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Qoros : Chinesen bringen eine neue Automarke nach Europa

  • -Aktualisiert am

Chery gründet eine weitere Automarke Bild: AFP

Der chinesische Hersteller Chery Quantum hat die Marke Qoros gegründet, die ersten Prototypen sind fertig. 2013 werden die Fahrzeuge nach Europa geliefert.

          3 Min.

          Wie einst die Japaner und die Koreaner haben jetzt die ersten chinesischen Autohersteller den langen Marsch auf Europas Automärkte begonnen. Als nächstes wird Europas Autoindustrie neue Konkurrenz von einem chinesisch-israelischen Gemeinschaftsunternehmen bekommen. Der Autohersteller Chery Quantum hat gerade die Automarke Qoros offiziell gegründet. „Wir beginnen Mitte 2013 mit der Produktion und werden anfangs 150.000 Einheiten im Jahr herstellen, später 300.000, davon die Hälfte für den Export nach Europa“, sagte Co-Vorstandschef Volker Steinwascher der F.A.Z..

          Der 60 Jahre alte Manager stammt aus Deutschland und hat bis 2006 das Geschäft von Volkswagen in Amerika geleitet, bevor er erst in den Ruhestand ging und dann durch persönliche Verbindungen auf die Idee kam, Chery Quantum ins Leben zu rufen. Neben Steinwascher arbeitet noch ein prominenter deutscher Automanager für das chinesische Unternehmen: Gert Hildebrand, ehemals Chefdesigner der BMW-Kleinwagenmarke Mini.

          Chery Quantum ist ein Gemeinschaftsunternehmen des chinesischen Autoherstellers Chery mit dem israelischen Mischkonzern Israel Corp. Chery ist der größte Autoexporteur Chinas und zugleich ungewöhnlicherweise ein Privatunternehmen. Und Israel Corp. hat neben Chery Quantum noch eine weitere Beteiligung in der Autoindustrie: der Konzern ist mit 30 Prozent auch der Haupteigentümer des kalifornischen Elektroauto-Infrastrukturbetreibers Better Place. Das Gemeinschaftsunternehmen der beiden ungleichen Partner wurde 2007 gegründet und hat bisher rund eine Milliarde Euro investiert.

          Westliche Standards

          Nach etlichen Verzögerungen sind nun die ersten Prototypen fertig. Den Löwenanteil der Entwicklungsarbeit hat der österreichisch-kanadische Autozulieferer Mag Steyr geleistet. „Wir planen zwei Limousinen und einen Geländewagen im C-Segment, also in der Größe eines VW Golf. Alle drei Autos werden auf demselben Grundgerüst beruhen“, sagte Steinwascher. Die Produktionsstätte werde gerade in Changshu nahe Schanghai errichtet.

          Das Besondere an dem Projekt ist, dass Chery Quantum einer der ersten chinesischen Autohersteller sein wird, der Autos nach den westlichen Standards für Qualität, Sicherheit sowie Umwelt baut - und dafür nicht auf ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem westlichen Autokonzern wie General Motors oder Volkswagen angewiesen ist. „Sämtliche Patente und sämtliches Fachwissen werden im Besitz unseres chinesischen Unternehmens sein“, sagte Steinwascher.

          Die Autos von Chery Quantum würden sogar schon die erst von 2013 an geltenden europäischen Sicherheitsvorschriften der halboffiziellen Crashtest-Organisation NCAP erfüllen. Dennoch sollen die Wagen nur zwischen 11000 und 15000 Euro kosten. Die Motoren liefert Chery, für das Getriebe sei man in Verhandlungen mit dem deutschen Zulieferer Getrag. An dem baden-württembergischen Mittelständler wollte sich noch bis vor kurzem der chinesische Fahrzeughersteller Dongfeng beteiligen, blitzte aber letztlich doch ab, weil sich die Finanzierungsschwierigkeiten von Getrag verringert haben.

          Vorbild iPhone

          „Unser Schwerpunkt wird nicht auf möglichst großer Fahrdynamik und neuester Technik liegen, sondern vielmehr auf Nutzerfreundlichkeit und einfacher Bedienbarkeit“, erklärt Steinwascher. Vorbild sei gewissermaßen das iPhone von Apple. So soll es im Innenraum der Autos nicht allzu viele verschiedene Knöpfe und Hebel geben, damit sich etwa die Informationstechnik der wagen intuitiv bedienen lässt. Auf moderne Antriebstechnik verzichten will man aber auch nicht: Schon eines der ersten Autos soll auch in einer Variante mit einem voll elektrischen Antrieb angeboten werden.

          Schon seit langem stehen Elektrofahrzeuge auf der Prioritätenliste der chinesischen Zentralregierung. Seit etwa zehn Jahren baut Peking durch das Erlassen von Bestimmungen Druck auf und setzt zugleich durch umfängliche Subventionspakete Anreize für die Herstellung von Elektroautos. Auch die deutschen Hersteller haben darauf reagiert. So gründete Volkswagen die chinesische Elektroautomarke Kaili und Daimler arbeitet mit seinem Partner BYD an einem ähnlichen Projekt.

          Chery Quantum ist nicht der erste chinesische Autohersteller, der auf den europäischen Markt strebt. Zwar brauchen die Hersteller aus dem Reich der Mitte noch einige Jahre, aber Europas Hersteller werden sich langfristig auf die Chinesen einstellen müssen. Das erste chinesische Autowerk in Europa hat gerade der Konzern Great Wall in Lowetsch in Bulgarien fertiggestellt. Vor zwei Wochen lief dort mit dem „Great Wall Voleex C10“ das erste chinesische Auto „Made in Europe“ vom Band. Auch sollen die Geländewagen Hover „H5“ und „Steed“ gebaut werden. Anfang des kommenden Jahres beginnt die Serienproduktion.

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