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Einstieg bei SGL Carbon : BMW sticht VW aus

  • Aktualisiert am

Bitte einsteigen: BMW sichert sich rund 15 Prozent an SGL Carbon Bild: dpa

Carbon gilt als Werkstoff der Zukunft. Entsprechend groß sind die Begehrlichkeiten. Nachdem VW sich Ende Februar einen Anteil am Carbon-Hersteller SGL sicherte, übertrumpft nun BMW den Konkurrenten.

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          Der Autobauer BMW hat sich beim begehrten Carbon-Hersteller SGL eingekauft und damit seinen Konkurrenten Volkswagen in die Schranken verwiesen. Die Münchener sicherten sich 15,16 Prozent der Anteile an SGL Carbon.

          Ende Februar hatte sich VW einen Anteil von gut acht Prozent an dem Wiesbadener Unternehmen gesichert. Zudem ist BMW-Großaktionärin Susanne Klatten mit knapp 29 Prozent an SGL beteiligt und kann damit entscheidend Einfluss auf die Weichenstellungen der Wiesbadener Firma nehmen. VW kommentierte den Einstieg von BMW am Freitag nicht.

          SGL begrüßte den Schritt. Damit werde die Wertschätzung der erfolgreichen Zusammenarbeit dokumentiert. BMW und SGL arbeiten bereits seit gut zwei Jahren in einem Gemeinschaftsunternehmen zusammen. Die SGL-Aktie kletterte am Freitag um fast fünf Prozent.

          Zukunftsthema Leichtbau

          Leichtbau gilt als eines der wichtigsten Zukunftsthemen in der Automobilindustrie. Leichtere Autos verbrauchen weniger Sprit und stoßen weniger CO2-Emissionen aus. BMW verstärke mit der Beteiligung den Einsatz von carbonfaserverstärkten Kunststoffen im Autobau und somit die Ausrichtung auf den Leichtbau, teilte das Unternehmen in München mit. Zunächst übernahm BMW lediglich 5,17 Prozent der Anteile. Auf die übrigen Aktien sicherte sich das Unternehmen Optionen, die am 16. Dezember fällig werden. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

          Die neuen Kleider sind aus Carbon: Bei künftigen Modellen setzt BMW auf Leichtbau Bilderstrecke

          „Das Thema Leichtbau spielt in der Automobilindustrie zukünftig eine immer größere Rolle. Die Beteiligung an der SGL Group ist ein konsequenter Schritt, um die bisherige erfolgreiche Zusammenarbeit zu untermauern“, sagte BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner. Aus heutiger Sicht strebe das Unternehmen aber keinen Sitz im SGL-Aufsichtsrat an, hieß es.

          Die BMW-Großaktionärin Klatten plant nach Angaben ihrer Beteiligungsgesellschaft Skion keine Aufstockung ihrer Aktien und somit auch keine Übernahme. Ab einem Anteil von 30 Prozent und einer Aktie würde ein Übernahmeangebot zwingend. Weitere 9,14 Prozent hält der Anlagenbauer Voith.

          VW hält 9,9 Prozent

          Skion betonte, die Entscheidung zum Einstieg bei SGL sei vom BMW-Vorstand in alleiniger Entscheidung gefällt worden. VW wollte sich zu dem Einstieg nicht äußern. Ein Sprecher betonte, für das Unternehmen sei SGL Carbon ein Finanzinvestment. Die Wolfsburger gaben aber bekannt, dass sie inzwischen 9,9 Prozent der SGL-Anteile halten.

          Spekulationen über eine mögliche Aufstockung der Aktien wollte ein Sprecher nicht kommentieren. „BMW zeigt damit ganz klar, dass sie SGL als ihr Unternehmen sehen“, kommentierte Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach den Schritt. Das Vorgehen von Volkswagen habe in München für eine Gegenreaktion gesorgt. Ob sich VW auf dem eingeschlagenen Weg die Technologie von SGL sichern könne, sei weiterhin fraglich.

          Carbonfasern sind nicht nur für Automobilhersteller interessant. Auch die Flugzeugindustrie und die Bauer von Windkraftanlagen sind an dem leichten Material interessiert. Im dritten Quartal hatte SGL Umsatz und Gewinn trotz der eingetrübten Konjunkturaussichten kräftig gesteigert. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 21,9 Millionen Euro, nach 7,2 Millionen Euro im Vorjahr.

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