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VW-Chef Winterkorn : „Bei Volkswagen läuft nichts aus dem Ruder“

  • Aktualisiert am

Martin Winterkorn (rechts) mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Bild: dapd

VW-Chef Winterkorn sieht noch keine Abschwächung im Geschäft. Europas größter Automobilkonzern wird auch im kommenden Jahr wachsen, sagt er im F.A.Z.-Gespräch. Und das Zerwürfnis mit Suzuki sei kein Beinbruch.

          Herr Winterkorn, der VW-Aktienkurs ist seit Ende August um rund ein Drittel gefallen. Ist das irrational oder der Vorbote für eine Gewinnerosion?

          Dieser Kursrutsch hat mit unseren Fundamentaldaten nichts zu tun. Wir sehen in unserem Geschäft derzeit praktisch keine Abschwächung. Gemessen an der guten Auftragslage sind keine Risikoszenarien erkennbar. Ob Deutschland, Russland, China, Brasilien oder Nordamerika – wir sind überall gut unterwegs. Aber selbstverständlich beobachten wir die Lage sehr genau. Aktuell geht es in einigen südeuropäischen Märkten und in dem ein oder anderen osteuropäischen Land konjunkturbedingt abwärts.

          Wie wird sich der Gesamtmarkt entwickeln?

          Wir erwarten, dass in diesem Jahr rund um den Globus rund 62 Millionen Autos verkauft werden. Für 2012 hatten wir ursprünglich mit einem Wachstum auf 65 Millionen Fahrzeuge gerechnet. Inzwischen gehen wir nur noch von 64 Millionen aus. Der Markt wird also wachsen – und damit auch Volkswagen. Eine Situation wie 2008 erwarten wir nicht.

          Martin Winterkorn

          Sobald MAN und Porsche konsolidiert werden, wächst VW auf einen Umsatz von mehr als 150 Milliarden Euro und rund 500 000 Mitarbeiter. Ist ein so komplexer Gigant überhaupt noch steuerbar und kontrollierbar?

          Ja. Sie dürfen nicht vergessen: Ob Volkswagen, Audi, Skoda, Seat oder Bentley – jede Marke hat ihren eigenen Auftritt, ihre eigene Zentrale und Entwicklung. Das ist ja schon seit Jahren der Kern unserer Mehrmarkenstrategie.

          Das mag sein. Aber am Ende nehmen Sie doch persönlich jedes einzelne Fahrzeug ab.

          Das stimmt.

          Und dann sind da noch so Kleinigkeiten wie die Übernahme des Lastwagenbauers MAN, Milliardenklagen bei Porsche und der Streit mit dem Partner Suzuki. Sind Sie nicht kolossal überlastet?

          Ich bin jetzt seit 30 Jahren in diesem Konzern. Das ist ein großer Vorteil. Wenn ich eine umfangreiche Vorlage bekomme, dann weiß ich nach wenigen Blicken, ob ein Projekt läuft oder nicht.

          Aber auch, wenn es operativ gut läuft: Haben Sie sich angesichts der stockenden Übernahme von MAN, der verschobenen Verschmelzung bei Porsche, dem Streit mit Suzuki nicht zu viel vorgenommen? Ist der Konzern zu komplex?

          Zunächst einmal haben Sie Recht: Unser Kerngeschäft läuft sehr gut. Ich meine: Über 6 Milliarden Euro operatives Ergebnis im ersten Halbjahr und 14 Prozent Wachstum bei den Auslieferungen in den ersten acht Monaten sprechen da eine klare Sprache. Natürlich gibt es in einem Konzern wie unserem immer Dinge, die etwas anders laufen als ursprünglich geplant. Aber glauben Sie mir: Wir haben all die genannten Themen im Griff. Da läuft uns nichts aus dem Ruder! In Sachen MAN erwarten wir noch in diesem Jahr die Genehmigung. Für die Porsche Integration gilt: Der integrierte Automobilkonzern wird kommen. Die Optionen, auf welchem Weg das am besten geschieht, werden wir jetzt noch einmal gründlich analysieren. Und auch die Entwicklung mit Suzuki ist kein Beinbruch. Wir haben unsere Strategie 2018 lange vor der Kooperation mit Suzuki auf den Weg gebracht. Insofern setzen wir unsere Ziele so oder so um. Aber natürlich werden wir weiter das Gespräch mit den Kollegen bei Suzuki suchen und an unserem Anteil festhalten. Sie müssen sich also keine Gedanken um Volkswagen machen: Wir gehen unseren erfolgreichen Weg Stück für Stück weiter.

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