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Automobilindustrie : Herausforderungen für den Standort Deutschland

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Eine Studie des Verbands der Automobilindustrie belegt: Der Automarkt ist ein Wachstumsmarkt - allerdings nur, wenn die Bedingungen stimmen.

          Die Automobil- und Zulieferindustrie ist und bleibt eine Wachstumsbranche mit guten Perspektiven. Zu diesem Fazit kam der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, am Dienstag in Leipzig. Gemeinsam mit dem Center of Automotive Research (CAR) hat der VDA eine Studie zum Automobilstandort Deutschland herausgebracht.

          Die Studie betont die Bedeutung der Autoindustrie als Schlüsselbranche für den Standort Deutschland. Sie warnt aber auch davor, dass die EU-Osterweiterung und die Rahmenbedingungen in Deutschland die Branche schon bald vor große Herausforderungen stellen könnte.

          Niedrigere Lohnnebenkosten nötig

          Ferdinand Dudenhöffer vom CAR betonte, dass der Umsatz der Automobil-Zulieferindustrie bis zum Jahr 2010 weltweit um 75 Prozent wachsen werde. Als Gründe nannte der Experte eine steigende Nachfrage nach Kraftfahrzeugen, verbunden mit einem höheren Wert der Autos. Außerdem sei es wahrscheinlich, dass Zulieferer in Zukunft Aufgaben im Bereich Fahrzeugbau mit übernehmen, sagte Dudenhöffer.

          Die deutsche Autoindustrie, die mit 12,7 Millionen Fahrzeugen nahezu ein Viertel der Weltproduktion fertigt, habe gute Voraussetzungen von dem Wachstum zu profitieren, sagte VDA-Präsident Gottschalk. Dafür nötig sei aber eine Senkung der Lohnnebenkosten durch eine Reform der sozialen Sicherungssysteme, heißt es in der Studie. Wichtig sei außerdem die lückenlose Umsetzung des Hartz-Papieres durch die Bundesregierung.

          Gottschalk sagte weiterhin, der Wettbewerb um die besten Standorte werde immer härter. Damit Investitionen in Deutschland attraktiv blieben, sei mehr Wettbewerb im Bildungsbereich nötig. Gottschalk forderte zugleich eine spürbare Entlastung des Mittelstandes.

          Die Herausforderung kommt aus dem Osten

          Das prognostizierte Wachstum von 75 Prozent bei Zulieferern resultiert der Studie zufolge aus einem höheren Absatz von Autos insbesondere in Osteuropa und Asien. Die Zahl der verkauften Autos werde von weltweit rund 49,2 Millionen im Jahr 2000 um knapp 16 Prozent auf 57 Millionen bis 2010 steigen. Gleichzeitig werde eine höhere Ausstattung zu mehr Umsatz führen. Der durchschnittliche Neuwagenpreis sei zwischen 1991 und 2001 um 38,5 Prozent auf 20.800 Euro gestiegen und werde in mindestens dem gleichen Tempo weiter steigen.

          Der Studie zufolge wird die EU-Osterweiterung die Attraktivität der Beitrittskandidaten als Zulieferer-Standort deutlich stärken. Während Westdeutschland als künftiger Standort weiter gefragt sein werde, äußern sich die Autoren der Studie besorgt über die Position Ostdeutschlands. Die Spitzenstellung Ostdeutschlands bei Subventionen sei zeitlich begrenzt und könne bei Aufnahme der neuen Ost-Länder und heutigen Förderprinzipien rasch unter Druck geraten, heißt es. Um die Zuliefer auf ihrem Weg nach Osten aufzuhalten, müssten die Standortfaktoren in Ostdeutschland gestärkt werden.

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