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Automobilbranche : GM schafft ersten Jahresgewinn seit 2004

  • -Aktualisiert am

Die Mitarbeiter in Amerika sollen einen Bonus erhalten Bild: AFP

Die amerikanische Belegschaft von General Motors kann sich auf einen Bonus freuen. Im Werk Bochum wird dagegen gegen Stellenabbau angekämpft. Das Geschäft in Europa bringt dem Autobauer Verluste ein.

          3 Min.

          Der amerikanische Autokonzern General Motors (GM) hat das erste Jahr nach seinem Insolvenzverfahren mit einem Nettogewinn von 4,7 Milliarden Dollar abgeschlossen. Das ist der erste Jahresgewinn seit 2004. Allerdings wies GM für die drei Schlussmonate den niedrigsten Quartalsgewinn des vergangenen Jahres aus. Zudem bleibt die Lage im defizitären Europa-Geschäft mit der deutschen Tochtergesellschaft Opel schwierig. Hier gab es einen Verlust vor Zinsen und Steuern von umgerechnet 568 Millionen Dollar im Quartal und 1,8 Milliarden Dollar im Gesamtjahr. Der Aktienkurs von GM fiel am Donnerstag im Handelsverlauf um 4 Prozent auf 33,20 Dollar. GM ist im November nach insolvenzbedingter Abwesenheit wieder an die Börse zurückgekehrt. Die Aktien sind damals für 33 Dollar ausgegeben worden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          „2010 war offensichtlich ein gutes Jahr für GM“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dan Akerson in einer Telefonkonferenz. Ein so hoher Jahresgewinn sei vor zwölf Monaten nicht vorhersehbar gewesen. Akerson gab aber auch zu, dass GM noch viel Arbeit vor sich habe, etwa die weitere Restrukturierung des Geschäfts in Europa. Finanzvorstand Chris Liddell bestätigte das Ziel, in Europa bis zum Jahresende die Gewinnschwelle vor Restrukturierungskosten zu erreichen. Konkrete Prognosen für den Gesamtkonzern nannte das Unternehmen aber nicht. Liddell sagte lediglich, 2011 sollte angesichts eines sich weiter erholenden Gesamtmarktes besser werden als 2010. Er erwarte einen guten Start im ersten Quartal.

          Bonus für Mitarbeiter in amerikanischen Werken

          Für das vierte Quartal 2010 wies GM einen Nettogewinn von 510 Millionen Dollar aus - deutlich weniger als etwa im dritten Quartal, als es noch fast 2 Milliarden Dollar waren. Das Unternehmen hatte schon im November gewarnt, dass die Ergebnisse im vierten Quartal schwächer ausfallen dürften, unter anderem wegen der Kosten für die Einführung neuer Produkte. Außer Europa waren alle Regionen der Welt für GM sowohl im Schlussquartal als auch im Gesamtjahr profitabel. Auf dem amerikanischen Heimatmarkt etwa gab es einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 813 Millionen Dollar im Quartal und von 5,7 Milliarden Dollar im Gesamtjahr. Die Entwicklung bei GM zeigt Parallelen zu Ford: Auch beim Wettbewerber waren die letzten drei Monate des Jahres deutlich weniger profitabel als das dritte Quartal, und das Geschäft in Europa war defizitär.

          Die wiedererlangte Profitabilität wird sich auch für die leidgeprüfte amerikanische Belegschaft von GM auszahlen, die in den vergangenen Jahren einen radikalen Personalabbau erlebte. Die 45.000 Mitarbeiter in der amerikanischen Produktion sollen einen Bonus von durchschnittlich 4300 Dollar bekommen. GM hatte Ende 2010 global 202.000 Mitarbeiter, ein Jahr zuvor waren es 215.000.

          Schwierig bleibt das Europa-Geschäft. Opel-Chef Nick Reilly will im laufenden Jahr den Verlust um zwei Drittel auf eine halbe Milliarde Euro verringern. Damit von 2012 an wieder ein Gewinn erzielt werden kann, muss der gebürtige Waliser, der vor einem Jahr von GM an die Spitze des Unternehmens geschickt wurde, zunächst die Kosten kräftig senken. Nach der Schließung des Werks in der belgischen Hafenstadt Antwerpen dient dazu nun vor allem noch der Stellenabbau in Deutschland.

          Stellenabbau in Deutschland

          Am Standort Bochum, der am stärksten betroffen ist, müssen in diesem Jahr weitere 1200 der verbliebenen 4200 Arbeitsplätze abgebaut werden. Obwohl die Abfindungen bei 100.000 Euro liegen, will jedoch keiner der dort Beschäftigten seine Stelle aufgeben. „Wir verhandeln im Moment fast jede Woche mit der Geschäftsleitung“, sagt der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Er versuche durch Arbeitszeitverkürzung, Altersteilzeit und neue Produkte den Stellenabbau so gut zu verhindern, wie es geht. Doch wenn die Gespräche scheiterten, müsse eine sogenannte Einigungsstelle einberufen werden - eine Art paritätisch besetztes Schiedsgericht. Dann seien auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen.

          Doch so weit ist es noch nicht. Vorerst hofft Einenkel noch auf Chancen für Bochum. „Wir könnten uns darauf bewerben, bestimmte Produkte der wichtigsten GM-Marke Chevrolet für den europäischen Markt zu produzieren“, sagt der Betriebsrat. Dazu gehöre etwa der Familienwagen Orlando. Auch ein Teil der Produktion des neuen Astra Sport Tourer könnte nach Bochum kommen. Im Moment wird in der Ruhrgebietsstadt nur der Van Zafira hergestellt. Produziert werden 2011 voraussichtlich nur 130.000 Autos. Dabei würde die Belegschaft in Bochum auch 210.000 Wagen bauen können.

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