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Kommunikationssysteme : Das Auto geht online

  • -Aktualisiert am

Blick ins Messegelände des Genfer Autosalons: Am Donnerstag öffnet sich das Gelände für das Publikum Bild: dpa

Die Autoindustrie steht vor einem der besten Jahre ihrer Geschichte: Die Hersteller werden wahrscheinlich so viele Autos verkaufen wie nie zuvor. Und auf der Messe in Genf zeigen sie neue, teils mit der Stimme steuerbare Kommunikationssysteme.

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          Noch ist es kalt am Lac Leman, dem Genfer See. Doch auf der alljährlichen Automesse, die am Donnerstag ihre Pforten für das Publikum öffnet, werden frühlingshafte Gefühle vorherrschen. Die Autoindustrie steht vor einem der besten Jahre ihrer Geschichte. Voraussichtlich werden 2011 rund um den Globus zum ersten Mal mehr als 60 Millionen Autos produziert - so viele wie niemals zuvor.

          Gerade BMW, Daimler und Volkswagen verdienen besonders gut am Export. Sie profitieren von der ungezügelten Nachfrage der Amerikaner und Chinesen nach großen und teuren Autos. Dieses Geschäft füllt den Konzernen die Kasse. Und aus diesem Geschäft können sie die neuen, umweltfreundlicheren Antriebe der Zukunft finanzieren, die auf der Messe zu sehen sein werden. Fast 170 Welt- und Europapremieren, Neuvorstellungen und Konzeptstudien sind angekündigt. Jeder Hersteller, der etwas auf sich hält wird neben der konventionellen Spritspartechnik auch ein Elektroauto und mindestens ein Hybridmodell vorführen.

          Die Autohersteller müssen mit Microsoft, Google oder Apple zusammenarbeiten

          Neben den batteriebetriebenen Wagen, rückt ein weiteres Thema in den Vordergrund: Das Auto geht online. Immer mehr Hersteller führen mit dem Internet verbundene Kommunikationssysteme ein, die auf der Verknüpfung des Autos mit Mobiltelefonen beruhen und vom Fahrer entweder mit der eigenen Stimme oder über einen Berührungsbildschirm gesteuert werden. Vorreiter ist der amerikanische Ford-Konzern. Aber auch Audi, BMW und Daimler arbeiten an ähnlichen Ausstattungen. Anrufe aus dem Auto, die der Fahrer seinem Telefon mit der eigenen Stimme befiehlt, werden künftig keine Seltenheit mehr sein. Die neue Technik wird in Kürze sogar in der Lage sein, Kurznachrichten vom Handy oder Emails vorzulesen und sich eine Antwort diktieren zu lassen.

          Bisher haben die Autohersteller selbst bestimmt, wie die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine aussieht. Systemlieferanten entwickelten die Kommunikationsplattformen im Auto nach den Vorgaben der Autohersteller. Das ändert sich jetzt. Künftig erwarten die Benutzer von Autos, dass sie ihr eigenes - wie auch immer geartetes - elektrisches Gerät mitbringen und problemlos in das Auto einfügen können. Die Autohersteller müssen also früher oder später mit Konzernen wie Microsoft, Google oder Apple enger zusammenarbeiten. Und gleichzeitig wird der Ruf nach Vereinfachung der Geräte und der Standardisierung der Plattformen immer lauter. Vor Beginn des Autosalons meldete etwa der Zulieferer Delphi einen Geschäftserfolg. Das amerikanische Unternehmen liefert an Audi eine neue Generation von Infotainmentgeräten für die Modelle A1, A6 und A7. Zu der Kommunikationsplattform gehört unter anderem ein Navigationsgerät mit hochauflösendem Farbmonitor.

          Die Autohersteller mit dem umweltfreundlichsten Ruf

          Aber auch im Bereich Sprit sparender Kleinwagen warten viele Überraschungen auf die Besucher des Autosalons. Der Chef der BMW-Marke Mini, Wolfgang Armbrecht deutete an, die Mini-Produktpalette könnte abermals ausgeweitet werden. Dabei geht es um die Studie „Rocketman“, die auf dem Autosalon in Genf vorgestellt wird. „Wir testen die Reaktion und werden uns dann gegebenenfalls weitere Gedanken machen“, sagte der Mini-Chef der Nachrichtenagentur dpa. Der „Rocketman“ ist deutlich kleiner und leichter als die bisherigen Modelle von Mini. Die Karosserie besteht zu großen Teilen aus Karbon, im Innenraum gibt es viele Zierteile aus bunt beleuchtetem Papier. So soll das Fahrzeuggewicht unter eine Tonne sinken und einen Verbrauch von etwa 3 Litern ermöglichen. Porsche stellt derweil in Genf den Panamera S Hybrid vor, der mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,8 Liter je 100 Kilometer als „sparsamster Porsche aller Zeiten“ beworben wird. Während Elektroautos auf großen Automessen einen immer größeren Stellenwert haben, sind sie auf den Straßen noch selten zu sehen: Nur 540 Neuzulassungen batteriebetriebener Fahrzeuge hat das Flensburger Kraftfahrtbundesamt 2010 gezählt. Die meist recht kleinen Elektroflitzer werden bisher fast ausschließlich von Unternehmen gekauft, die damit ihren Ruf in Sachen Umweltschutz aufbessern wollen. Für den normalen Käufer erscheinen sie mit Preisen ab 34 000 Euro noch zu teuer. So viel kostet jedenfalls der bisher als einziges Elektroauto in Deutschland wirklich für jedermann verfügbare Peugeot Ion. Als einer der ersten deutschen Hersteller wird Opel Ende dieses Jahres das Elektromodell Ampera hierzulande auf den Markt bringen, das auf dem Chevrolet Volt des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors beruht. Marktführer bleibt jedoch auf absehbare Zeit der französisch-japanische Autohersteller Renault-Nissan mit seinem Elektromodell Leaf. Wann sich Elektroautos durchsetzen, ist nach Meinung von Experten noch ungewiss.

          Aus Sicht der Kunden hat jedoch der japanische Weltmarktführer Toyota, der als führend in der Hybridtechnik gilt, den größten Vorsprung beim Thema Umweltschutz. Das zeigen laut CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen Umfrageergebnisse aus mehreren Studien. Die Reihenfolge der Autohersteller mit dem umweltfreundlichsten Ruf laute: Toyota vor BMW, Honda, Volkswagen, Mercedes. Audi liege etwas abgeschlagen auf Platz 7. Toyota will diesen Vorsprung offenbar ausbauen und zeigt in Genf einen Vollhybrid-Kleinwagen, der im kommenden Jahr auf den Markt kommt, den an der Steckdose aufladbaren Hybrid Prius und das voll elektrisch angetriebene Stadtauto IQ. Bis 2012 will Toyota elf Hybridmodelle anbieten.

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