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Opel-Rettung : Magna überarbeitet seinen Plan für Bochum

  • Aktualisiert am

Was wird aus Bochum, wenn Magna bei Opel einsteigt? Bild: dpa

Die Bundesregierung und die vier Bundesländer mit Opel-Standorten wollen sich am Mittwochabend darauf einigen, wer Opel übernehmen soll. Favorit bleibt Magna. Nach F.A.Z.-Informationen wird am Magna-Plan derzeit neu geschraubt.

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          Die Bundesregierung und die vier Bundesländer mit Opel-Standorten wollen sich am Mittwochabend darauf einigen, wer Opel übernehmen soll. Das wird aus Branchenkreisen berichtet; Favorit ist Magna. Um auch die Zustimmung des Landes Nordrhein-Westfalen zu gewinnen, überarbeitet der Autozulieferkonzern gerade seinen Plan für das Werk in Bochum. „Wir verhandeln darüber, ob die Fabrik besser ausgelastet werden könnte, indem die Produktion des Modells Astra von Antwerpen nach Bochum verlegt wird“, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Staatskanzlei der F.A.Z. Zudem könne zukünftig das Elektroauto Ampera in Bochum produziert werden – allerdings auf absehbare Zeit nur in kleineren Stückzahlen.

          Nach dem ursprünglichen Plan wollte Magna die Astra-Produktion von Bochum nach Rüsselsheim verlegen. Dann hätte man 2200 der 5000 Arbeiter in Bochum entlassen müssen. Deshalb hatte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers als einziger Vertreter der vier Bundesländer mit Opel-Fabriken zunächst sein Veto gegen Magna eingelegt. Insgesamt plant Magna für Deutschland den Abbau von 2500 der 25 000 Stellen bei Opel, so dass Bochum nach dem Ursprungsplan überproportional stark betroffen wäre. „Magna will das noch einmal überdenken“, sagte der Sprecher der Staatskanzlei. Wenn der Astra aus Antwerpen abgezogen würde, müsste allerdings das dortige Werk ganz geschlossen werden. Ein Abschluss der Gespräche mit Magna wird morgen erwartet.

          An diesem Dienstag will Magna zudem den Arbeitnehmervertretern von General Motors (GM) aus ganz Europa die Pläne vorstellen. „Wir haben Magna dazu nach Rüsselsheim eingeladen“, sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz der F.A.Z. GM beschäftigt in Europa gut 50.000 Mitarbeiter.

          Merkel trifft Marchionne am Dienstag

          Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, eine Ministerrunde habe für die Investorengespräche bis Mittwoch ein Arbeitsprogramm erstellt. Er relativierte Differenzen zwischen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), weil dieser eine mögliche Opel-Insolvenz nicht ausschließen wollte. „Es gibt für alle Mitglieder der Bundesregierung das Ziel, zu einer guten Lösung zu kommen“, sagte Wilhelm, „und eine Insolvenz zu vermeiden.“ Der Regierungssprecher versicherte, dass es in den Gesprächen mit den Investoren über das Wochenende Fortschritte gegeben habe und ihre Positionen sich bewegten, was die Sicherung von Standorten, von Arbeitsplätzen und Sicherheiten für Staatshilfen betreffe. Während Steinmeier mit dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna gesprochen hatte, telefonierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin, weil Magna den russischen Partner Sberbank einbringen möchte. Merkel will am Dienstag Fiat-Chef Sergio Marchionne treffen, der zum zweiten Mal nach Berlin kommt.

          Die Bundesregierung steht unter Zeitdruck, weil schon am 1. Juni eine Insolvenz von GM drohen könnte. Sie will vorher eine europäische Opel-Struktur aufbauen, die eine Sicherheit dafür bietet, dass staatlich garantierte Kredite nicht zur Muttergesellschaft abfließen. Dazu dient auch ein Treuhandmodell für Opel, dem die amerikanische Regierung als GM-Gläubiger zustimmen müsste. Die Bundeskanzlerin sagte, man wolle die Herauslösung von Opel aus dem Mutterkonzern möglichst noch vor Ablauf der von der amerikanischen Regierung für GM gesetzten Frist erreichen.

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