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Luxusautos : Daimlers Maybach droht der schleichende Tod

Teures Gefährt: Der Maybach auf einer Automesse in Russland Bild: dpa

Keine 30 der noblen Maybach-Karossen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland zugelassen. Das teure Gefährt wird im Spannungsfeld zwischen Status und Ökologie zum Problem. Höchste Zeit für Daimler als Eigentümer der Marke, etwas zu ändern.

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          Dieses Auto ist Luxus pur: Ein Kühlfach mit Silberbechern für den Champagner fehlt ebenso wenig wie ein Humidor samt Zigarrenschneider. In der auf 100 Stück limitierten Ausgabe des „Maybach Zeppelin“ verströmt zudem eine von innen beleuchtete Acrylglas-Kugel auf Knopfdruck sanft und unaufdringlich Parfüm. Drei mundgeblasene Flakons, die zur patentierten Beduftungsanlage passen, werden mitgeliefert. Wem das nicht Luxus genug ist, der kann die Chromleisten mit 24-Karat-Echtgold-Auflage veredeln oder gar schwarze Diamanten in die Mittelarmlehne einarbeiten lassen.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Was das Herz der Superreichen begehrt, kann Maybach liefern. Das Problem ist allerdings: das Interesse daran ist denkbar gering. Keine 30 der Luxus-Karossen wurden im vergangenen Jahr in Deutschland zugelassen, weltweit fanden nicht einmal 160 Stück einen Käufer. Höchste Zeit für Daimler als Eigentümer der Marke, etwas zu ändern.

          Ausweg aus der Misere

          Gerade im Jubiläumsjahr, 125 Jahre nach der Erfindung des Automobils, könnte der Stuttgarter Konzern die Tradition beschwören und den Maybach aufpolieren - hatte Wilhelm Maybach als enger Mitarbeiter von Gottlieb Daimler doch erheblichen Anteil an der Entwicklung des Autos. Aber die Entscheidung über die Zukunft von Maybach lässt auf sich warten. Fürs erste Halbjahr war sie einmal angekündigt. Jetzt lässt sich absehen, dass Daimler sogar noch die Frankfurter Automesse IAA im September abwartet. Dort soll eine Studie der zweiten Maybach-Generation gezeigt werden, gebaut auf Basis der nächsten S-Klasse, die 2012 auf den Markt kommt.

          Potentiellen Interessenten bleibt Daimler die Antwort über eine mögliche Markteinführung der zweiten Maybach-Generation schuldig. So etwas wie eine Beschlussvorlage gibt es nicht. Daimler-Chef Dieter Zetsche wirkt unschlüssig, wenn er sich - eher widerwillig - zum Thema äußert. Es gebe eine „höhere Wahrscheinlichkeit für eine positive Entscheidung“, wenn ein Partner eingebunden werde, sagte Zetsche jüngst. Diese Aussage lässt wenig Rückschlüsse zu, außer vielleicht dem, dass Daimler nicht vorhat, die Maybach-Gefährte auch künftig in Handarbeit am Mercedes-Standort Sindelfingen zu fertigen.

          Die Produktion an einen anderen Hersteller zu vergeben scheint daher als Ausweg aus der Misere zu gelten. Da trifft es sich gut, dass gute Kontakte zu dem Schwaben Ulrich Bez bestehen, der seit elf Jahren Aston Martin führt. Die englische Fahrzeugschmiede könnte als verlängerte Werkbank für den Maybach dienen, raunen die einen. Die Stuttgarter könnten das Interieur einer neuen Maybach-Generation in England entwickeln lassen, auf dass es sich noch mehr abhebe von einem Mercedes, schlagen die anderen vor. „Eine Kooperation wäre die schlechteste Option“, meint ein Analyst. Daimler solle sich daher zu einem Neustart mit mehreren Modellen durchringen oder aber die Marke einstellen.

          Zetsche selbst betrachtet den Maybach offenbar eher als Milliardengrab denn als Hoffnungsträger. Zwar werden Details zum wirtschaftlichen Erfolg – respektive Misserfolg – streng unter Verschluss gehalten. Doch da nur ein Bruchteil der ursprünglich geplanten Verkäufe realisiert wurde, lässt sich ableiten, dass die Maybach-Manufaktur mit ihren 200 stolzen Mitarbeitern von Mercedes quersubventioniert wird.

          Am Image kratzen

          Eine Milliarde für die Entwicklung des Maybach wären „kein gutes Investment für ein Auto mit geringem Absatzvolumen“ gewesen, räumte Zetsche kürzlich ein, ohne jedoch weiter ins Detail zu gehen. Aus heutiger Sicht müsste er die Milliarde anders anlegen, in neue Technologien oder in sparsamere Motoren – denn noch ist der Stuttgarter Hersteller ziemlich weit entfernt von der EU-Forderung nach höchstens 130 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß bis zum nächsten Jahr. Sollte Daimler das Ziel für seine Flotte nicht schaffen, würde das ziemlich am Image kratzen. Ökologisch motivierte Investitionen wären also gut angelegtes Geld, ein Luxusgefährt mit 15 Liter Normverbrauch passt nicht so gut in dieses Muster.

          Das Größte aber war gerade gut genug, als Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp der Idee verfiel, die Marke Maybach wieder zu beleben und damit den deutschen Konkurrenten VW und BMW mit Bentley und Rolls-Royce ein eigenes Luxuslabel entgegenzusetzen.

          Schlechte Karten

          Obwohl die Anschläge vom 11. September damals die Welt erschüttert hatten, plante man bei der Markteinführung des Maybach noch mit einem jährlichen Absatz von 1000 Autos. Allein in Amerika würde der Maybach 400 Mal jährlich verkauft, so die Prognose, weshalb der erste Maybach mit großem Getöse in der Queen Elizabeth über den Atlantik geschippert und im Glascontainer von einem Hubschrauber nach Manhattan eingeflogen wurde. Noch ist der Markt für Luxusgüter in den Vereinigten Staaten der größte, er wird sich aber nach Prognosen der Beratungsgesellschaft Bain mit einem Plus von 8 Prozent auf 52 Milliarden eher moderat entwickeln im Vergleich zum chinesischen Markt, wo die Nachfrage nach Luxusgütern in diesem Jahr um ein Viertel auf 11,5 Milliarden Euro zulegen dürfte. Luxus in China folgt aber anderen Mustern: Die Kunden dort seien 20 bis 25 Jahre jünger als die westliche Klientel, bemerkt Bain-Partner Rudolf Pritzel. Maybach habe dort eher schlechte Karten, während der Mercedes-Stern den Chinesen als globales Statussymbol gilt. Für die S-Klasse ist China ohnehin schon zum wichtigsten Absatzmarkt avanciert.

          Die Chinesen könnten Daimler den Weg weisen – denn aus Marketing-Sicht ist es zweifelhaft, ausgerechnet das Premiumprodukt mit einer anderen Marke zu belegen. „Ich habe das von Anfang an für einen strategischen Fehler gehalten“, sagt Marken-Experte Peter Littmann, der in den neunziger Jahren selbst im Aufsichtsrat von Mercedes saß. In dieser Zeit war bei Daimler vom Maybach noch keine Rede.

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