https://www.faz.net/-gqe-z4sx

Smart-Chefin Annette Winkler : „Das E-Bike soll nächstes Jahr kommen“

  • Aktualisiert am

Winkler: „Es geht letztlich um sauberere Luft und mehr Lebensqualität in der Stadt” Bild: Daimler

Sie liebt die S-Klasse, aber für die Stadt gibt es nichts besseres als den Smart, sagt die Chefin Annette Winkler im F.A.Z.-Gespräch. Das Unternehmen will demnächst auch Fahrräder verkaufen.

          4 Min.

          Frau Winkler, als der Smart erfunden wurde, nannte man ihn ein Mobilitätskonzept. Heute ist er ein einfach nur noch ein Auto. Schade eigentlich ...

          Für uns ist der Smart heute mehr denn je eine große Idee für die innerstädtische Mobilität. Außerdem ist und bleibt der Smart ein Auto, das Spaß macht und wunderbar praktisch ist. Wenn in Berlin alle Autos durch einen Smart ersetzt würden, könnte man 700 Fußballfelder Parkplatz sparen ...

          ... für Daimler wäre das aber schlecht: zu viel Smart, zu wenig Mercedes.

          Auch ich fahre mit Leidenschaft öfter mal ein großes Auto, ich liebe die S-Klasse. Aber für die Stadt gibt es nichts Besseres als den Smart. Darum geht es ja: Es soll einfach und günstig sein, das Transportmittel zu nehmen, das gerade passt. Die Zeit ist reif, diese Uridee des Smart wieder aufleben zu lassen, denn Innovationen wie Smartphones machen vieles erst möglich. Das ist eine Riesenchance.

          Annette Winkler am Steuer: Sie glaubt, dass der Markt für E-Scooter „geradezu explodieren” wird

          Das hört sich eher nach Marketing an als nach Strategie.

          Wir haben eine klare Strategie für die Marke Smart. Dazu gehört für mich, aus Smart einen Think-Tank für Mobilitätskonzepte zu machen, und das begeistert mich. Zudem gehören zu meinen Aufgaben natürlich auch die Entwicklung der neuen Smart-Generation, die Einführung des Smart in neue Märkte, unser Individualisierungsprogramm sowie das Vorantreiben der Elektrifizierung. Und in diesem Zusammenhang auch das Ausweiten der Marke in Richtung E-Bike und E-Scooter.

          Wartet denn der Markt auf Fahrräder und Roller aus dem Hause Daimler?

          Die Resonanz auf beide Konzepte war super. Es ist sehr anspruchsvoll, ein geeignetes Geschäftsmodell für den E-Scooter zu finden. Ich persönlich glaube jedoch fest daran dass der Markt geradezu explodieren wird, hier in Europa, aber auch in Nordamerika. Aber es gibt noch keine Entscheidung, dass wir den Roller bauen, im Gegensatz zum E-Bike.

          Smart bietet Fahrräder an? Wann und wo?

          Da sind wir sehr ehrgeizig, das E-Bike soll nächstes Jahr auf den Markt kommen. Wir können uns dafür Europa, Nordamerika und den Mittleren Osten gut vorstellen. Dort sehe ich eine rasant wachsende Nachfrage. Es ist die ideale Ergänzung zur Stadtmobilität, denn natürlich kann man mit dem Pedelec sportlich Radfahren, aber es ist eben auch ein Transportmittel. Daher könnte ich mir das E-Bike, dort wo es gewünscht ist, als Teil unseres Projekts Car2go vorstellen: das heißt, dort könnte man dann nicht nur schnell und unkompliziert einen Smart leihen, sondern auch ein E-Bike. Das passt auch, denn die räumlich und zeitlich voll flexible Fahrradleihe war ja dereinst Inspiration für Car2go.

          Was hat das E-Bike von Smart, das andere nicht haben?

          Wir haben ein Smart-typisches Design. Man wird sein iPhone als Tacho und Navi nutzen können und so ganz einfach zum nächsten Rastplatz oder zum nächsten Bäcker und Supermarkt finden. Und natürlich wird man dann die Einkäufe in passenden Taschen intelligent und sicher unterbringen können – ebenfalls typisch Smart. Deswegen sehen wir das Fahrrad auch als Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen.

          Das ist ja auch dringend nötig. Die Absatzzahlen von Smart sind im vergangenen Jahr unter 100000 abgesackt.

          Mit Blick auf den Lebenszyklus sind wir damit zufrieden. In den ersten vier Monaten dieses Jahres haben wir um rund acht Prozent zugelegt. Das motiviert uns. Der Zuwachs kommt vor allem aus China, aber auch aus Deutschland, wo wir über 20 Prozent zugelegt haben – und das in einem reifen Markt.

          China? Fährt man dort nicht die superlange E-Klasse? Oder Kleinwagen aus eigener Herstellung?

          Wir haben es geschafft, den Smart in China als Lifestyle- und Premiumprodukt zu positionieren. Unser Stand auf der Messe in Schanghai war richtig gut besucht. Der Smart ist ein hochemotionales Fahrzeug, von dem die Chinesen sagen: Das will ich haben.

          Alle warten darauf, dass Smart wieder mehr ist als ein einziges, schon etwas angejahrtes Modell. Wie läuft denn eigentlich die Arbeit mit Renault für das nächste Fahrzeug?

          Das läuft gut! Wir haben den Vorteil, dass wir im Leitungsteam nicht nur viele frankophile, sondern auch frankophone Kollegen haben. Das macht vieles leichter. Und grundsätzlich gilt: beide haben das gleiche Ziel. Nur wenn beide Partner Erfolg haben, können wir davon über die Skaleneffekte profitieren.

          Apropos Preis-Leistungs-Verhältnis: wie kann man denn einen Elektro-Smart verkaufen, wenn kein Mensch sich das Auto leisten kann? Der Preis für die Batterie steht doch in keinem Verhältnis zum Preis für einen Kleinstwagen.

          Seien Sie sicher: wir haben schon jetzt spannende Ideen, mit denen wir die Kosten für unsere Kunden in Zukunft erschwinglich machen.

          Erwartet uns eine Revolution in der Batterietechnik?

          Zunächst einmal denken wir heute über innovative und attraktive Vertriebsmodelle nach.

          Hm. Da fällt uns das Mietmodell Ihres neuen Kooperationspartners Renault ein: eine Art monatliche Abschlagszahlung auf die Batterie. So etwas?

          Unsere Konzepte werden wir erst im Sommer präsentieren. Wir sind sicher, dass sie funktionieren werden. Entscheidend ist auch eine motivierte und speziell auf die Smart-Kundschaft fokussierte Vertriebsmannschaft. Wir müssen dafür sorgen, dass wir möglichst viele Menschen dazu bringen, den Smart auszuprobieren. Der Smart hat eine erstaunliche „Conversion Rate“, also die Zahl der Kaufabschlüsse nach einer Probefahrt ist sehr hoch – das macht schon das unerwartet großzügige Raumgefühl. Für ein Elektro-Auto ist eine Probefahrt natürlich noch wichtiger. Es ist schließlich überraschend und begeisternd, wie viel Spaß es macht, so ein Auto zu fahren.

          Wie sind denn die Absatzpläne?

          Wir planen eine fünfstellige Stückzahl Elektro-Smarts mit der Markteinführung der 3. Generation des Smart for two electric drive im ersten Jahr der vollen Verfügbarkeit, also ab 2013. Das Auto ist natürlich vor allem interessant für Märkte, in denen elektrisch Fahren gefördert wird.

          Sie brauchen also Subventionen ...

          Nun, wo Städte oder Länder das emissionsfreie Fahren voranbringen wollen, müssen sie eine Infrastruktur aufbauen und Förderungskonzepte erarbeiten. Denn beides kommt ja nicht nur den Kunden zugute, sondern der Allgemeinheit – denn es geht letztlich um sauberere Luft und mehr Lebensqualität in der Stadt.

          Die künftige grün-rote Landesregierung hat angekündigt, man werde eine Flotte von Elektroautos anschaffen. Rechnen Sie für Smart mit einer Bestellung?

          Wir freuen uns jedenfalls schon auf das erste Gespräch – zumal wir gerade beim Smart ja auch ganz gut verschiedene Farben kombinieren können.

          Zur Person

          Annette Winkler führt seit September die Marke Smart. Der Kleinstwagen, der so manche Bilanz des Daimler-Konzerns ruinierte, soll unter der Ägide der 51 Jahre alten promovierten Kauffrau zu neuer Größe geführt werden: durch die Kooperation mit Renault, aber auch durch die Auffächerung der Angebotspalette in Richtung Mobilitätskonzepte und nun auch E-Bikes.

          Winkler begann ihr Berufsleben im traditionsreichen Bauunternehmen der eigenen Familie. Im Alter von 36 Jahren wechselte sie plötzlich zu dem Stuttgarter Autohersteller, wo sie zunächst die Kommunikation für Mercedes-Benz verantwortete, bevor sie im Vertrieb Karriere machte und zuletzt das europäische Vertriebsnetz steuerte. Zum Fahrrad hat Annette Winkler eine besondere Beziehung. Es gab Zeiten, da fuhr sie täglich hundert Kilometer auf ihrem Rennrad - doch: „Das ist lang vorbei“, sagt sie. Als Smart-Chefin fehlt ihr dazu die Zeit.

          sup.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Putin am Montag zu Besuch beim saudischen König Salman in Riad.

          Russland und die Kurden : Syrien ist jetzt Putins Spielfeld

          Russlands Präsident ist die Spinne im Netz der Konflikte des Nahen Ostens. Sein Triumph hat auch damit zu tun, dass die Amerikaner ihn in Syrien lange Zeit gewähren ließen.
          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
          Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

          Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

          Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.