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Opel in Rüsselsheim : Kampf um den Astra

  • -Aktualisiert am

Donnergrollen: Der Streit um den Astra wird schärfer Bild: dapd

Betriebsrat und IG Metall laufen Sturm gegen die geplante Verlagerung der Astra-Produktion nach England und Polen. Die Unternehmensleitung mauert, die Gewerkschaft droht.

          Das Opel-Werk Rüsselsheim kämpft um die Produktion des Astra: Die Pläne des amerikanischen Autokonzerns General Motors (GM), im Stammwerk der deutschen Tochtergesellschaft Opel künftig keine Kompaktwagen vom Modell Astra mehr zu produzieren, haben auf Seiten der Arbeitnehmervertreter von Betriebsrat und Gewerkschaft heftige Reaktionen ausgelöst.

          Während die Unternehmensleitung abzuwiegeln suchte, antwortete die IG Metall mit einer unverhohlenen Drohung. „Wenn es keinen mit uns abgestimmten Geschäftsplan gibt, der die drei deutschen Produktionsstandorte und Kaiserslautern sichert, gibt es keine Unterstützung für dieses Management. Dann wird Opel monatelang mit schlechten Nachrichten statt mit guten Autos von sich reden machen“, erklärte IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild. Die Gewerkschaft ruft zu einem Warnstreik in Rüsselsheim an diesem Dienstag auf. „Das ist der Kampf um den Standort“, sagte IG Metall-Funktionär Armin Groß.

          Auslöser für den Konflikt ist das durch die F.A.Z. bekanntgemachte Vorhaben, den Kompaktwagen Astra von 2015 an nur noch an den preisgünstiger produzierenden Standorten im englischen Ellesmere Port und im polnischen Gliwice vom Band laufen zu lassen. Opel versuchte zunächst, die Bedeutung der Pläne kleinzureden.

          „Die Astra-Produktion hat erst 2011 im Werk Rüsselsheim begonnen“, teilte Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke noch am späten Sonntagabend mit. Insgesamt seien 2011 „nur 18.000 Astra in Rüsselsheim vom Band“ gelaufen. Europaweit habe Opel vergangenes Jahr 329.000 Einheiten des erfolgreichen Kompaktmodells produziert. Rüsselsheim sei „einer unserer modernsten Standorte, von dem wir uns weitere Effizienzverbesserungen versprechen, um zusätzliche Investitionen zu tätigen“.

          Der Betriebsrat machte dagegen deutlich, wie sehr der Standort Rüsselsheim gefährdet werde. „Stellungnahmen der Geschäftsleitung, in denen der Vorstandsvorsitzende der Adam Opel AG, Karl-Friedrich Stracke, den Eindruck erweckt, dass der Astra für Rüsselsheim mit nur geringen Stückzahlen kein wichtiges Modell sei, entsprechen nicht der Wahrheit“, sagte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug.

          Absatz um 16 Prozent geschrumpft

          Fakt sei, dass Rüsselsheim zum Beginn der Produktion des Astra im Jahr 2011 auf 18.000 Fahrzeuge zugunsten von Polen und England vorläufig verzichtet habe und diese für die nächsten Jahre „gutgeschrieben“ bekommen habe. Allein in diesem Jahr werde Rüsselsheim rund 70.000 Astra produzieren. Im zweiten Halbjahr 2012 werde jedes zweite in Rüsselsheim produzierte Auto ein Astra sein. Dem Rüsselsheimer Werk stehe bis 2014 gemäß Tarifvertrag die Hälfte der Produktion des fünftürigen Astra zu.

          Opel leidet darunter, dass der Absatz in den ersten vier Monaten dieses Jahres in Europa um 16 Prozent auf 228.000 Autos geschrumpft ist. Die Werke sind deshalb nur zu wenig mehr als zwei Dritteln ausgelastet. Obwohl erst Ende 2010 ein Werk im belgischen Antwerpen geschlossen und die Zahl der Mitarbeiter im Zuge der Sanierung seit 2009 um mehr als 8000 auf inzwischen 39.000 reduziert wurde, macht Opel in diesem Jahr voraussichtlich den sechsten Milliardenverlust nacheinander. Der Betriebsrat ist zu Zugeständnissen bei Lohn und anderen Kosten von 70 Millionen Euro bereit, wenn die nächste Generation des Astra ab 2015 in Rüsselsheim vom Band läuft.

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