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Streetscooter : Elektroauto aus dem Baukasten

  • -Aktualisiert am

Achim Kampker will schon bald in großem Stil Elektroautos produzieren Bild: Setzer

Er will schon bald ein bezahlbares Elektroauto verkaufen: Achim Kampker, Professor in Aachen, hat dafür die Streetscooter GmbH gegründet. Er setzt auf ein Netzwerk mittelständischer Zulieferer.

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          Irgendwie muss es der Sippe im Blut liegen: Jedenfalls ist Achim Kampker durchaus nicht der einzige Tüftler in der Familie. Sein Vater arbeitet als Bauingenieur; der eine von zwei älteren Brüdern kümmert sich um Produktionsroboter bei Daimler, der andere schraubt im Dienste der Werkstattkette Moto. Und alle drei haben sie Ingenieurwissenschaften an der Universität RWTH in Aachen studiert. Dort ist Achim Kampker heute als Professor angestellt und lehrt Produktionsmanagement. Anders als seine Brüder hat Kampker kein Benzin im Blut. „Ich bin kein Autonarr, sondern sehe das ganz einfach als Fortbewegungsmittel an“, sagt der 35-jährige Wissenschaftler, den man auch für einen Studenten halten könnte, steckte er nicht in einem Anzug.

          Umso erstaunlicher ist es, dass Kampker im Rezessionsjahr 2009 die Idee eines Professorenkollegen aufgriff und ein Unternehmen gründete, das schon bald in großem Stil Autos produzieren soll, genauer gesagt: Elektroautos. Denn genau darum geht es bei der Streetscooter GmbH, deren Vorstandschef und Gründer Kampker ist. Gemeinsam mit einem Dutzend mittelständischen Zulieferern als Miteigentümern entwickelt das Unternehmen ein bezahlbares Elektroauto, das nur 5000 Euro kosten soll - allerdings ohne die teure Batterie, die von den künftigen Kunden zusätzlich geleast werden muss. Schaffen will Kampker das mit Hilfe einer neuartigen Produktionstechnik, die auf einem Baukastensystem basiert, und durch den Verzicht auf alles nicht dringend Notwendige wie etwa elektrische Fensterheber oder eine Klimaanlage.

          Offiziell überwiege in der Regel die Skepsis

          Das große Kapital spielt bei Streetscooter noch keine Rolle. Jedes der beteiligten Unternehmen bringt statt Geld sein Fachwissen auf einem bestimmten Gebiet ein. Zuletzt eingestiegen ist etwa der Karosseriespezialist Kirchhoff aus dem Sauerland. Und um die künftigen Vertriebskonzepte kümmert sich die holländische Leasinggesellschaft Athlon. Gerade ist das von der Firma Zentec aus Schaumstoff herausgefräste Schaumodell des Streetscooter fertig geworden, das ein bisschen wie ein verzerrter Mini aussieht und auf der Hannover Messe im April ausgestellt wird. Bis zur Automesse IAA im Herbst in Frankfurt sollen darüber hinaus zwei Prototypen ausgereift sein - einer für die Technik, einer für das schicke Aussehen. Die Serienfertigung beginnt jedoch erst 2013 in einer Fabrik der holländischen Mitsubishi-Tochtergesellschaft Nedcar. Kampker will mit seinem Projekt zeigen, was möglich ist. „Es gibt zu viele Bedenkenträger in Deutschland und zu wenige, die einfach etwas ausprobieren und dadurch auch voranbringen“, sagt er. Dabei gebe es auch viel zu verlieren, wenn nichts unternommen werde: „Die Elektromobilität könnte das erste Feld im Automobilbau sein, auf dem China die deutschen Hersteller komplett hinter sich lässt.“

          Bislang noch eine Simulation: der Streetscooter
          Bislang noch eine Simulation: der Streetscooter : Bild: RWTH

          Umso mehr wundert sich Kampker, dass die meisten Fachleute sein Projekt nur unter vier Augen loben. Offiziell überwiege in der Regel die Skepsis. Erst nach den öffentlichen Diskussionsrunden zeigten viele Kollegen oder Konkurrenten ihre Begeisterung für das Projekt eines bezahlbaren Elektroautos für jedermann. Bei seinen Studenten versucht Kampker Eigeninitiative zu fördern. „Niemand sollte auf die Hilfe des Staates in Form von Kaufprämien oder Forschungsgeldern warten - erst recht nicht die Autoindustrie.“

          „Auf die Zusammenarbeit mit großen Herstellern haben wir bewusst verzichtet“

          Um möglichst schnell zu lernen, hat sich Kampker eine Auswahl von Elektrofahrzeugen konkurrierender Hersteller zugelegt, die er regelmäßig fährt. „Fensterheber oder eine Musikanlage müssen nicht unbedingt sein. Aber wenn das Auto am Hang nicht schneller als 40 Kilometer in der Stunde fährt oder wenn die mit der Batterie erzielbare Reichweite ständig stark schwankt, dann stört das sehr.“ Bei seiner Entwicklungsarbeit will Kampker weiterhin ohne die Unterstützung von Volkswagen, Daimler oder BMW auskommen. „Auf die Zusammenarbeit mit großen Autoherstellern haben wir bewusst verzichtet, um Strukturen aufzubrechen.“ Das Denken der Konzerne sei zu eingefahren, um in einem Netzwerk gleichberechtigter Partner die besten Lösungen für ein preiswertes Elektroauto zu finden. Ziel sei es, das technisch Machbare und die Wirtschaftlichkeit zusammenzubringen.

          Glaubt man den verheißungsvollen Prognosen für die Elektromobilität, dann ist der Geschäftserfolg des Streetscooter programmiert: In den Ballungszentren New York, Schanghai und Paris etablieren sich nach Einschätzung der Unternehmensberatung McKinsey Elektro- und Hybridfahrzeuge schon bis 2015 als realistische Alternative zu Autos mit herkömmlichem Verbrennungsmotor. Allein in Deutschland sollen nach dem Willen der Bundesregierung bis 2020 eine Million Stromer auf die Straße kommen. Bis Ende 2010 waren es nicht einmal 2000 Elektrofahrzeuge. Kein Wunder: Trotz vollmundiger Ankündigungen der Autohersteller gibt es bisher nur vereinzelt Elektrofahrzeuge zu kaufen, zu Preisen ab 35 000 Euro. „Die Revolution“, sagt Kampker, „muss aus dem Mittelstand kommen.“

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