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Eigenständige Holding geplant : Was Magna mit Opel vorhat

  • -Aktualisiert am

Noch ist der Weg nicht frei, doch Magnas Pläne sind fertig Bild: AP

General Motors lässt sich Zeit mit seiner Entscheidung, dabei hat Magna schon alles vorbereitet: Nach einer Übernahme von Opel will der Zulieferer eines neues Unternehmen schaffen, an dem General Motors mit 35 Prozent als strategischer Partner beteiligt bleibt.

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          Magna plant nach einer Übernahme von Opel die Schaffung eines neuen Unternehmens, an dem General Motors (GM) mit einem Anteil von 35 Prozent als strategischer Partner beteiligt bleibt. Nach dem Konzept, das der Autozulieferer dem Finanzausschuss des Bundestags vorgelegt hat, sollen so Größenvorteile in der Produktion erhalten werden. Der amerikanische Staatskonzern soll weiter die Entwicklung neuer mittelgroßer Autos beim Entwicklungszentrum in Rüsselsheim in Auftrag geben und dafür bezahlen. Im Gegenzug erhält GM weiterhin Lizenzgebühren für die Nutzung von GM-Patenten. Opel soll nach dem Papier auch nicht in Magna integriert, sondern durch eine eigenständige Holding geführt werden; Chef von Opel soll Carl-Peter Forster bleiben.

          Darüber hinaus will Magna vor allem den Marktanteil von Opel und GM in Russland auf 20 Prozent oder 500.000 Autos erhöhen - und den Anteil des Russlandgeschäfts am Umsatz von Opel auf 5 Prozent. Magna verfügt in Russland über vier Werke und erhofft sich dort künftig ein starkes Wachstum von jährlich 15 Prozent. Allerdings ist der Autoabsatz in Russland in diesem Jahr um die Hälfte geschrumpft. Ergänzend zur regionalen Expansion plant Magna die Produktion eines neuen Kleinstwagens, der unterhalb des Opel-Modells Corsa angesiedelt sein soll. Im Jahr 2011 bringt Opel zudem das Elektroauto Ampera auf den Markt.

          Zulieferer, Auftragsfertiger und Entwicklungsdienstleister

          Magna selbst ist mit 240 Fabriken der drittgrößte Autozulieferer der Welt und will sich bei Opel als Zulieferer, Auftragsfertiger und Entwicklungsdienstleister einbringen. In Lizenz fertigt Magna Autos wie den BMW X3, den Chrysler 300 oder die Mercedes G-Klasse. GM ist mit einem Anteil von einem Viertel am Umsatz schon der größte Kunde von Magna und wird durch die Opel-Übernahme von Magna gestützt. Das ist eines der wichtigsten Motive von Magna für die Übernahme. Der kanadisch-österreichische Konzern hofft, die Fabriken von Opel, deren Kapazität derzeit nur zur Hälfte genutzt wird, künftig mit fast 100 Prozent deutlich besser auszulasten. Neben der Schließung einzelner Werke sollen dazu andere Autohersteller kleinere Serien neuer Autos bei Opel in Auftrag geben, die sie nicht selbst bauen wollen. Gespräche darüber gibt es mit Ford und Peugeot.

          Als Finanzierungspartner dient Magna die staatliche russische Sberbank, die größte Bank Russlands. Bei der Umsetzung des industriellen Konzepts soll auch der russische Automobilhersteller GAZ helfen, indem er sein Vertriebsnetz mit 130 Händlern in ganz Russland zur Verfügung stellt und im Gegenzug auf einen Zugewinn an technischem Fachwissen hofft. GAZ stand bis vor kurzem selbst noch vor der Insolvenz und wurde vom Hauptgläubiger Sberbank gerettet.

          Führung im Übernahmekonsortium

          Magna übernimmt mit einer Sperrminorität von 27,5 Prozent die Führung im Übernahmekonsortium für Opel und bündelt seinen Anteil mit dem Anteil der Sberbank zu einem Aktienpaket von 55 Prozent. Vielleicht reicht die Sberbank ihr Paket später an die staatliche russische VEB Bank weiter. Neben GM sollen außerdem auch die künftig noch rund 40 000 Beschäftigten von Opel über eine eigens dafür gegründete Aktiengesellschaft mit 10 Prozent an Opel beteiligt werden. Sie müssen dafür binnen fünf Jahren auf bis zu 1,5 Milliarden Euro Lohn verzichten.

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