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VW und Porsche : Aus zwei mach eins, egal wie

  • -Aktualisiert am

Zwei aus einem Stall: Der VW up... Bild: Abdruck fuer Pressezwecke honora

Die Verschmelzung von Porsche mit VW stockt. Dieses Jahr wird es nichts mehr, wenn überhaupt. Das Ziel aber bleibt: Gemeinsam wollen sie Nummer eins werden.

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          Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung nimmt Volkswagen die Vision des integrierten Automobilkonzerns schon mal vorweg: Porsche gibt seinen eigenen IAA-Stand auf und zieht mit seinen Sportwagen erstmals in die VW-Halle; zu Skoda, Seat und all den anderen aus der großen Familie. Der frisch aufgelegte 911er präsentiert sich dort neben dem VW-Kleinwagen Up. Und am Montag, der traditionellen Vorabend-Show, werden VW- und Porsche-Vorstände und Aufsichtsräte einträchtig die Marken salutieren lassen: VW und Porsche ist eins, das ist die Botschaft, die der im Konzern Allmächtige Ferdinand Piëch so gerne hört: Es wächst zusammen, was zusammengehört.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nur rechtlich ist die Sache nicht einwandfrei geregelt: Die Verschmelzung der beiden Konzerne wird verschoben, dieses Jahr wird es nichts mehr, wenn denn überhaupt, teilte Volkswagen in der Nacht zum Freitag mit. In den nächsten Wochen werde der Vorstand seine Optionen sortieren.

          Juristische Spitzfindigkeiten

          Was dabei herauskommt, soll der Aufsichtsrat noch vor Ende des Jahres begutachten. Die beiden Parteien hätten sich wegen offener Rechtsfragen – an diversen Orten sind diverse Klagen anhängig – nicht über die Bewertung einigen können, hieß es zur Begründung: Welches Vermögen bringt VW ein, und was ist Porsche wert?

          ... und der neue Porsche 911. Beide feiern auf der IAA Premiere

          Nun ist die Vorstellung, da würden zwei Lager um den rechten Preis feilschen, seltsam: Wie soll zwischen Wolfsburg und Zuffenhausen ein Machtkampf entbrennen, wenn hier wie da dieselben Akteure am Werk sind?

          Der Vorstandsvorsitzende der Porsche-Holding heißt: Martin Winterkorn, im Hauptberuf Chef des VW-Konzerns. Sein Finanzvorstand ist an beiden Arbeitsplätzen Hans Dieter Pötsch. Die beiden haben sich nach offizieller Lesart in den entscheidenden Debatten ihrer Stimme enthalten. Verhandelt haben demnach die übrigen Vorstände, umgeben von Heerscharen an Juristen und sonstigen Beratern.

          Nur: Im Zweifel hören die Mannschaften auf beiden Seiten des Tisches auf dasselbe Kommando, das der Familien Piëch und Porsche nämlich. Der Clan hält 90 Prozent an der Porsche-Holding SE, die wiederum ist nach gegenwärtigem Stand Mehrheitseigner an der Volkswagen AG (siehe Grafik). Deshalb scheint zwischen all den juristischen Spitzfindigkeiten der Verdacht auf, dass es den Familien gar nicht so unrecht ist, wie es nun ist: Schließlich haben sie über die Porsche-Holding Zugriff auf Volkswagen, stärker wohl, als dies bei einer Verschmelzung der Fall wäre, in der womöglich Minderheitsaktionär Qatar und das Land Niedersachsen an Einfluss gewinnen.

          Offiziell heißt es weiterhin: Das Ziel bleibt der integrierte Automobilkonzern. Der zweite Weg dorthin sieht so aus: VW kauft die restlichen Anteile an der operativen Sportwagenfirma namens Porsche AG, die Porsche SE bliebe als reine Finanzholding bestehen. Die Verschmelzung wäre hinfällig, der Effekt derselbe: VW und Porsche sind eins. Nur für Bilanz und Steuer hätte das Folgen.

          Im ungünstigen Fall wird es teuer

          Eine Ursache für den schleppenden Prozess ist, dass auch eine Milliardärsfamilie wie die Porsche/Piëchs ungern zu hohe Steuern zahlt: So ist bis zum heutigen Tag nicht geklärt, wie das Finanzamt eine Verschmelzung behandelt: „Das Gesetz regelt das nicht eindeutig“, klagt Finanzvorstand Pötsch. Im für Porsche dümmsten Fall verlangt der Fiskus an die zwei Milliarden Euro. Wartet Porsche bis zum Jahr 2014, verringert sich die Last auf null. Im Zweifel lohnt sich Geduld, zumal auch die diversen Klagen zu klären sind. Etliche Investoren wollen das Geld zurück, das sie an der Börse verloren haben, weil sie sich über die wahren Absichten des damaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking in seinem Eroberungszug getäuscht sehen – oder sich auch nur getäuscht haben: Diese Frage haben die Richter zu entscheiden. Im für Porsche ungünstigen Fall wird es teuer: für Wiedeking selbst, aber auch für den Konzern und die Eigentümerfamilien.

          Nur auf das eigentliche Geschäft, Produktion und Verkauf von Autos, hat das Gezerre offenbar keine schädlichen Folgen: Volkswagen floriert. Der Konzern steht so gut da wie nie. Die Modelle werden hoch gelobt, die Aktionäre sind glücklich. Und Winterkorn arbeitet Schritt für Schritt am großen Ziel: die Nummer eins, der beste und größte Autohersteller der Welt, zu werden. Mit oder ohne Verschmelzung.

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