https://www.faz.net/-gqe-120

Automobilindustrie : Opel bewirbt sich um Subventionen für Elektroautos

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das Image von Opel hat in den vergangenen Jahren gelitten. Mit dem neuen Elektroauto Ampera will die Traditionsmarke ihren Ruf wieder aufbessern. Dafür greift das Unternehmen nach neuen Subventionen für die Forschung an Elektroautos.

          3 Min.

          Opel will mit dem neuen Elektroauto Ampera den Ruf der Traditionsmarke in Deutschland wieder aufbessern und so die vergangenen Diskussionen um staatliche Hilfen vergessen machen. Gleichzeitig bewirbt sich der Autohersteller aus Rüsselsheim um die von der Bundesregierung für die gesamte Branche bereitgestellten neuen Subventionen für die Forschung an Elektroautos.

          "Wir sind gerade dabei zu prüfen, wie wir uns an den geplanten Leuchtturmprojekten in der Forschung beteiligen können", sagte der neue Opel-Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke, der erst seit sechs Wochen im Amt ist, vor Journalisten in Rüsselsheim.

          In jedem Fall werde sich Opel an einem Schaufensterprojekt zur Veranschaulichung der Elektromobilität in Berlin beteiligen, das ebenfalls staatlich gefördert wird. Die Bundesregierung hatte in der vergangenen Woche 1 Milliarde Euro für die Forschung an Elektroauto-Technik bis 2013 bereitgestellt, auf die sich nun Konsortien aus jeweils mehreren Industriekonzernen bewerben können. Ein Schwerpunkt liegt auf der für Elektroautos zentralen Batterietechnik.

          Opel Ampera

          2012 werden wohl 8000 Amperas verkauft

          Auch ohne die Forschungssubventionen kommt indes der Markt für die neue Antriebstechnik langsam in Fahrt: Opel will schon Ende dieses Jahres mit dem Modell Ampera das erste für jedermann in Deutschland verfügbare Elektroauto einer deutschen Marke liefern. Große Absatzsprünge sind davon allerdings nicht zu erwarten. "Ich denke, dass wir 2012 in Europa 8000 Stück vom Ampera verkaufen werden", schätzt Opel-Aufsichtsratschef Nick Reilly, der zugleich Europa-Chef des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) ist. Es lägen schon 5000 unverbindliche Reservierungen von Kunden vor sowie rund 2000 Anzahlungen.

          Hinzu kommt nach Reillys Angaben noch der Absatz von einigen tausend Stück des baugleichen Elektroautos Volt von GM, das parallel und zeitgleich zum Ampera in Europa vermarktet wird. Ein Hemmnis für größere Absatzerfolge beider Modelle dürfte jedoch der hohe Preis werden: Ampera und Volt kosten jeweils rund 43.000 Euro. Zum Vergleich: Der japanische Konkurrent Mitsubishi bietet sein Elektroauto Imiev in Amerika schon ab umgerechnet 20.000 Euro an.

          In der Technik für Elektroautos ist Opel den Konkurrenten Volkswagen, Daimler und BMW, die ihre Modelle allesamt erst 2012 auf den Markt bringen, im Moment zumindest ein kleines Stück voraus: Bei reinem Stromantrieb kommt der Mittelklassewagen Ampera mit einer Akkuladung zwar nur 80 Kilometer weit. Für weitere Entfernungen ist aber ein ergänzender Benzinmotor eingebaut, der den Akku während der Fahrt über einen Generator auflädt. Dann sind Reichweiten von bis zu 500 Kilometern möglich. Der Ampera soll 150 PS haben und bis zu 160 Kilometer je Stunde fahren. Daneben plant Opel einen Elektrokleinwagen unter dem Projektnamen "Junior", der aber erst Anfang 2013 fertig wird.

          Die anderen Hersteller wollen auch

          Opel profitiert ebenso wie alle anderen Autohersteller von den Subventionen der Bundesregierung für Elektroautos. Schon für die Jahre 2009 bis 2011 hatte Berlin 500 Millionen Euro für die Forschung und Entwicklung bereitgestellt. Von dieser Summe wurde bis jetzt allerdings erst weniger als die Hälfte für konkrete Projekte ausgezahlt (siehe Grafik oben). Der Löwenanteil des Geldes fließt an acht Modellregionen, in denen Elektromobilität anschaulich vorgezeigt wird. Das geht aus einer Aufstellung des Bundesfinanzministeriums hervor. Organisiert werden die Modellregionen von der "Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie" (NOW) - einer GmbH des Bundes.

          Die Ingenieure in Rüsselsheim setzen derweil in der Elektromobilität auf drei verschiedene Techniken gleichzeitig: Neben dem rein batteriebetriebenen Kleinwagen "Junior" und dem Ampera mit verlängerter Reichweite wird für die Zukunft auch noch am Brennstoffzellenantrieb gearbeitet mit Wasserstoff als Kraftstoff. Das Modell "Hydrogen 4" ist als jüngster Prototyp seit Herbst 2008 in Deutschland auf öffentlichen Straßen unterwegs. In einem Pilotprojekt mit 100 Fahrzeugen in Kundenhand untersuchen Opel und GM derzeit die Alltagstauglichkeit der Brennstoffzellenautos.

          Opel hofft, nach den vielen Diskussionen, die bis vor einem Jahr über staatliche Hilfen für das Unternehmen geführt wurden, nun mit fortschrittlicher Technologie punkten zu können. Dazu will Vorstandschef Stracke, der bis vor kurzem als Leiter der Entwicklungsabteilung in der GM-Konzernzentrale in Detroit arbeitete, auch mehrere hundert Millionen Euro in neue Motorentechnik investieren und ein Kraftstoff sparendes Doppelkupplungsgetriebe entwickeln. Bisher hatte Opel geplant, ein solches Getriebe bei einem Zulieferer einzukaufen. Jetzt soll es von den eigenen Ingenieuren ausgetüftelt werden.

          Erste Erfolge zeigen sich schon jetzt in der Absatzstatistik. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres verkaufte Opel in Europa 3 Prozent mehr Autos, obwohl der Gesamtmarkt um 2 Prozent schrumpfte. Die 350.000 Wagen entsprechen einem Marktanteil von 7,3 Prozent. In den kommenden Jahren will Stracke auch den Absatz außerhalb Europas steigern und in Schwellenländern wie China insgesamt 150.000 Wagen verkaufen. Trotz der Fortschritte in der Sanierung wird Opel 2011 - nach drei Jahren mit Milliardenverlusten - noch einen Verlust von mehreren hundert Millionen Euro einfahren. Grund sind die hohen Abfindungen im Zuge des Stellenabbaus. So fallen im Werk Bochum noch rund 1000 von 4000 Stellen weg.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Berliner Fashion Week : Unterschätzt dieses Handwerk nicht

          Zum ersten Mal war unsere Autorin auf einer Modenschau. Neugierig und voller Vorurteile tauchte sie in die Welt der Mode ab. Was sie auf der Fashion Week sah, hat sie bewegt, auf eine andere Art, als sie vorher dachte.
          Meghan und Harry: Künftig halb royal, halb normal?

          Aussteigerphantasien : Wir machen die Meghan!

          Ausbrechen aus einem vorgezeichneten Leben: Das Herzogspaar von Sussex zeigt, wie es geht. Andere werden ihnen folgen. Ein satirischer Blick in die nahe Zukunft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.