https://www.faz.net/-gqe-a8n

Einspruch der Wettbewerbsbehörden : Brüssel hält Volkswagen bei MAN zurück

Den doppelten Piëch, bei VW und MAN, wird es vorerst nicht geben Bild: dapd

VW-Chef Winterkorn und zwei Vorstandskollegen haben überraschend ihre Kandidatur für den Aufsichtsrat von MAN zurückgezogen. Die EU-Kommission hat Bedenken angemeldet, weil alle auch im Aufsichtsrat von Scania sitzen.

          Die EU-Kommission hat überraschend die Pläne von Volkswagen und dessen Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch durchkreuzt, am Montag mit insgesamt fünf Vertretern in den Aufsichtsrat der MAN SE einzuziehen. Piëch teilte auf der Hauptversammlung des Münchener Nutzfahrzeugherstellers mit, dass die drei vorgeschlagenen Kandidaten und VW-Vorstandsmitglieder Martin Winterkorn, Hans Dieter Pötsch und Jochem Heizmann ihre Kandidatur zurückgezogen hätten.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Dies erfolgte auf Geheiß der Brüsseler Wettbewerbsbehörde. Wie Piëch sagte, habe die Kommission VW darauf hingewiesen, dass eine Mitgliedschaft der drei VW-Vorstände erst nach der fusionskontrollrechtlichen Genehmigung erfolgen sollte. Winterkorn, Pötsch und Heizmann sind derzeit bereits Aufsichtsratmitglieder des schwedischen Lastwagenproduzenten Scania, die den Hauptaktionär mit seinen rund 72 Prozent Stimmrechten vertreten. Scania ist noch Konkurrent von MAN. VW hält gegenwärtig 30,47 Prozent der Stimmrechte an dem Münchener Dax-Konzern. Beide Unternehmen sollen nach dem Willen von Piëch fusioniert werden, um einen neuen Nutzfahrzeug-Konzern zu schmieden.

          Einmaliger Vorgang

          Das Vorgehen der Brüsseler Wettbewerbsbehörde gilt als ungewöhnlich, wenn nicht gar als einmalig. Denn die Kommission verhindert damit die Absicht von Piëch, mit der Machtübernahme im Kontrollgremium schon Fakten zu schaffen, bevor überhaupt formal der Antrag von VW gestellt wird. Mit ihm wird in den nächsten Tagen gerechnet, nach der am Mittwoch ablaufenden Frist für das Pflichtangebot über 95 Euro je MAN-Stammaktie.

          Die EU hat die Annäherung von Volkswagen und MAN erst einmal ausgebremst

          „Im Zusammenhang mit den Spekulationen in den Medien macht Volkswagen deutlich, dass VW bis zum Abschluss des Fusionskontrollverfahrens nicht beabsichtigt, die Besetzung des Vorstandes der MAN SE neu zu bewerten und insbesondere nicht neue Managementkapazitäten im Bereich der Beschaffung aufzubauen“, hieß es in einer Pressemitteilung des größten europäischen Autokonzerns. Es war geplant, dass Audi-Einkaufsvorstand Ulf Berkenhagen bei MAN künftig das neue Ressort Beschaffung verantworten soll. Immer wieder wurde kritisiert, dass Piëch in seiner Doppelfunktion als Oberaufseher von VW und MAN versuche, die Macht bei den Münchener zu übernehmen. Berkenhagen kandidierte stattdessen als Aufsichtsrat.

          Beobachter rechnen nur mit geringfügigen Auflagen

          Die Hinweise aus Brüssel sind von den Wolfsburgern ernst genommen worden, um so den Prüfungsprozess nicht zu behindern. Der Einzug in das Kontrollgremium der gewesenen Kandidaten wird erwartet, sobald die Genehmigung aus Brüssel erfolgt ist. Sie werden dann vom Amtsgericht bestellt und nachträglich auf dem Aktionärstreffen im nächsten Jahr gewählt. Der Prozess der geplanten Fusion wird dadurch nicht verzögert werden.

          Zwar hat es schon einmal im Zusammenhang mit der Übernahmeofferte von MAN für Scania im Jahr 2006 eine kartellrechtliche Untersuchung gegeben. Eine Genehmigung blieb dann aber aus, weil die Übernahme der Schweden durch die Deutschen gescheitert war. Eine komplett neue Prüfung ist erforderlich geworden, das sich die Marktverhältnisse geändert haben. Dennoch rechnen Beobachter nur mit geringfügigen Auflagen.

          Weitere Themen

          SPD orientiert sich an der Schweiz

          FAZ Plus Artikel: Vermögenssteuer : SPD orientiert sich an der Schweiz

          Bei ihren Plänen, eine Vermögenssteuer für reiche Privatpersonen und Unternehmen einzuführen, orientiert sich die SPD am „Schweizer Modell“. Die Eigenheiten des Steuersystems des Nachbarlandes lässt sie dabei aber außer Acht.

          Axel Voss auf der Gamescom Video-Seite öffnen

          „Dont kill the Messenger“ : Axel Voss auf der Gamescom

          Wir haben einen Rundgang über das Kölner Messegelände mit Axel Voss, dem wohl polarisierendsten Besucher der diesjährigen Gamescom unternommen und uns mit ihm über die Debatte um Artikel 13, seine Bekanntheit bei jüngeren Gamern und Minecraft unterhalten.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.