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„Autozar“ für Europa : Mit der Lizenz zum Schließen

  • -Aktualisiert am

Die Überkapazitäten loswerden: Das könnte ein europäischer „Autozar“ richten, glaubt ein Branchenfachmann. Bild: dpa

Ein anerkannter Branchenfachmann hat einen Vorschlag für die angeschlagene europäische Autoindustrie gemacht: Ein „Autozar“ nach amerikanischem Vorbild solle im Auftrag der EU-Kommission den Abbau von Überkapazitäten koordinieren und die nationalen Interessen ausbalancieren.

          Noch ist es nur eine Idee, von der völlig unklar ist, wie viel politische Unterstützung sie tatsächlich bekommen könnte. Aber immerhin kommt die Idee von dem anerkannten Branchenfachmann Arndt Ellinghorst, Analyst der Schweizer Investmentbank Credit Suisse: Er fordert einen „Autozar“ für die europäische Autoindustrie nach amerikanischem Vorbild.

          In der vorigen Absatzkrise des Jahres 2009 hatten in den Vereinigten Staaten die beiden Branchenriesen General Motors und Chrysler Insolvenz angemeldet. Für die staatliche Rettung der beiden Industrieikonen hatte Finanzminister Timothy Geithner den Finanzinvestor Steven Rattner als Koordinator für die Rettung der amerikanischen Autoindustrie eingesetzt. Rattner verpasste GM und Chrysler eine staatliche Kapitalspritze, führte die Unternehmen durch ein nur sechs Wochen dauerndes Insolvenzverfahren - und setzte ganz nebenbei auch die Schließung Dutzender Werke und die Entlassung Tausender Beschäftigter durch. Seither ist Amerika - anders als Europa - das Problem der Überkapazitäten los.

          Koordinierter Abbau der Überkapazitäten

          Geht es nach der Credit Suisse, dann bekäme auch Europa einen Autozar, der im Auftrag der EU-Kommission den Abbau der Überkapazitäten koordinieren und die nationalen Interessen ausbalancieren würde. Und Analyst Ellinghorst präsentiert auch gleich den Namen eines prominenten Managers, der dafür seiner Ansicht nach geeignet wäre: Er schlägt den ehemaligen Ford-Finanzchef Lewis Booth als Autozaren vor.

          Booth habe als früherer Europachef von Ford ausreichend Kenntnis über die hiesige Branche und sei allseits anerkannt. Zudem habe Booth Ford ohne Staatshilfe durch die Krise manövriert und für Europa schon früh die geeigneten Maßnahmen skizziert - darunter auch den forcierten Abbau der Überkapazitäten durch Werksschließungen. Ein Zitat zeigt, welche Diagnose Booth stellt: „Viele Marken in Europa sind nationale Champions, und die Prioritätenliste, die ihnen von ihrer Regierung vorgegeben wird, umfasst nicht immer auch das profitable Wirtschaften.“

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