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Sberbank-Chef Gref : Der Russe für Rüsselsheim

  • -Aktualisiert am

German Gref führt Russlands größte Bank Bild: AP

German Gref führt Russlands größte Bank, die Sberbank. Er wird demnächst in Rüsselsheim einiges zu sagen haben - denn die Sberbank bekommt ein Drittel von Opel. Oder, nach Grefs Worten „eine sehr gute Gelegenheit, zu einem beispiellos niedrigen Preis einen der fortschrittlichsten Autobauer Europas zu erhalten.“

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          „Wir müssen beweisen, dass Elefanten tanzen können!“ Mit diesen launischen Worten hatte sich German Gref im November 2007 auf der Hauptversammlung der Sberbank, Russlands größtem Finanzinstitut, nach der Wahl zum neuen Chef der Bank eingeführt. Seitdem versucht der 45 Jahre alte Gref den immer noch unbeweglichen Koloss zu modernisieren. Die Herkulesaufgabe, die dabei auf Gref wartet, umschrieb Ksenia Judajewa, die Chefökonomin der Sberbank folgendermaßen: Die Bank benötige eine Revolution, um vom 19. ins 21. Jahrhundert zu kommen.

          Revolutionäres, wenn nicht gar wundersames, erwarten sich nun auch deutsche Politiker und die Opel-Mitarbeiter von Gref. Zusammen mit dem kanadischen Autozulieferer Magna und dem finanziell angeschlagenen, russischen Fahrzeughersteller GAZ als industriellen Partner soll die Sberbank die Mehrheit an der europäischen GM-Tochter übernehmen. „Das ist eine sehr gute Gelegenheit für Russland, zu einem beispiellos niedrigen Preis einen der vom technologischen Standpunkt her fortschrittlichsten Autobauer Europas zu erhalten“, sagte er in einer ersten Reaktion. Als Retter lässt sich der jugendlich wirkende, studierte Jurist jedoch nicht feiern. Zum Thema Opel hatte sich Gref bisher nur einsilbig geäußert. Erst vor etwas mehr als einer Woche hatte die staatlich kontrollierte Bank ihr Interesse an einer Teilnahme am Konsortium dem breiteren Publikum bekundet.

          Die Bank hat eigene Probleme

          Die gezügelte Begeisterung ist leicht zu erklären: In der Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Bank genügend eigene Probleme. Zwar hatte Gref in der Strategie bis ins Jahr 2014 festgeschrieben, verstärkt ins Ausland zu expandieren. Damit hatte er aber den Aufbau eines international tätigen Finanzkonzerns im Auge, nixcht aber ein Industriekonglomerat inklusive Autobauer.

          Gref weiß, was der Kreml will: Die Opeltechnologie für die eigene Autoindustrie

          Die Übernahme von Opel könnte den Gang nach Indien, China und in die Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) verzögern. Durch die Zunahme an Insolvenzen in Russland droht die Sberbank ohnedies, zu einem Gemischtwarenladen zu verkommen. Zuletzt wurde gemeldet, dass die Bank zusammen mit einem russischen Dienstleister eine Lebensmittelkette aufbaut, nachdem sie Ladenflächen von einem nicht zahlungsfähigen Schuldners erhalten hatte.

          Die Sberbank will trotzdem nicht zu einem Sowjetministerium mit allerlei Industriebeteiligungen zurückkehren. Das kann man sich gar nicht leisten. Das größte Problem für Gref ist die rasante Zunahme an faulen Krediten. Wenn die Rückstellungen für die Zahlungsausfälle von derzeit gut 6 Prozent der Summe der Bruttoausleihungen bis Ende des Jahres auf 10 Prozent erhöht werden müssen, erwartet die Bank nur mehr ein ausgeglichenes Ergebnis, wenn nicht gar einen Verlust.

          Das große Plus der Sberbank die derzeit eine Marktkapitalisierung von gut 21 Milliarden Euro aufweist (die Deutsche Bank wird mit 28,9 Milliarden Euro bewertet), ist die implizite Staatsgarantie. Die russische Zentralbank, welche die Beteiligung des Staates an der Sberbank verwaltet, hält 60,3 Prozent der Stimmrechte. In den vergangenen Monaten erhielt die Sberbank bevorzugt Gelder vom Staat. Der Kreml regiert mit.

          Instrument der Industriepolitik

          Deswegen drängen sich Bankkunden bevorzugt vor Schaltern der Sberbank, um ihr Erspartes einzuzahlen. Rund 50 Prozent aller russischen Spareinlagen liegen auf Konten der Sberbank. Die Kehrseite der Medaille ist, dass das Finanzinstitut von der russischen Regierung als Instrument der Industriepolitik verwendet wird.

          Die Beteiligung der Sberbank am Magna-Konsortium zur Opel-Übernahme ist denn auch mehr Ausdruck russischer Wirtschaftspolitik als einer autonomen Entscheidung der Bank. Mit der Hilfe für Opel soll nach Vorstellungen des Kremls der darbenden russischen Automobilindustrie geholfen werden. Bereits im März hatte Gref verkündet, dass die Sberbank den hochverschuldeten GAZ-Konzern des russischen Geschäftsmannes Oleg Deripaska nicht bankrott gehen lasse. Die russische Regierung hat kein Interesse daran, dass Russlands zweitgrößter Fahrzeughersteller noch mehr Stellen als bisher abbaut, zudem ist der Aufbau einer modernen Autoindustrie in Russland ein hartnäckig verfolgtes Ziel.

          Hauptgläubiger von GAZ

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