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Hängepartie : Behält General Motors Opel doch?

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Eine neue Wendung im Opel-Poker: General Motors soll erwägen, die deutsche Tochter zu behalten Bild: picture-alliance/ dpa

Es wäre eine absolute Kehrtwende: Das GM-Management will angeblich prüfen, ob es den deutschen Autobauer Opel und die Schwestermarke Vauxhall nicht doch behalten und als eigene Töchter wieder auf Trab bringen kann. Der Plan soll angeblich bis zum nächsten Verwaltungsratstreffen Anfang September ausgearbeitet werden.

          Der amerikanische Autokonzern General Motors (GM) prüft laut einem Zeitungsbericht, ob er Opel doch noch behalten sollte. Der GM-Verwaltungsrat habe das Management beauftragt, Alternativen zu einem Opel-Verkauf zu prüfen, schrieb das „Wall Street Journal“ an diesem Dienstag unter Berufung auf informierte Personen. Dazu gehöre ein Finanzierungsplan im Volumen von 4,3 Milliarden Dollar (rund 3 Milliarden Euro), um Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall als GM-Tochter wieder auf Trab zu bringen. GM-Chef Fritz Henderson solle die Finanzierung bis Anfang September in Gang setzen, hieß es.

          Die Bundesregierung setzt hingegen alles daran, den Verkauf von Opel an den Autozulieferer Magna zu erzwingen. Die Arbeitsgruppe von Bund und Ländern will darüber noch in dieser Woche mit einem ranghohen Manager des ehemaligen Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) verhandeln. Der in Staatsbesitz befindliche amerikanische Autobauer nahm die „Einladung“ an und entsendet GM-Chef Frederick Henderson oder Chefunterhändler John Smith. Die Oppositionsparteien kritisierten die Festlegung der Bundesregierung auf Magna.

          Aufgrund der Spekulationen um den Verbleib von Opel bei General Motors warnte der Bochumer Betriebsrat den GM-Konzern davor, die Zukunft des Werkes weiter zu gefährden. „General Motors wäre klug beraten, die Schließungspläne nicht weiter zu verfolgen“, sagte der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Sollte sich GM dazu entscheiden, seine deutsche Tochter doch zu behalten, könnte laut Einenkel eine Schließung der Werke in Bochum und Eisenach drohen. „Wir müssen mit allem rechnen“, sagte der Betriebsrat. „Aber wir werden so eine dumme Entscheidung nicht zulassen.“

          Entscheidung am Freitag vertagt

          Der GM-Verwaltungsrat hatte am Freitag trotz Drängens der deutschen Politik eine Entscheidung über Opel abermals vertagt. Während die Bundesregierung für den Verkauf an Magna plädiert, hegt GM neben den Erwägungen Opel selbst zu behalten auch Sympathien für den konkurrierenden Bieter RHJI, einen Finanzinvestor.

          Um den Druck auf GM zu erhöhen, plant der Opel-Betriebsrat Protestkundgebungen in Berlin - vor dem Brandenburger Tor oder der amerikanischen Botschaft. Der Chef des Beirats der Opel-Treuhand und Präsident der amerikanischen Handelskammer, Fred Irwin, warnte angesichts dessen vor Belastungen für die deutsch-amerikanischen Beziehungen: „Für eine gute Lösung brauchen wir keinen transatlantischen Streit zwischen Deutschland und Amerika.“ Der neue GM-Konzern wird seit der Insolvenz im Sommer mehrheitlich von der amerikanischen Regierung kontrolliert. Washington hat rund 50 Milliarden Dollar in das seit Jahren verlustreiche Unternehmen gepumpt. Auch in Russland dürfte der neue GM-Kurs für Verstimmung sorgen, da Moskau über die staatliche Sberbank in den geplanten Deal involviert ist.

          Opel ist für GM unter anderem wegen des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim wichtig. Dort wird die Plattform für alle GM-Mittelklassewagen entwickelt und auch der Hoffnungsträger des Konzerns, das Elektroauto Chevy Volt, wurde maßgeblich von deutschen Ingenieuren entworfen.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama will sich jedenfalls nicht in die Entscheidung über die Opel-Übernahme einschalten, wie sein Sprecher Bill Burton am Ferienort der Familie Obama auf der Insel Martha's Vineyard erläuterte. Obama sei der Ansicht, die Entscheidungen über das Schicksal von Opel müssten bei GM gefällt werden. Obama habe sich „niemals in die Angelegenheiten der Autobauer einmischen wollen“, sagte Burton. Diese müssten selbst wissen, wie sie die Krise überstünden.

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