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Automobilindustrie : Rolls-Royce ist in Pekings Stau der Renner

Luxus für den fernen Osten: Rolls-Royce-Auftritt in Schanghai Bild: AFP

Die Autos der britischen Luxusmarke verkaufen sich gut in China. Chinesen zahlen doppelt so viel wie Europäer. Reiche Chinesen schreckt das nicht. Die Konkurrenten sind nicht andere Autos, sondern andere Statussymbole.

          Es gibt keine bequemere Art, im Stau zu stehen, als im Rolls-Royce“, sagt Torsten Müller-Ötvös und schmunzelt. Wahrscheinlich verkaufen sich seine Fahrzeuge deshalb so gut in Chinas verstopften Megastädten. Der Vorstandsvorsitzende der britischen Luxusmarke ist zur Automesse nach Schanghai gekommen, um das stärkste je gebaute Rolls-Royce-Modell zu präsentieren, den Wraith. 630 PS hat das neue Edelgefährt unter der Haube und beschleunigt von null auf hundert in 4,5 Sekunden - ohne dass man davon in China je Gebrauch machen könnte.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Nur den Preis fährt Rolls-Royce hier voll aus: Der Wraith kostet rund 600 000 Euro, mehr als doppelt so viel wie zuhause in Europa. Das liege vor allem an den exorbitanten Steuern und Zöllen, versichert Müller-Ötvös, der Werksabgabepreis und die Marge unterschieden sich kaum. Reiche Chinesen schreckt das viele Geld nicht ab, im Gegenteil. Sie kaufen so viele Rolls-Royce wie sonst nur die Amerikaner.

          Im Wettbewerb der Statussymbole

          2011 lag China erstmals als Markt vorn, 2012 waren die Vereinigten Staaten wieder etwas wichtiger. Im laufenden Jahr werde es ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben, erwartet der Chef. Je 30 Prozent seiner Fahrzeuge wird der Autobauer in diesen beiden Märkten los, 20 Prozent im Nahen Osten mit der Golfregion, den Rest vor allem in Europa und hier zuvorderst im Herkunftsland Großbritannien. Unangefochtener Spitzenreiter unter allen Städten ist Peking, Schanghai rangiert hinter Abu Dhabi an Platz drei, auch Guangzhou (Kanton) spielt vorne mit.

          Viele Autos sind das dennoch nicht, denn in der ganzen Welt verkaufte Rolls-Royce im vergangenen Jahr gerade einmal 3575 Einheiten. Das waren ein Prozent mehr als im Vorjahr, aber immerhin zweieinhalbmal so viel wie im Jahr der Finanzkrise 2009. Das Volumen sei sekundär, findet Müller-Ötvös. Das Werk im englischen Goodwood liege in einem Naturschutzgebiet und könne ohnehin nicht erweitert werden. Eine zu starke Zunahme gefährde zudem die Exklusivität. Rolls-Royce-Limousinen zu einem Preis von weniger als 200 000 Euro dürfe es nicht geben, sagt er mit einem Seitenhieb auf Bentley, das den Großteil des Umsatzes mit billigeren Modellen mache. Dem Manager geht es um ein gesundes, ein profitables Wachstum, wie er das nennt.

          Sein Unternehmen, das zu BMW gehört, wolle neue, finanzkräftige Kunden gewinnen, solche wie in China. „Das Land entwickelt sich sagenhaft für uns.“ Allerdings sei der Markt schwer zu berechnen, so drohe eine Luxussteuer von 20 Prozent. Was weniger eine Rolle spielt, ist die Konkurrenz anderer Hersteller. „Wir stehen im Wettbewerb nicht mit Autos, sondern mit anderen Luxusgütern: mit Jachten, Kunst, Ferienhäusern.“ Die Kunden der teuren Marke, so ist zu erfahren, haben mindestens sechs weitere Wagen in den Garagen stehen. „Niemand braucht einen Rolls-Royce, um von A nach B zu kommen“, sagt Müller-Ötvös. Chinesische Käufer seien verwöhnt, hätten die Welt gesehen, achteten auf Luxus und Perfektion. Sie sind im Schnitt auch jünger als anderswo - kürzlich kaufte ein Achtzehnjähriger ein solches Fahrzeug -, und sie bestellen gern rotes Leder für den Innenraum. Um sie zu erreichen, erweitert Rolls-Royce wie alle westlichen Hersteller sein Händlernetz. Nicht nur an der wohlhabenden Ostküste und im Süden um Kanton, sondern zunehmend auch in den Städten zweiter und dritter Ordnung im Landesinnern. Vor zwei Jahren gab es in China erst 7 Verkaufsstellen, jetzt sind es 16, bis zum Jahresende sollen es 20 werden. Ausgebildet werden alle Mechaniker im fernen Goodwood.

          China passe zum modernen, zum dynamischen und jungen Image von Rolls-Royce, wirbt auch Vertriebsleiter Jolyon Nash. Er hält es sogar für vertretbar, für dieses Ziel alte Kunden zu verlieren - sogar Kunden wie die Königin von England. Der Fuhrpark von Buckingham Palace umfasse zwar noch frühere Modelle, sei aber kein wichtiger Neukunde mehr, sagt Nash mit einem Schulterzucken. „Ob wir an die Queen verkaufen, ist für uns heutzutage ziemlich irrelevant.“

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