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Chronik des Ringens um Opel : Stationen einer langen Geschichte

  • Aktualisiert am

Ein bewegtes Jahr für Opel Bild: REUTERS

Der Verkauf von Opel an den kanadischen Zulieferer Magna ist überraschend geplatzt. Der US-Autobauer GM sagte ihn ab. Das Drama um Opel hat damit einen neuen Höhepunkt erreicht. Gerüchte, Verhandlungen und das ewige Hin und Her zur Zukunft von Opel - wir haben die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

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          Anfangs war Fiat im Rennen und auch die Chinesen. Zeitweise erwägte gar die Solarfirma Solarworld bei Opel einzusteigen. Dann hatte Magna vermeintlich das Rennen gemacht, und nun soll Opel doch wieder im GM-Konzern verbleiben. Gerüchte, Verhandlungen und das ewige Hin und Her zur Zukunft von Opel - wir haben die Stationen eines langen Ringens zusammengefasst.

          2008
          Die Opel Muttergesellschaft General Motors leidet besonders unter der Automobilkrise. Nach Verlusten von 30 Milliarden Dollar und um eine drohende Insolvenz abzuwenden, braucht GM dringend Milliardenhilfen vom Staat.

          14. November
          Nach Absatzeinbruch und Verlusten bittet Opel die Bundesregierung und die Bundesländer um eine Staatsbürgschaft über eine Gesamtsumme von rund einer Milliarde Euro. Die Ministerpräsidenten Koch und Beck sagen ihre Unterstützung zu.

          17. November
          Die geschäftsführende Landesregierung in Hessen billigt einen Gesetzentwurf über eine Bürgschaft von bis zu 500 Millionen Euro für die Opel und für Zulieferbetriebe der Automobilindustrie. Auch die Bundesregierung signalisiert grundsätzliche Bereitschaft zu einer Milliardenbürgschaft. Die Rufe, Opel von der Mutter GM loszulösen, werden lauter.

          „Wir sind ja keine Deppen, die einfach in ein Problem hineinlaufen”: Hessens Ministerpräsident Roland Koch am 9. Juni 2009 über Berichte, die Politik habe beim Zuschlag für den Opel-Investor Magna nicht alle Kosten und Hindernisse gekannt.

          18. November
          Opel beantragt eine staatliche Bürgschaft über 1,8 Milliarden Euro.

          19. November
          Der Bonner Solartechnikkonzern Solarworld AG will Opel übernehmen und zu einem Spezialisten für emissionsarme Fahrzeuge entwickeln. Der Antrag stößt auf Kopfschütteln und Ablehnung.

          19. Dezember
          Die amerikanische Regierung gewährt dem angeschlagenen Autobauer GM einen Notkredit von 13,4 Milliarden Dollar.

          2009

          16. Februar
          Der europäische Betriebsrat von GM spricht sich dafür aus, Opel und das britische Schwesterunternehmen Vauxhall aus dem angeschlagenen Konzern auszugliedern und die schwedische Marke Saab zu verkaufen.

          18. Februar
          General Motors will 47.000 Stellen streichen. Opel erwägt, um Werksschließungen und Entlassungen abzuwenden, nun auch Allianzen mit Konkurrenten.

          27. Februar
          Opel-Aufsichtsratschef Forster, der auch das Europageschäft von GM leitet, legt einen Plan für eine Zukunft Opels als eigenständiges Unternehmen vor. Demnach hat GM Opel eine Abspaltung als eigenständiges europäisches Unternehmen in einer schriftlichen Erklärung zugesichert. Zur Schaffung des neuen Unternehmens sollen bis zu 50 Prozent der Kapitalanteile an neue Miteigentümer abgegeben werden. Zur Finanzierung künftiger Investitionen will man Bund und Länder um Kreditbürgschaften über 3,3 Milliarden Euro bitten.

          4. März
          Die Bundesregierung steht einer durch den Steuerzahler getragenen Rettung des Autoherstellers Opel skeptisch gegenüber. „Opel stellt kein systemisches Risiko dar“, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel vor der Unionsfraktion in Berlin.

          30. März
          Der amerikanische Präsident Obama weist die Sanierungspläne von GM als ungenügend zurück. Er setzt GM eine Frist von 60 Tagen und erzwingt den Rücktritt von Konzernchef Rick Wagoner. Dessen Nachfolger wird Fritz Henderson.

          23. April
          Sowohl der italienische Fiat-Konzern als auch der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna erwägen eine Beteiligung an Opel. Der Betriebsrat fürchtet im Falle von Fiat einen höheren Stellenabbau und favorisiert Magna.

          28. April
          Magna legt ein erstes „interessantes Grobkonzept“ (zu Guttenberg) vor. Gemeinsam mit dem russischen Autobauer GAZ und der Sberbank plant Magna sogar eine Mehrheitsübernahme.

          12. Mai
          Neben Fiat und Magna gibt es einen dritten Interessenten für Opel. Der amerikanischen Finanzinvestor Ripplewood will sich über seine in Brüssel ansässige Tochtergesellschaft RJH International beteiligen.

          14. Mai
          Die Bundesregierung plant, den Autohersteller über ein Treuhandmodell zu retten. Demnach soll GM als Voraussetzung für staatliche Hilfen für Opel Aktien von Opel an einen Treuhänder übereignen.

          26. Mai
          Die Chinesische Beijing Automotive Industry Corp. (BAIC) will in das Bieterrennen um Opel einsteigen

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