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Automobilzulieferer : Die Konsolidierung geht weiter

  • -Aktualisiert am

Die Anforderung an Zulieferer: weltweite Bezugsquelle sein Bild: ZB - Fotoreport

Die Zulieferindustrie befindet sich in einem Konzentrationsprozess. Das Verlangen der Hersteller nach globalen Bezugsquellen ist nur ein Grund, aber ein wesentlicher, dafür.

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          Trotz eines Volumenrückgangs von 65 Prozent und eines 7 Prozent Rückganges der Anzahl bekanntgegebener Transaktionen zeichnete der Komponentensektor in der Automobilindustrie für den Hauptteil von 55 Prozent der globalen M&A Aktivitäten im ersten Halbjahr verantwortlich.

          Die starke Konsolidierung-Bewegung in diesem Sektor beruht vor allem auf zwei Faktoren - dem Aufrücken von Zulieferern in der Wertschöpfungskette und dem Verlangen von Herstellen nach Zulieferern, die eine einzige globale Bezugsquelle darstellen (single source supply). Größe und Reichweite sind wohl wesentliche Überlebensfaktoren geworden, wobei der Versuch, beides zu erreichen, zu Problemen führen kann.

          Wertsteigerungsmöglichkeiten verzweifelt gesucht

          Zulieferer der ersten und zweiten Stufe haben mit voll ausgeschöpften Produktionssynergien und hauchdünnen Margen keine andere Alternative als nach zusätzlichen Wertsteigerungsmöglichkeiten zu suchen. Das führt zum Beispiel beim Fahrwerk, bei Bremsen und bei der Inneneinrichtung zur Produktion von kompletten Systemen und im Extremfall, wie zum Beispiel bei den Unternehmensgruppen Magna und Dana zur Lieferung ganzer Fahrzeuge. Vor dem Hintergrund einer trüben Wirtschaftslage, rückläufiger Absatzzahlen und globaler Überkapazitäten treiben die Hersteller durch anhaltenden Preisdruck auf Zulieferer die weitere Konsolidierung voran.

          Fressen oder gefressen werden

          Unternehmen, welche von der Seitenlinie aus die Konsolidierungswelle betrachten und das Rennen nach globaler Präsenz verpasst haben, sind nun zu Übernahmekandidaten geworden. Der Wertverlust von Aktienkapital wird im Jahr 2000 durch den Rückgang des PricewaterhouseCoopers Shareholder Value Indexes der Komponentenhersteller in Höhe von 35 Prozent verdeutlicht. Der Grund hierfür sind vor allem ein generell düsterer Ausblick der Wirtschaftslage, ein fehlendes Interesse seitens institutioneller Anleger an diesem Sektor, die negativen Auswirkungen der Akquisitionswelle der späten 90er Jahre und der anhaltende Preisdruck durch Fahrzeughersteller.

          Ein gutes Beispiel für Letzteres sind die im Dezember von DaimlerChrysler angekündigten Forderungen nach Preissenkungen in Höhe von 5 Prozent im Jahr 2001 und weiteren 10 Prozent im Jahr 2003. Dieses führte zu einer Reihe von Anpassungen von Ertragsprognosen durch Analysten.

          Konsolidierungstreiber: Private Equity

          Vor dem Hintergrund geringer Bewertungen in der Zuliefererindustrie haben sich Private Equity Anbieter als die treibende Kraft der Konsolidierung herausgebildet. Ihre Akquisitionsfonds sind bestens positioniert mit „buy & build“ Strategien kleinere Unternehmen aufzukaufen und zu schlüssigen und globalen Gruppen zusammenfügen. Dieser Trend begann Anfang letzten Jahres sich ernsthaft abzuzeichnen. In den letzten 18 Monaten haben Private Equity Anbieter Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 9,1 Milliarden Dollar finanziert. In den letzten 18 Monaten repräsentierte dies 15.7 Prozent des globalen, und 25Prozent des Komponentensektor M&A Volumens.

          Der Konzentrationsprozess hält an

          Trotz der Abnahme an M&A Volumen und nur sehr schwachen Zeichen eines Wiederauflebens des Shareholder Values (eine Verbesserung von 5 Prozent im ersten Halbjahr 2001) wird die Konsolidierung des Sektors vermutlich weiter anhalten. Sie wird vor allem durch den Verkauf von verlustbringenden non-core Sparten mit dem Ziel, Schulden zu tilgen und fokusiert zu wachsen, vorangetrieben werden. Private Equity Anbieter werden weiter im Zentrum dieses Prozesses stehen, während sich dieser auf internationaler Ebene ausweitet.

          Im zweiten Halbjahr 2001 werden im Jahre 2000/01 angekündigte Transaktionen im Wert von 4-5 Milliarden Dollar abgeschlossen werden. Dies wird vor allem durch die 1-1,3 Milliarden Dollar Akquisition von Sachs Automotive, dem Hersteller von Antriebssträngen und Fahrwerken, welcher aus der Siemens Akquisition von VDO Mannesmann im Jahre 2000 abgespalten wurde durch die ZF Friedrichshafen AG; dem 1 Milliarde Dollar Verkauf von ContiTech, der Gummibauteilesparte der Continental AG an Risikokapitalgeber Carlyle Management Group; der 435 Millionen Dollar Akquisition von Sagem's Automobilsparte durch Johnson Controls und dem Erwerb von Textron's Automobilsparte für Innenausstattung und Joan Fabrics durch Heartlands für insgesamt 1,5 Milliarden Dollar geprägt.

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