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Autozulieferer : Schaeffler lässt sich mit dem Schuldenabbau Zeit

Wertarbeit aus Franken: Schaeffler stellt Automatikgetriebe für deutsche Großkunden her Bild: dapd

Nach der neuen Vereinbarung mit den Gläubigerbanken hat der Autozulieferer eine solide Basis gefunden. Das Augenmerk im Tagesgeschäft ist auf Wachstum und Investitionen gerichtet.

          Nach den Worten von Jürgen Geißinger hat sich die langfristige Erfolgsgeschichte der Schaeffler AG im Jahr 2011 mit neuen Rekordwerten fortgesetzt. Für den Vorstandsvorsitzenden scheint das existenzbedrohende Jahr 2009 überstanden und vergessen zu sein. Wenn es nach dem Chef des Kugel- und Wälzlagerherstellers aus Herzogenaurach geht, soll 2012 an die positive Entwicklung des vergangenen Jahres anknüpfen, auch wenn die Umsatzrendite von 15,8 Prozent wohl nicht mehr erreicht werden könne. Er erwartet aber, dass sie höher als 13 Prozent ausfallen wird.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Es sei sehr schwer, solche Margen nach einem so „exzeptionellen Jahr“ zu halten. Das habe nichts mit einer schwächeren Entwicklung der Märkte zu tun. „Wir sehen aber eine Abschwächung des Wachstums“, sagte Geißinger am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Neben der angestrebten Umsatzrendite bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von mehr als 13 Prozent nannte der Schaeffler-Chef einen Umsatzanstieg von mehr als 5 Prozent als weitere Zielgröße für 2012. Er will damit stärker als der Markt wachsen. Natürlich ist die Entwicklung in der Automobilindustrie dafür entscheidend, mit der 70 Prozent des Umsatzes bestritten wird.

          „Schuldenabbau hat zweite Priorität“

          Bei dem freiem Mittelzufluss (Free Cashflow) wurde Geißinger indessen vage. Nachhaltig positiv solle dieser ausfallen. Diese Größe wird in den nächsten Jahren allerdings eine besondere Bedeutung haben: Je höher sie ausfällt, um so größer ist der Beitrag, den beachtlichen Schuldenberg von 6,7 Milliarden Euro abzubauen. „Wir wollen investieren, um unsere Position zu stärken“, sagte Geißinger. Was vom Free Cashflow übrig bleibe, diene der Schuldentilgung. Einschränken in Sachen Wachstumspläne werde er sich nicht. Die Investitionsquote bleibe mit 6 bis 8 Prozent vom Umsatz hoch.

          „Schuldenabbau hat zweite Priorität“, sekundierte Finanzvorstand Klaus Rosenfeld. Er sieht keine zeitliche Not mehr, nachdem Anfang des Jahres eine tiefgreifende Refinanzierung mit Banken gelungen ist. Der Druck hat nachgelassen, weil über die nächsten Jahre keine regulären Tilgungen nötig sind. Im Januar hatte die Schaeffler AG eine Kreditvereinbarung mit acht Banken über ein Volumen von insgesamt 8 Milliarden Euro mit Laufzeiten von fünf und sieben Jahren getroffen. Die Finanzierungskosten sinken so auf 7,5 Prozent nach zuvor mehr als 8 Prozent. Statt der ursprünglichen Restlaufzeit von 1,5 Jahren beträgt sie nun durchschnittlich 4,4 Jahre.

          Die Vereinbarung hat für Rosenfeld zum einen den Vorteil, dass das Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt bekommen hat. Außerdem sei die AG gegenüber der Familienholding mit Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg als Eigentümer „abgeschottet“. Maximal 210 Millionen Euro können laut Kreditvereinbarung, die von Ende April an gültig ist, noch „nach oben“ abgeliefert werden. Für das Geschäftsjahr 2011 erhält die Familie noch 300 Millionen Euro Dividende aus dem Jahresüberschuss, die aber als Gesellschafterdarlehen zurückfließen.

          Während die AG für ihre Schulden eine Lösung gefunden hat, muss für die 4,9 Milliarden Euro, äußerst teuer verzinsten Finanzschulden der Familienholding noch eine dauerhafte Lösung gefunden werden. Geißinger wie auch Rosenfeld blockten ab. Es würden alle strategischen Optionen mit den Gesellschaftern betrachtet. Ein Börsengang der AG, wie er im Zuge der Umwandlung von einer GmbH in eine AG im Herbst vergangene Jahr noch ausgeschlossen wurde, könnte dazu gehören, da er nicht explizit ausgeschlossen wurde.

          Bleibt immer noch die Dividende von Continental, an der die Schaeffler AG 36,1 Prozent hält, die Familie über ihre Holding 13,8 Prozent. Weitere 10,4 Prozent der Conti-Aktien sind im Besitz der Privatbanken Metzeler und M.M. Warburg. Der Automobilzulieferer aus Hannover, der im Jahr 2008 von Schaeffler feindlich übernommen worden war und die große Krise ausgelöst hatte, steuerte für 2011 nicht nur ein Beteiligungsergebnis von 324 (Vorjahr minus 349) Millionen Euro bei. Die Schaeffler AG wird aus der Conti-Ausschüttung von 300 Millionen Euro dieses Jahr rund 108 Millionen Euro einstreichen, die Familie Schaeffler immer noch 41 Millionen Euro. Für Finanzchef Rosenfeld gibt es somit eine zweite Größe zur Schulden-Tilgung: die Conti-Dividende.

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