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VDA-Präsident Wissmann : „Deutsche Autos verbrauchen weniger Sprit“

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Branchenverbandspräsident Wissmann rechnet im laufenden Jahr mit mehr Gegenwind für die Autoindustrie Bild: REUTERS

Matthias Wissmann, Verbandspräsident der Autoindustrie, prophezeit den Autobauern hierzulande im Interview mit der F.A.Z. ein „hartes Arbeitsjahr“. Sorgen bereiten Wissmann neue Handelsbarrieren.

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          Herr Wissmann, die deutsche Autoindustrie eilt von Rekord zu Rekord. Kann das immer so weitergehen?

          2012 wird ein hartes Arbeitsjahr, wir erwarten mehr Gegenwind. Die hohen Wachstumsraten aus 2011 lassen sich in dieser Form nicht einfach fortschreiben. Wir haben die Geschwindigkeit zurückgenommen, halten aber noch vergleichsweise hohes Tempo. Der globale Automobilmarkt bleibt auf Wachstumskurs. Insgesamt erwarten wir 2012 ein Plus von 4 Prozent. Das sind gute Perspektiven für unsere Unternehmen.

          Und die beiden wichtigsten Märkte in den Vereinigten Staaten und China?

          Beide werden in diesem Jahr um 8 Prozent auf jeweils mehr als 13 Millionen Einheiten zulegen.

          Gute Vorzeichen also, mit einer einzigen, aber sehr wichtigen Ausnahme: Westeuropa. Der Markt schrumpft hier das fünfte Jahr hintereinander. Wie geht es weiter?

          Durch die Staatsschuldenkrise in einigen Ländern der Europäischen Union könnte der Absatz in Westeuropa 2012 um bis zu 5 Prozent auf 12,1 Millionen Einheiten zurückgehen.

          Aber?

          Die deutsche Autoindustrie ist global breit aufgestellt. Das hilft auszugleichen: Von zehn aus Deutschland exportierten Autos gehen sieben in Länder außerhalb des Euroraums. Jedes siebte Exportauto wird nach Nordamerika ausgeführt, jedes achte nach China. Hinzu kommt, dass die deutschen Hersteller im weniger konjunkturabhängigen Premiumbereich über einen Weltmarktanteil von 80 Prozent verfügen. Und selbst in Westeuropa baut sich ein Nachholbedarf auf, der sich in den nächsten Jahren auflösen dürfte, wenn sich die Rahmenbedingungen wieder verbessern. Denn bis zur Finanzkrise 2008 lag das Marktvolumen Westeuropas zehn Jahre lang stets über 14 Millionen Einheiten.

          Den deutschen Autoherstellern geht es überwiegend sehr gut. Doch Fiat, Opel und Peugeot leiden unter dem schrumpfenden Markt und würden gerne Werke schließen, um ihre Kosten zu senken. Rechnen Sie damit, dass es wieder Kurzarbeit und Abwrackprämien in Europa geben wird?

          Nein, jedenfalls nicht hierzulande. Für die deutsche Autoindustrie erwarte ich eine stabile Beschäftigung. Allein binnen Jahresfrist haben wir die Zahl der Mitarbeiter um 25 000 auf 730 000 erhöht.

          Wir brauchen also keine neuen Abwrackprämien?

          Nein, Westeuropa hat eine vorübergehende Schwäche, kein strukturelles Nachfrageproblem. Die Deutschen stehen hier gut da: Jedes zweite Auto, das in Westeuropa neu zugelassen wird, trägt inzwischen ein deutsches Markenzeichen.

          Aber in anderen Ländern steigt der Druck. Fiat-Chef Sergio Marchionne hat vorgeschlagen, die Überkapazitäten in Europas Autoindustrie sollten in einem von der EU moderierten Prozess abgebaut werden. Was halten Sie davon?

          Der Automarkt in Europa zählt zu den wettbewerbsintensivsten der Welt. Neue Konkurrenten, etwa aus Südkorea, greifen im Volumensegment an. Das spüren natürlich viele der bisherigen Spieler, vor allem die auf den europäischen Absatzmarkt konzentrierten Hersteller. Doch die deutschen Konzernmarken haben in den letzten zehn Jahren ihren Marktanteil stabil gehalten - die neuen Anbieter haben also zu Lasten unserer Wettbewerber Marktanteile gewonnen. Die Konkurrenz ist das passende Regulativ, die Politik kann uns die Hausaufgaben nicht abnehmen.

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