https://www.faz.net/-gqe-13t30

Verwaltungsrat soll entscheiden : Um Opel zu behalten, braucht GM Milliarden

  • -Aktualisiert am

Dass der GM-Verwaltungsrat klar für den Verbleib von Opel im Konzern plädiert, gilt als unwahrscheinlich Bild: AP

Sollte der Verwaltungsrat von GM tatsächlich entscheiden, Opel im Konzern zu behalten, dann stünden die Amerikaner vor erheblichen Finanzierungsproblemen. GM würde dafür bis zu 6,1 Milliarden Dollar benötigen. Ende November wird auch der Kredit über 1,5 Milliarden Euro von Bund und Länder fällig.

          3 Min.

          Dass die Bundesregierung und General Motors (GM) sich bisher nicht über den richtigen Eigentümer für Opel einigen können, stellt beide Seiten vor ein Dilemma. Denn Ende November wird der Kredit über 1,5 Milliarden Euro fällig, den Bund und Länder dem Autohersteller im Juni gegeben haben. Gezahlt werden müssen dann auch 6,5 Prozent Zinsen, wie aus Kreisen der Opel-Treuhand berichtet wird. Der Kredit sei zu fast 100 Prozent mit Vermögen des Unternehmens als Pfand besichert, darunter Grundstücken und Fabriken.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Sollte der Verwaltungsrat von GM nach seiner Sitzung an diesem Mittwoch tatsächlich durchblicken lassen, dass der Konzern Opel selbst behalten will, dann stünden die Amerikaner vor einem erheblichen Finanzierungsproblem. „GM bräuchte dann zunächst einmal einen konkreten Finanzierungs- und Geschäftsplan für Opel“, sagte Thomas Schäfer, der Verhandlungsführer der vier Bundesländer mit Opel-Standorten, der F.A.Z. Einen solchen Plan habe der Verwaltungsrat aber bisher nicht vorweisen können.

          Finanzierungszusagen nur für den Verkauf an Magna

          Das Problem: Bund und Länder haben eine Finanzierungszusage von 4,5 Milliarden Euro nur für den Fall gemacht, dass GM sich für den Verkauf von Opel an den Autozulieferer Magna entscheidet. Keine staatlichen Hilfen aus Deutschland soll es geben, wenn Opel bei GM bleibt oder an den Finanzinvestor RHJI verkauft wird.

          GM wäre zwar dem Vernehmen nach bereit, rund 1 Milliarde Euro aus der eigenen Kasse für Opel aufzubringen und hofft zudem auf ergänzende Staatskredite über eine weitere Milliarde Euro aus Spanien, England und Polen. Aber auch diese Summe würde bei weitem nicht für die Sanierung von Opel ausreichen, wenn der Staatskredit zurückgezahlt werden muss.

          Dann droht ein Milliardenloch. Einerseits ist es zwar unwahrscheinlich, dass die deutsche Politik Opel ohne Not in die Insolvenz schicken würde. Aber auszuschließen ist diese Option nach der Bundestagswahl nicht mehr, weil dann der Einfluss der Arbeitnehmervertreter auf die Politik deutlich schwindet. Zumal sich die Liquiditätssituation von Opel sehr schnell zuspitzen könnte, sobald die Lieferanten ab November aus Verunsicherung Vorkasse für ihre Lieferungen verlangen.

          Bei einem Verbleib von Opel im Konzern würde GM wohl mit bis zu 6,1 Milliarden Dollar in bar deutlich mehr Mittel benötigen als bisher angenommen, wie aus einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG für den Verwaltungsrat hervorgeht, der der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstagabend vorlag. Die bisher von GM kalkulierten Zusatzkosten von 4,65 Milliarden Dollar seien „übertrieben optimistisch“ gewesen, heißt es in dem KPMG-Bericht.

          Verbleib von Opel im Konzern wäre auch politischer Zündstoff

          Dass der GM-Verwaltungsrat klar für den Verbleib von Opel im Konzern plädiert, gilt als unwahrscheinlich – weil dies einem Gesichtsverlust für viele deutsche Politiker gleich käme: Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew haben sich stets für den Investor Magna eingesetzt. Zudem wäre mit hartem Widerstand der Gewerkschaft und der Betriebsräte zu rechnen, die schon mehrfach damit drohten, ihren Lohnverzicht von rund 300 Millionen Euro jährlich wieder rückgängig zu machen, wenn nicht an Magna verkauft wird. Als denkbar gilt indes, dass GM eine verklausulierte Absage an Magna formuliert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nicht alle Jugendliche halten Ausschau nach einer ernsten Beziehung, auch eine Freundschaft plus ist für viele eine Alternative.

          Sex ohne Beziehung : Warum „Freundschaft plus“ oft schiefgeht

          Man mag sich, man hat Sex, man will keine Beziehung. Die Psychotherapeutin Harriet Salbach erklärt, warum „Freundschaft plus“ bei Jugendlichen so beliebt ist – und für viele dann doch nicht das Richtige.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.