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Gewinnsteigerung : Volkswagen rückt weiter auf

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Ein Volkswagen im Haus der Geschichte in Bonn: Der Konzern konnte den Gewinn deutlich steigern Bild: dpa

Volkswagen verdreifacht den Gewinn und steuert neue Rekorde an. Bis 2018 will Europas größer Autokonzern Toyota als Nummer 1 ablösen. Die Produktion sei durch Katastrophe in Japan bislang nicht betroffen.

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          Gewinn verdreifacht, Umsatz um ein Drittel gesteigert: Europas größter Autobauer Volkswagen ist mit einem Gewinnsprung ins Jahr gestartet und hat den Abstand zu Weltmarktführer Toyota weiter verkürzt. 2011 will VW die Rekordzahlen des Vorjahres abermals übertreffen.

          Im Auftaktquartal stieg der Umsatz um über 30 Prozent auf 37,5 Milliarden Euro. Erstmals lieferte VW von Januar bis März weltweit zwei Millionen Autos aus, 14 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum. Unter dem Strich standen 1,7 Milliarden Euro Gewinn. Das waren mehr als dreimal so viel wie im Vorjahresquartal mit 473 Millionen Euro.

          „Der Verlauf des ersten Quartals zeigt die Stärke und Robustheit des Volkswagen Konzerns“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn bei der Veröffentlichung des Quartalsberichts am Mittwoch in Wolfsburg. „Volkswagen ist 2010 auf die Überholspur gegangen. Und genau dort wollen wir auch im laufenden Jahr bleiben.“

          Bild: F.A.Z.

          Für das Gesamtjahr geht VW davon aus, dass Umsatz und operatives Ergebnis die Rekordwerte des Vorjahres erneut übertreffen werden. Risiken seien aber die schwankenden Zinsen und Wechselkurse sowie die Rohstoffpreise.

          Premiumtochter Audi trug zum Erfolg bei

          Das Ergebnis sei vor allem von der anhaltend hohen Nachfrage in China, Indien, Zentral- und Osteuropa sowie in Nord- und Südamerika getragen worden, sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Allein die chinesischen Joint-Venture-Gesellschaften hätten ein anteiliges operatives Ergebnis von 557 Millionen Euro erwirtschaftet, die im operativen Konzerngewinn von 2,9 Milliarden Euro noch nicht enthalten seien (siehe In China ist selbst der Phaeton ein Renner).

          Sein finanzielles Polster hat der Konzern erneut verbessert. Mit 19,6 Milliarden Euro in der Kasse - nach 18,6 Milliarden Ende 2010 - sieht sich VW für anstehende Herausforderungen gut gerüstet: VW will bis spätestens 2018 größter und profitabelster Autobauer der Welt werden - und hat einen großen Schritt dorthin getan. Dagegen leidet der derzeit größte Autobauer der Welt, Toyota, unter den Folgen der japanischen Erdbebenkatastrope. Dem Land droht eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit (siehe Ratingagentur stellt Herabstufung Japans in Aussicht).

          Vor allem die Kernmarken VW und die Premiumtochter Audi trugen zum Erfolg bei. Die VW-Modelle Polo, Tiguan, Touareg, Jetta, Passat und Sharan seien besonders stark gefragt gewesen, heißt es im Zwischenbericht. Die Marke VW konnte ihr operatives Ergebnis mehr als verdoppeln - von 416 Millionen auf 1,06 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg von 18,6 auf 23 Milliarden Euro. Die tschechische Tochter Skoda setzte ihren Erfolgskurs fort, ihr operatives Ergebnis stieg von 100 auf 187 Millionen Euro.

          Sorgenkind bleibt die spanische Tochter Seat

          Die Ingolstädter Tochter Audi steuerte mit einem operativen Ergebnis von 1,11 Milliarden Euro - nach 478 Millionen - erneut den größten Batzen zum operativen Konzerngewinn bei. Der Umsatz bei Audi knackte in den ersten drei Monaten die Marke von 10 Milliarden und wuchs um gut 27 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro. Auch die künftige VW-Tochter Porsche startete mit hohem Tempo ins Jahr und verdoppelte im Auftaktquartal ihr operatives Ergebnis auf 496 Millionen Euro (siehe Der Cayenne beschert Porsche einen guten Start ). Der Umsatz legte um zehn Prozent auf 2,28 Milliarden Euro zu.

          Sorgenkind unter den neun Konzernmarken blieb die spanische Tochter Seat, die ihre Verluste allerdings im ersten Quartal deutlich verringern konnte. Nach einem Minus von 110 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum steht jetzt noch ein Verlust von zwölf Millionen in der Bilanz. Bei der Luxusmarke Bentley verringerte sich der operative Verlust um elf Millionen auf 25 Millionen Euro. Belastet wurde Bentley durch Vorleistungen für neue Produkte und Wechselkurseffekte.

          Die Nutzfahrzeugsparte verkaufte im ersten Quartal 108 000 Einheiten und kehrte nach einem Verlust von 16 Millionen Euro mit einem operativen Gewinn von 92 Millionen in die schwarzen Zahlen zurück. Der Nutzfahrzeughersteller Scania, bei dem VW die Mehrheit der Stimmrechte hält, steigerte sein operatives Ergebnis wegen der höheren Nachfrage nach schweren Lkw und Bussen um 162 Millionen auf 376 Millionen Euro. Der Konzernbereich Finanzdienstleistungen konnte sein Operative Ergebnis mit 287 Millionen Euro mehr als verdoppeln.

          Rasanter Jahresauftakt

          An der Börse kam die Geschäftsentwicklung von VW gut an. „Der Umsatz und das operative Ergebnis sind sehr stark und besser als erwartet - das sind schon ziemlich gute Zahlen“, kommentierte Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Die VW-Aktie weitete ihren Kursgewinn aus und setzte sich mit einem Plus von 4,4 Prozent an die Spitze des Dax.

          Seine Stärke bewies der Konzern auch bei den Barmitteln. Obwohl VW für den Kauf der Vertriebsgesellschaft Porsche Holding Salzburg und die Beteiligung an dem Carbonhersteller SGL insgesamt 3,5 Milliarden zahlte, stieg die Nettoliquidität auf 19,6 Milliarden Euro. Drei Monate zuvor war noch eine Milliarde weniger in den Kassen.

          Angriff auf Toyota

          Dabei will sich Winterkorn auch durch die stark gestiegenen Rohstoffkosten und schwankenden Wechselkursen nicht vom Kurs abbringen lassen, den japanischen Rivalen Toyota spätestens 2018 vom Thron zu stoßen. Analysten trauen VW sogar zu, dieses Ziel schneller zu erreichen. Einige Branchenexperten halten es für möglich, dass Volkswagen im laufenden Jahr die Absatzmarke von acht Millionen Einheiten knacken könnte. Dann könnten die Wolfsburger hinter General Motors zum zweitgrößten Automobilhersteller der Welt aufsteigen, während der bisherige Weltmarktführer Toyota wegen der Erdbebenkatastrophe in Japan mit gewaltigen Produktionsausfällen zu kämpfen hat.

          VW ist nach eigener Darstellung nicht von Einschränkungen durch ausbleibende Teilelieferungen aus Japan betroffen; die Werke produzierten weiter mit hoher Auslastung, hieß es.

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