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Autoshow in Detroit : Eine grüne Messe mit vielen Fragezeichen

Der Chrysler Ecovoyager: Das Konzept ist da Bild: dpa

Ob Elektro-, Hybrid- oder Ethanolantrieb: Kein Autohersteller will sich mehr ohne umweltfreundliche Angebote erwischen lassen - selbst Amerikaner beweisen den festen Willen zum Umweltschutz. Doch die Marktreife ist oft noch weit.

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          Grüne Autos beherrschen die Detroit Auto Show in diesem Jahr wie nie zuvor. Aber so mancher Hersteller tut sich noch etwas schwer mit dem Energiesparen. Chrysler zum Beispiel hat für die Präsentation seines Pick-up-Transporters Dodge Ram eine Herde von 120 ausgewachsenen Rindern auflaufen lassen. Die Rinder kamen aber nicht etwa aus der Region, sondern von einer Ranch in Oklahoma - gut 1800 Kilometer entfernt. Sieben schwere Trucks waren nötig, um die Tiere nach Detroit zu schaffen, berichtet Ranchbesitzer Wes Sander. Umweltfreundlichkeit sieht anders aus.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Immerhin versuchte Chrysler sich schon am Tag danach zu rehabilitieren und stellte gleich drei Konzeptautos mit umweltfreundlichen Antrieben vor: den Ecovoyager, der eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Brennstoffzelle kombiniert, das Elektroauto Dodge Zeo sowie den Jeep Renegade, eine Mischung aus Batterie- und Dieselantrieb. Und auch für seinen neuen Benzinschlucker Dodge Ram verspricht Chrysler eine umweltfreundlichere Alternative: 2010 soll eine Hybridversion mit Elektro- und Verbrennungsmotor auf den Markt kommen.

          Tanken, was auf amerikanischen Äckern wächst

          Wer sich auf den Messeständen in den Cobo-Hallen umsieht, entdeckt selbst bei den amerikanischen Ausstellern den festen Willen zum Umweltschutz - man muss zwischen all den riesigen Pick-ups und Vans nur etwas genauer hinschauen. General Motors etwa stattet seine Umwelt-Prototypen vermehrt mit Hybridantrieb aus. Von Toyotas Hybrid-Erfolg sind die amerikanischen Hersteller genauso überrascht worden wie die europäischen.

          Der Chrysler Ecovoyager: Das Konzept ist da Bilderstrecke

          GM-Boss Rick Wagoner rückt in Detroit Autos in den Mittelpunkt, die mit Ethanol statt Benzin fahren. Er hat eine Allianz mit dem jungen amerikanischen Unternehmen Coskata angekündigt, das an einem neuen Prozess zur Ethanol-Herstellung arbeitet. Bislang wird Ethanol vor allem aus Mais gewonnen. Präsident George Bush rief seine Landsleute deshalb schon vor einem Jahr dazu auf, zu tanken, was auf amerikanischen Äckern wächst. Doch Coskata will auch Müll und alte Reifen als Rohstoff einsetzen.

          Weit entfernt von der Realität

          Ausgereift ist das noch nicht, vor dem Jahr 2011 wird Ethanol (E85) so kaum in größeren Mengen geliefert werden können. Mit den Konzeptautos Hummer HX und Saab 9-4 Biopower fahren gleich zwei Modelle aus dem Hause GM mit E85. Beide sind bisher nicht zu kaufen. Der kompakte Geländewagen aus Schweden soll in einem Jahr auf den Markt kommen. Noch viel weiter entfernt von der Realität ist das Elektroauto Chevrolet Volt. „Der Volt hat eingeschlagen wie noch kein Konzeptauto zuvor, seit ich bei GM bin“, sagt Vorstandschef Wagoner stolz. Doch die Volt-Technologie für den Batterieantrieb wird nicht vor 2010 marktreif sein. Entwicklungschef Bob Lutz glaubt, dass es keinen einzigen großen Hersteller mehr gibt, der nicht an einem ähnlichen Konzept arbeitet: „Im Jahr 2015 werden Sie die überall sehen. Aber wir hoffen, dass wir die ersten sind.“

          Die Kleinsten in Detroit sind die drei Smart. „Hello USA, here I am“, begrüßen sie freundlich die Gäste. Smart ist das konkreteste Angebot zum Spritsparen, das Daimler seinen amerikanischen Kunden anbietet. Nur: Billig ist der Kleinstwagen nicht. 11.590 Dollar kostet er, für wenig mehr gibt es schon die ersten Pick-ups. Daimler-Chef Dieter Zetsche versichert, auch zum aktuellen Dollar-Kurs mit Smart einen Gewinn zu erzielen. Die Konkurrenz beäugt das Ökoauto skeptisch: „Normalerweise ist das kein Auto, das zu den Amerikanern passt“, sagt GM-Manager Lutz. „Aber wenn er auf einmal einen Coolness-Faktor bekommt und die richtigen Prominenten damit fotografiert werden, könnte das ganz anders aussehen.“

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