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Opel-Übernahme : „Es wäre toll, wenn es Mitte Juli mit Magna klappt“

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Carl-Peter Forster als Testpilot: das Interview gab er im Prototyp des neuen astra, der im September vorgestellt wird Bild: Helmut Fricke / F.A.Z.

GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster über die schwierige Suche nach Investoren für Opel, über geschwätzige Betriebsräte und darüber, dass „mehr oder minder jeder Autohersteller jeden Tag Geld verbrennt“ - Interview.

          GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster spricht im Interview über die schwierige Suche nach Investoren für Opel, über geschwätzige Betriebsräte und darüber, dass „mehr oder minder jeder Autohersteller jeden Tag Geld verbrennt“.

          Herr Forster, wir fühlen uns allmählich veralbert: Gibt es nun einen Retter für Opel, oder gibt es ihn nicht?

          Wir führen Gespräche mit mehreren Investoren, die werden in den nächsten Wochen zu einem Abschluss gebracht.

          Im Mai hatte die Kanzlerin schon Magna als Investor präsentiert und Steuergeld zur Überbrückung spendiert. War das alles gelogen?

          Nein. Es wurde gesagt, dass Magna derjenige Investor ist, mit dem man vertiefte Gespräche führt - ohne eine Exklusivität zu vereinbaren. Und weil es die nicht gibt, kann es aus Sicht des Verkäufers GM nur helfen, wenn weitere Interessenten den Prozess beflügeln. Insofern wird mit dem ein oder anderen noch geredet.

          Ohne dass dort ein überbordendes Interesse besteht?

          Alle haben ein ernstes Interesse, die hier in großen Teams aufgetaucht sind und im Datenraum das Geschäft detailliert geprüft haben.

          In Rüsselsheim waren auch Fiat, Ripplewood, die Chinesen - Magna aber bleibt Ihr Favorit?

          Magna hat ganz sicher einen erheblichen Vorsprung, da wurde mit Abstand am weitesten verhandelt.

          Nur hat die Politik den Fehler gemacht, Magna voreilig zum Sieger zu küren. Das nützen die Austro-Kanadier nun, um nachzuverhandeln?

          Es geht nicht um Nachforderungen, sondern nur noch um Details. Da kommt es auf jedes Wort an. Nach dem Treffen der Spitzen von GM und Magna bin ich äußerst zuversichtlich, da wurde weitgehendes Einverständnis erzielt.

          Woran hakt es noch? An der Forderung von GM, Opel in ein paar Jahren wieder zurückzukaufen?

          Dieses Thema sollte beigelegt sein, auch die Nutzung der Patente ist weitgehend geklärt. Diskutiert wird jetzt noch die künftige Konstellation in Russland, dem für uns so wichtigen Markt: Wer wird dort lokaler Partner? Was geschieht mit den GM-Fabriken dort und den anderen in Russland präsenten Marken des Konzerns?

          Was bedeutet es, dass Magnas russischer Partner, die Sberbank, schnell wieder aussteigen will?

          Vom ersten Tag an war klar, dass die Sberbank nicht notwendigerweise der langfristige Partner von Opel in Russland sein wird.

          Strittig ist, wie viel Verlust Opel momentan Tag für Tag einfährt: drei Millionen Euro, wie Ministerpräsident Roland Koch sagt? Oder gar das Doppelte?

          Eine exakte Zahl pro Tag gibt es nicht. Und wenn, dann reden wir nicht von Verlust, sondern vom Cash-Bedarf. . .

          . . . dem Betrag, den Sie jeden Tag verlieren, weil Sie mehr Geld ausgeben als reinkommt im laufenden Geschäft.

          Ja. Die Zahl ist aber nicht gleichzusetzen mit Verlust: Wir geben Geld für neue Modelle aus, da haben wir etwas mehr Cash-Bedarf, das gleicht sich hinterher wieder aus. Richtig ist: Wir brauchen rasch Klarheit über unseren Investor, damit die Finanzierung geklärt ist.

          Die 1,5 Milliarden Kredit vom Staat sind befristet auf sechs Monate, kommen Sie damit so lange über die Runden?

          Ja.

          Ende November ist der Kredit fällig, spätestens dann brauchen Sie einen potenten Geldgeber.

          Genau.

          Magna-Chef Wolf hat jetzt den 15. Juli als Termin für die Vertragsunterzeichnung genannt.

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