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GM vertagt Entscheidung zu Opel : Deutschland erhöht den Druck auf Detroit

  • -Aktualisiert am

Wann fälltin der Zentrale von General Motors im Renaissance Center zu Detroit die Entscheidung über Opel? Bild: dpa

General Motors hat die Entscheidung zum Verkauf von Opel vertagt. Auch Bundeskanzlerin Merkel hatte vor der vermeintlich entscheidenden Verwaltungsratssitzung der Amerikaner aus ihrer Präferenz für das Angebot des Autozulieferers Magna keinen Hehl gemacht.

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          Der Verwaltungsrat des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) hat noch keine Empfehlung im Bieterrennen um den deutschen Autobauer bekannt gegeben. Das Gremium beriet am Freitagabend über die beiden verbliebenen Interessenten, den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und den Finanzinvestor RHJ International (RHJI).

          Eine Konzernsprecherin bekräftigte, dass der Verwaltungsrat die Übernahmekonzepte beider Bieter prüfe und dann voraussichtlich gegenüber der Opel-Treuhand eine Empfehlung aussprechen werde. „Die Opel-Treuhand müsste die Empfehlung billigen, bevor irgendeine Vereinbarung unterzeichnet werden kann, die auch öffentlich gemacht wird“, sagte die Sprecherin.

          Kanzlerin Merkel mit Präferenz für Magna-Angebot

          Die Bundesregierung hatte vor der Verwaltungsratssitzung auf eine Entscheidung im Sinne der deutschen Politik gedrungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel machte deutlich, dass sie eine Präferenz für das Angebot des Autozulieferers Magna und Vorbehalte gegenüber den Opel-Plänen des Finanzinvestors RHJI habe. Zuvor hatten Bund und Länder bereits alles getan, um Magna den Weg zu ebnen. Unter anderem wurde dem GM-Chefunterhändler John Smith angeboten, dass Deutschland den geplanten Staatskredit für Opel von 4,5 Milliarden zunächst allein - also ohne andere Länder Europas - bereitstellen könne, um die Transaktion zu erleichtern.

          In den anderen europäischen Ländern mit Opel-Standorten führte dieser Alleingang Deutschlands zu Irritationen. Insbesondere der britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson warnte GM davor, einseitig deutschen Interessen nachzugeben. Begleitet wurde das Finanzierungsangebot aus Deutschland unter anderem von Gesprächen zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Finanzminister.

          GM gehört seit der Insolvenz im Juni der amerikanischen Regierung. Während einige Personen in Verhandlungskreisen den Zuschlag für Magna am Freitag schon als sicher erachteten, wiesen andere Beobachter auf weiterhin bestehende Vorbehalte im GM-Verwaltungsrat hin. Besorgnis herrscht in dem Gremium vor allem über die Kooperation von Magna mit der russischen Sberbank. Befürchtet wird ein unkontrollierter Technologieabfluss durch die Weitergabe von Nutzungsrechten auf GM-Patente an russische Autohersteller. Allerdings hat Magna zuletzt GM ein Vetorecht gegen die Weitergabe der Nutzungsrechte eingeräumt. Zweifel bei GM an der Durchsetzbarkeit des Vetorechts in der Praxis wurden damit aber nicht ganz ausgeräumt.

          Sorge über Verlässlichkeit Russlands

          Auch in Deutschland gibt es Befürchtungen hinsichtlich der Verlässlichkeit Russlands als Partner in der Autoindustrie. Das zeigt ein Brief von Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann an Magna-Chef Siegfried Wolf, der der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Darin schreibt Homann: „Ergänzend möchte ich an die bereits früher geäußerte Erwartung erinnern, dass die in Russland getätigten Investitionen vom russischen Staat abgesichert werden. Ich gehe davon aus, dass dieser Punkt von Ihnen mit der russischen Seite geklärt wird.“

          Magna und Sberbank wollen 55 Prozent an Opel übernehmen. 10 Prozent sind für die Opel-Mitarbeiter vorgesehen, 35 Prozent bleiben im Besitz von GM. Magna will etwa 10.000 der europaweit etwa 50.000 Stellen bei Opel und der britischen Schwestergesellschaft abbauen; in den deutschen Opel-Werken sollen 3000 Stellen gestrichen werden.

          Die Finanznachrichtenagentur Dow Jones berichtete unterdessen unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Kreise, Magna sei bereit, sein Angebot um weitere 500 Millionen Dollar (349 Millionen Euro) aufzustocken. Von der Zustimmung Deutschlands hängen Milliardenbürgschaften zur Stützung von Opel ab. General Motors hat bisher eine Neigung zu dem in Belgien beheimateten Finanzinvestor RHJI erkennen lassen.

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