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Fahrassistenten : Das Automobil wird neu erfunden

  • -Aktualisiert am

Stau auf der A3: Gehört das dank Bordcomputer bald der Vergangenheit an? Bild: dpa

Der Bordcomputer übernimmt die Macht im Cockpit: Er gibt Gas, bremst und überholt von ganz allein. Die Autofahrer werden schrittweise an den Autopiloten herangeführt.

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          Schleichend wird der Mensch beim Autofahren entbehrlich gemacht. Es ist eine Revolution von oben. Die Entmachtung beginnt in der Premiumklasse und kommt harmlos daher. 2010 führte Mercedes-Benz nur für seine S-Klasse einen aktiven Spurhalte-Assistenten ein, der automatisch eingreift, wenn das Fahrzeug ungewollt von der Fahrbahn abzukommen droht. Was technisch heute schon alles möglich ist, verdeutlicht der Entwicklungschef von Daimler, Thomas Weber: „Der Autopilot könnte Sie über Nacht in den Urlaub nach Italien fahren. Sie drücken ,Brenner‘ und legen sich schlafen.“

          Diese Technik, die den Fahrer, je nach Deutung entmachtet oder entlastet, und auch bei Detroit Motor Show, die am Montag beginnt, eine Rolle spielen wird, heißt bei allen Herstellern anders, läuft aber auf dasselbe hinaus: Ein Computer chauffiert das Auto.

          Ein Bordcomputer kann es besser

          Doch den Autobauern geht es nicht um mehr Bequemlichkeit für ihre Kunden. Die neue Technik soll Unfälle abschaffen, Staus ausschließen und Sprit sparen. Daimler, BMW, Volkswagen und Toyota haben längst Prototypen, die nur noch serienreif gemacht werden müssen. Sogar Google ist in das Zukunftsgeschäft eingestiegen und. Denn damit der Bordcomputer exakt weiß was er tun soll, müssen Millionen an Daten verarbeitet und übermittelt werden - eine Materie mit sich der Internetgigant bestens auskennt.

          Die Technik übernimmt das Steuer

          Auch das Motiv der Autobauer ist durchaus eigennützig: Sie wollen das individuelle Fahren retten. Das ist eine echte Herausforderung, weil in den schnell wachsenden globalen Ballungszentren die Straßen durch Staus und Unfälle verstopfen. Das Rezept für die Rettung des Individualverkehrs kennen die Hersteller auch schon. Es liegt paradoxerweise in der Beschränkung des fahrenden Individuums. Denn der Mensch provoziert Unfälle, weil er zu schnell, zu dicht auf und zu rücksichtslos fährt. Oder unkonzentriert ist und so von der Fahrbahn abkommt.

          Ein Bordcomputer kann es besser: Er hat nicht die „Schrecksekunde“, die Menschen zum Bremsen brauchen. Er ist stets aufmerksam und agiert vorausschauend. „Die Fehler des Menschen werden systematisch ausgemerzt“, sagt Ilja Radusch, Automobilexperte am Fraunhofer-Institut in Berlin.

          Anspruchsvolle Unfallvermeidung

          Die Grundtechnik der Autohersteller ist ähnlich. Der Fahrer kann die Autopilot-Funktion durch einen Knopfdruck aktivieren. Von diesem Zeitpunkt an gibt der Wagen alleine Gas, er bremst selbständig und er überholt langsamere Verkehrsteilnehmer.

          Eine der Herausforderungen der ersten Stunde - auffahrende Fahrzeuge an Autobahnzufahrten hereinzulassen - ist gelöst. BMWs Prototyp lässt Autos, die auf die Autobahn auffahren möchten, einfädeln oder macht sogar, wenn möglich, die rechte Spur frei. Die menschliche Rücksichtslosigkeit wird damit ausgeschaltet. BMW schafft dieses Manöver mit bis zu 130 Stundenkilometern.

          Wie anspruchsvoll Unfallvermeidung ist, haben die Konstrukteure des Autopiloten längst registriert: Andere Verkehrsteilnehmer und etwaige Kollisionsgefahren müssen in Sekundenbruchteilen erkannt werden. Am schwersten zu berechnen sind Kinder, die plötzlich auf die Straße laufen. Daimler versucht es trotzdem. Mit der „6D-Vision“-Technik der Schwaben werden diese in weniger als 200 Millisekunden wahrgenommen. Ein aufmerksamer Mensch benötigt dafür die doppelte Zeit; war er abgelenkt, kommen weitere halbe Sekunde hinzu. Eine zusätzliche Sekunde vergeht, bis der Fahrer schließlich reagiert und bremst.

          Das ist oft zu spät, um einen Unfall zu verhindern. Rechnerisch entspricht eine Sekunde bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer etwa 15 Metern. Der Computer bremst schon nach sieben Metern und kann damit Leben retten. Eigentlich gute Argumente dafür, dass der Fahrer die Verantwortung an den Computer abgibt.

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