https://www.faz.net/-gqe-z4sx

Smart-Chefin Annette Winkler : „Das E-Bike soll nächstes Jahr kommen“

  • Aktualisiert am

Mit Blick auf den Lebenszyklus sind wir damit zufrieden. In den ersten vier Monaten dieses Jahres haben wir um rund acht Prozent zugelegt. Das motiviert uns. Der Zuwachs kommt vor allem aus China, aber auch aus Deutschland, wo wir über 20 Prozent zugelegt haben – und das in einem reifen Markt.

China? Fährt man dort nicht die superlange E-Klasse? Oder Kleinwagen aus eigener Herstellung?

Wir haben es geschafft, den Smart in China als Lifestyle- und Premiumprodukt zu positionieren. Unser Stand auf der Messe in Schanghai war richtig gut besucht. Der Smart ist ein hochemotionales Fahrzeug, von dem die Chinesen sagen: Das will ich haben.

Alle warten darauf, dass Smart wieder mehr ist als ein einziges, schon etwas angejahrtes Modell. Wie läuft denn eigentlich die Arbeit mit Renault für das nächste Fahrzeug?

Das läuft gut! Wir haben den Vorteil, dass wir im Leitungsteam nicht nur viele frankophile, sondern auch frankophone Kollegen haben. Das macht vieles leichter. Und grundsätzlich gilt: beide haben das gleiche Ziel. Nur wenn beide Partner Erfolg haben, können wir davon über die Skaleneffekte profitieren.

Apropos Preis-Leistungs-Verhältnis: wie kann man denn einen Elektro-Smart verkaufen, wenn kein Mensch sich das Auto leisten kann? Der Preis für die Batterie steht doch in keinem Verhältnis zum Preis für einen Kleinstwagen.

Seien Sie sicher: wir haben schon jetzt spannende Ideen, mit denen wir die Kosten für unsere Kunden in Zukunft erschwinglich machen.

Erwartet uns eine Revolution in der Batterietechnik?

Zunächst einmal denken wir heute über innovative und attraktive Vertriebsmodelle nach.

Hm. Da fällt uns das Mietmodell Ihres neuen Kooperationspartners Renault ein: eine Art monatliche Abschlagszahlung auf die Batterie. So etwas?

Unsere Konzepte werden wir erst im Sommer präsentieren. Wir sind sicher, dass sie funktionieren werden. Entscheidend ist auch eine motivierte und speziell auf die Smart-Kundschaft fokussierte Vertriebsmannschaft. Wir müssen dafür sorgen, dass wir möglichst viele Menschen dazu bringen, den Smart auszuprobieren. Der Smart hat eine erstaunliche „Conversion Rate“, also die Zahl der Kaufabschlüsse nach einer Probefahrt ist sehr hoch – das macht schon das unerwartet großzügige Raumgefühl. Für ein Elektro-Auto ist eine Probefahrt natürlich noch wichtiger. Es ist schließlich überraschend und begeisternd, wie viel Spaß es macht, so ein Auto zu fahren.

Wie sind denn die Absatzpläne?

Wir planen eine fünfstellige Stückzahl Elektro-Smarts mit der Markteinführung der 3. Generation des Smart for two electric drive im ersten Jahr der vollen Verfügbarkeit, also ab 2013. Das Auto ist natürlich vor allem interessant für Märkte, in denen elektrisch Fahren gefördert wird.

Sie brauchen also Subventionen ...

Nun, wo Städte oder Länder das emissionsfreie Fahren voranbringen wollen, müssen sie eine Infrastruktur aufbauen und Förderungskonzepte erarbeiten. Denn beides kommt ja nicht nur den Kunden zugute, sondern der Allgemeinheit – denn es geht letztlich um sauberere Luft und mehr Lebensqualität in der Stadt.

Die künftige grün-rote Landesregierung hat angekündigt, man werde eine Flotte von Elektroautos anschaffen. Rechnen Sie für Smart mit einer Bestellung?

Wir freuen uns jedenfalls schon auf das erste Gespräch – zumal wir gerade beim Smart ja auch ganz gut verschiedene Farben kombinieren können.

Zur Person

Annette Winkler führt seit September die Marke Smart. Der Kleinstwagen, der so manche Bilanz des Daimler-Konzerns ruinierte, soll unter der Ägide der 51 Jahre alten promovierten Kauffrau zu neuer Größe geführt werden: durch die Kooperation mit Renault, aber auch durch die Auffächerung der Angebotspalette in Richtung Mobilitätskonzepte und nun auch E-Bikes.

Winkler begann ihr Berufsleben im traditionsreichen Bauunternehmen der eigenen Familie. Im Alter von 36 Jahren wechselte sie plötzlich zu dem Stuttgarter Autohersteller, wo sie zunächst die Kommunikation für Mercedes-Benz verantwortete, bevor sie im Vertrieb Karriere machte und zuletzt das europäische Vertriebsnetz steuerte. Zum Fahrrad hat Annette Winkler eine besondere Beziehung. Es gab Zeiten, da fuhr sie täglich hundert Kilometer auf ihrem Rennrad - doch: „Das ist lang vorbei“, sagt sie. Als Smart-Chefin fehlt ihr dazu die Zeit.

sup.

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.