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Erzwungene Partnerschaften : China nimmt Autozulieferer in die Zange

Die Abhängigkeit nimmt zu: Schon jeder dritte VW wird in China verkauft Bild: dpa

Um sich an die Spitze der Elektromobilität zu stellen, will Peking Ausländer in Gemeinschaftsunternehmen zwingen. Das beträfe Hersteller von „Schlüsselkomponenten“: Motoren, Batterien oder die Elektronik. Deutsche Unternehmen würden besonders leiden.

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          Kaum hat sich die deutsche Automobilindustrie erholt, drohen herbe Rückschläge in ihrem wichtigsten Markt, in China. Und das ausgerechnet in einer der aussichtsreichsten Zukunftstechnologien, der Elektromobilität. Nach Informationen der F.A.Z. erwägt die Pekinger Zentralregierung, nach den großen Autobauern künftig auch die Zulieferer zu Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Herstellern zu zwingen. Dort müssten sie sich die Gewinne teilen und ihre Technologie preisgeben.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Darauf läuft ein Entwurf des mächtigen Planungsministeriums NDRC zur „Lenkung ausländischer Industrieinvestitionen“ hinaus, der der F.A.Z. vorliegt. „Das ist ein Schlag für ausländische Investoren, auch aus der deutschen Automobilindustrie“, sagt Brigitte Wolff, Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Schanghai und Geschäftführerin von Management Engineers in China.

          Zwangsauflagen zum Technologietransfer

          Der Schaden könnte gewaltig sein. China ist seit 2009 der größte Neuwagenmarkt der Welt. Der Absatz nahm 2010 um ein Drittel auf 13,8 Millionen Einheiten zu, wobei die deutschen Zuwächse besonders stark waren. Nach Angaben des Automobilverbands VDA setzen die Deutschen in China inzwischen ein Fünftel mehr Fahrzeuge ab als in der Heimat. Die Abhängigkeit nimmt immer mehr zu. So wird schon jeder dritte VW in China verkauft, wo der Konzern Marktführer ist. Der Gewinn der Wolfsburger aus dem China-Geschäft hat sich 2010 auf 1,9 Milliarden Euro mehr als verdoppelt, das ist mehr als ein Viertel des übrigen Konzernergebnisses. Auch den Konkurrenten Daimler oder BMW hat das Geschäft in der Volksrepublik über die Krise hinweggeholfen, das Gleiche gilt für die Zulieferindustrie.

          Für die Zukunft machen sich die Hersteller vor allem Hoffnungen auf alternative Antriebe. Auch dort ist das Potential riesenhaft. Nirgendwo auf der Welt gibt es für die neuen Techniken so viele Beihilfen wie in Fernost. Allein Chinas Zentralregierung will bis 2020 rund 100 Milliarden Yuan (11 Milliarden Euro) zur Unterstützung von Hybrid- und Elektroautos ausgeben. Hinzu kommen üppige Kaufbeihilfen der Städte und Provinzen. Die Branche ist einer der Schlüsselsektoren des neuen Fünfjahresplans. Bis 2015 sollen Kapazitäten zum Bau von einer Million Fahrzeugen mit sauberen Techniken bereitstehen. 2020 soll der Verkauf schon 5 Millionen Einheiten betragen oder 15 Prozent des Gesamtmarkts. Spätestens dann will das Land in der Elektromobilität an der Weltspitze stehen. Um das zu erreichen, setzt China auf Zwangsauflagen zum Technologietransfer. Dem genannten Entwurf zufolge müssen ausländische Zulieferer für Elektrofahrzeuge künftig Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Produzenten eingehen. Dort dürften sie höchsten 50 Prozent der Anteile halten, heißt es in dem Papier. Solche erzwungenen Partnerschaften gelten bisher für die großen Automobilhersteller, nicht aber für die Lieferanten.

          Pflicht zu Gemeinschaftsunternehmen

          Der Grund für die Auflagen liegt in Chinas verpassten Chancen. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren haben es die Chinesen nicht geschafft, erfolgreiche Marken oder Exportmodelle zu entwickeln. Deshalb versuchen die Chinesen, ausländische Marken zu kaufen, etwa Volvo oder Saab. Der Versuch, Opel zu kaufen, war vor einigen Jahren gescheitert. Den chinesischen Markt dominieren Gemeinschaftsunternehmen aus Europa, Asien oder Amerika. Die höherwertige Zulieferindustrie ist zumeist vollständig in der Hand ausländischer Gruppen. „Mit der neuen Regelung will Peking sicherstellen, dass das nicht noch einmal passiert und China in der Elektromobilität führend wird“, sagt Wolff. Es sei das erklärte Ziel des strategisch denkenden Technologie-Ministers und Automobilingenieurs Wan Gang, „von der westlichen Welt zu lernen, ihr aber nicht wieder das Feld zu überlassen, sondern die neuen Antriebstechniken selbst zu dominieren“. Der stellvertretende Regierungschef Zhang Dejiang hatte kürzlich eine Initiative zur Stärkung der heimischen Zulieferindustrie angekündigt.

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