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Baden-Württemberg : Kretschmann arrangiert sich mit Autoindustrie

  • -Aktualisiert am

„Keine Freunde, aber gute Partner”: Kretschmann (2.v.r.) zu Besuch bei Porsche Bild: dapd

Nach kritischen Äußerungen besucht Baden-Württembergs Ministerpräsident Porsche: Kretschmann lobt den Sportwagenbauer für seine grünen Produktlinien. Doch der nächste große Streitpunkt zeichnet sich schon ab.

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          Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat der Autoindustrie die Hand zur Versöhnung ausgestreckt, und der Porsche-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller nahm die Geste dankend an. Vor laufenden Kameras erklärten der Regierungschef und der Vorstandsvorsitzende in Stuttgart die Differenzen über Kretschmanns Äußerungen über die deutsche Fahrzeugindustrie für beendet. Der 63 Jahre alte Ministerpräsident schlug wieder versöhnlichere Töne an. Der Südwesten solle ein wichtiger Autostandort bleiben, sagte er nach einem Besuch bei Porsche und einem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden im Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen.

          Kretschmann hatte mit seinem Plädoyer für weniger und kleinere Autos massive Kritik einstecken müssen. Während oftmals Politiker-Besuche bei Porsche medial bis auf die letzte Minute inszeniert werden, mussten diesmal die Medienvertreter vor der Tür bleiben. Sie wurden nur zu den Abschlusserklärungen auf das Werksgelände gelassen. Kretschmann lobte das Engagement des Sportwagenbauers in Sachen Elektromobilität. „Gehen Sie weiter in die grüne Richtung, dann kommen wir gut zusammen“, sagte er.

          „Ein libidinöses Verhältnis auch zu meinem Fahrrad“

          Beim Besuch des Ministerpräsidenten stand vor allem das Thema alternative Antriebe im Vordergrund. Da passte es dann auch, dass ihn Porsche-Vorstandsvorsitzender Müller im elektrisch angetriebenen Prototyp Boxster E über das Werksgelände chauffierte - ungewöhnlich geräuschlos. „Es ist beeindruckend, ohne Sound von Porsche in einem Porsche zu fahren“, bemerkte Kretschmann. Er habe sich aber erkundigt: „Der Sound kann vom Computer gemacht werden.“ Der Porsche-Vorstandsvorsitzende Müller wünschte sich von Deutschlands erstem Grünen-Ministerpräsidenten vor allem weiterhin verlässliche Rahmenbedingungen durch die Politik. „Rahmenbedingungen, die uns mehr stimulieren als strangulieren“. Kretschmann sagte, das Treffen sei sehr „offen und konstruktiv“ gewesen.

          Während sich Kretschmann und Müller diplomatisch äußerten, fasste Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück das Treffen so zusammen: „Wir sind keine Freunde geworden, aber wir sind gute Partner geworden.“ Eine weiterhin bestehende gewisse Distanz war bei den Erklärungen schon herauszuhören. Er habe einfach nicht das „libidinöse Verhältnis zu diesen Autos, wie diejenigen, die sie gerne fahren“, sagte Kretschmann. Müller nahm diese Anspielung auf und konterte geschickt. „Ich habe nicht nur ein libidinöses Verhältnis zu unseren Produkten, sondern auch zu meinem Fahrrad.“ Kretschmann versuchte, die Belegschaft des Autobauers für sich zu gewinnen. Ungeachtet dessen sei er beeindruckt von der Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Er traue Porsche bei der Entwicklung grüner Produktlinien eine Art Technologieführerschaft zu, auch weil die Kunden nicht auf jeden Euro schauen müssten.

          Der Ministerpräsident hatte in den vergangenen Tagen erklärt, dass die grün-rote Landesregierung Impulse geben wolle, damit umweltfreundlichere und verbrauchsärmere Fahrzeuge produziert würden. Nur beim Thema Tempolimit kamen sich der Vorstandsvorsitzende und der Ministerpräsident nicht näher. Müller sagte, da setze der Sportwagenbauer auf die Telematik und intelligente Navigationssysteme, um Verkehr besser zu steuern und Unfälle zu vermeiden. Das Thema Geschwindigkeitsbegrenzung könnte der nächste große Streitpunkt zwischen Kretschmann und der Autoindustrie werden.

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