Sergio Ermotti, vertragen wird. Der 52-jährige Italo-Schweizer ist überzeugter Investmentbanker. „Im Investmentbanking habe ich meine Leidenschaft entdeckt“, sagte er gerade der Schweizer „Sonntagszeitung“ in einem Interview. An Selbstbewusstsein mangelt es Ermotti so wenig wie Weber, und er macht kein Hehl daraus, dass er hohe Gehälter im Bankgeschäft nicht für verwerflich hält. Er sagte auf die Frage, ob seine Mutter bei der Zeitungslektüre erstaunt gewesen sei, dass ihr Sohn im Jahr 6,4 Millionen Franken verdient, umgerechnet 5,3 Millionen Euro: „Mama war überrascht, dass ich nur noch so viel verdiene. Sie glaubte, es sei ein Abstieg, denn früher verdiente ich mehr.“

          Webers künftiger Sparringspartner: UBS-Chef Sergio Ermotti
          Webers künftiger Sparringspartner: UBS-Chef Sergio Ermotti : Bild: dapd

          Wie wird ein solches Kind des globalen Investmentbankings harmonieren mit Weber, dem früheren deutschen Wirtschaftsprofessor, der sich mit Prinzipientreue und Pfälzer Sturheit einen Namen gemacht hat? Dass Weber kein Diplomat ist, merkte man bei der Bundesbank schon im Jahr 2010 am Umgang mit seinem rebellischen Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin (“Deutschland schafft sich ab“). Statt einfach zu sagen, Sarrazin äußere mit seinen provokanten Thesen ausschließlich seine Privatmeinung, versuchte Weber ihn zum Schweigen zu bewegen - und hatte auf einmal das Land gegen sich.

          Als der Bundesbankpräsident sich später mit seiner - in der Wissenschaft wie der Bevölkerung hochgeschätzten - stabilitätsorientierten Geldpolitik in der Europäischen Zentralbank nicht durchsetzen konnte, warf er das Amt hin. Anschließend hätte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ihn gern als seinen Nachfolger gesehen (“Charakter kann man nicht lernen“). Es kam anders. Nun soll also ein Deutscher die Aufsicht über die größte Bank der Schweiz übernehmen, während die größte Bank Deutschlands gerade ihren Schweizer Bankchef verliert.

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