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General Motors : Opel wird zur Milliardenlast

  • -Aktualisiert am

Opel macht seinem Eigentümer GM wenig Freude Bild: dpa

Bald könnte dem amerikanischen Mutterkonzern GM der Geduldsfaden reißen. Dann wird die Sanierung von Opel mit der IG Metall neu verhandelt - oder dem Autohersteller droht noch Schlimmeres.

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          Alle Versuche des amerikanischen Autokonzerns General Motors (GM), seine deutsche Tochtergesellschaft Opel nachhaltig profitabel zu machen, haben bisher nicht gefruchtet. Im Gegenteil: Das Rüsselsheimer Unternehmen steuert in diesem Jahr aller Voraussicht nach wohl auf den vierten Milliardenverlust in Folge zu. „Die jüngsten Aussagen aus dem Management lassen nun aggressivere Vorstöße erwarten“, heißt es in einer Studie der amerikanischen Bank Morgan Stanley, die dieser Zeitung vorliegt. Entweder, so heißt es darin, werde der Sanierungsvertrag mit den Betriebsräten der IG Metall neu verhandelt - oder Opel müsse sogar ganz umstrukturiert werden.

          Das Papier der Bank ist auf Englisch verfasst, trägt aber den sarkastischen deutschen Titel „Opel 2.0: Auf Wiedersehen?“, und datiert vom 21. November dieses Jahres. An diesem Datum tagte der Opel-Aufsichtsrat, um einen Nachfolger für den scheidenden Opel-Sanierer Nick Reilly zu wählen. GM nahm Opel wieder enger an die Kandare: Der Konzern setzte seinen stellvertretenden Verwaltungsratsvorsitzenden Stephen Girsky als neuen obersten Kontrolleur für die Adam Opel AG in Rüsselsheim ein.

          Alle Optionen offen

          Dass Opel in diesem Jahr entgegen der Ankündigung abermals auf einen hohen Verlust zusteuert und zugleich der Absatz neuerdings wieder schrumpft, gilt den Konzernstrategen in Detroit schon seit längerer Zeit als zumindest ärgerliche Situation. Da auch die Kasse von GM nicht gerade überquillt, muss etwas passieren. Das lässt sich auch aus der wiederholt geäußerten Enttäuschung von GM-Managern wie Konzernchef Daniel Akerson, Finanzvorstand Daniel Ammann oder Girsky schließen. „Wir werden nun mit allen Beteiligten an Lösungen arbeiten, die dann von (Opel-Chef Karl-Friedrich) Stracke umgesetzt werden“, sagte Girsky in New York. Alles scheint auf einen Wendepunkt zuzusteuern: Es werde „keine Option ausgeschlossen“, um das Europageschäft zu sanieren, hieß es zuletzt. „Die Sprache ist identisch mit der von Daimler benutzten, als der Konzern Anfang 2007 über die Tochtergesellschaft Chrysler redete“, schreibt Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas.

          Der scheidende Opel-Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz pocht zwar darauf, dass der Sanierungsvertrag mit der Belegschaft bis 2014 gilt, und dass darin Kündigungen und Werksschließungen ausgeschlossen worden seien. Doch seinem Nachfolger Wolfgang Schäfer-Klug, den der Betriebsrat im Januar zum neuen Anführer küren wird, dürfte das nicht allzu viel helfen. Denn der im Juni 2010 abgeschlossene Vertrag von GM mit der IG Metall, der einen Lohnverzicht der Belegschaft von jährlich 265 Millionen Euro umfasst, enthält auch eine Klausel, dass die Übereinkunft neu verhandelt werden kann, wenn „erhebliche nachteilige Änderungen des Geschäfts“ eintreten.

          In dem Vertrag, der dieser Zeitung in Auszügen vorliegt, heißt es dazu: „Sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (erhebliche Steigerung der Inflationsrate, Nachfrageeinbruch am Automobilmarkt) oder die dieser Vereinbarung zugrundeliegenden Grundannahmen wesentlich verändern, werden die Parteien einvernehmlich Lösungen über weitere Maßnahmen suchen.“ Dass diese Bedingungen erfüllt sind, steht wohl außer Zweifel. Damit hätte GM eine rechtliche Basis, um alle Vereinbarungen auf den Prüfstand zu stellen.

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