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Automobilindustrie : Ford fürchtet höhere Verluste in Europa

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Ford produziert auch in Köln und Saarlouis. Bild: dpa

Beim amerikanische Autohersteller Ford läuft das Geschäft völlig gegensätzlich: Auf der einen Seite verliert der Konzern in Europa massiv Geld; die Lage droht sogar noch schlimmer zu werden. Auf der anderen Seite florieren die Verkäufe in Nordamerika und sorgen für einen Milliardengewinn.

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          Die lahmenden Autoverkäufe in Europa erweisen sich als immer größere Bürde für Ford. Im vergangenen Jahr hat der amerikanische Konzern auf dem wichtigen Markt einen Vorsteuerverlust von annähernd 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Mrd Euro) eingefahren. Für das laufende Jahr geht der Hersteller in Erwartung weiterhin schwacher Verkäufe sogar von einem Minus von rund 2,0 Milliarden Dollar aus. Das ist mehr als das Unternehmen bislang kalkuliert hatte.

          2011 hatte Ford beinahe noch ein ausgeglichenes Ergebnis in Europa erzielt. Dann aber brachen vor dem Hintergrund der Schuldenkrise branchenweit die Verkäufe auf den tiefsten Stand seit 1995 ein. Das wirtschaftliche Umfeld bleibe unsicher, erklärte Ford am Dienstag am Firmensitz in Dearborn nahe Detroit. Alleine im Schlussquartal verlor der Konzern in Europa 732 Millionen Dollar.

          Ford schließt drei Werke in Europa

          Um wieder in die Spur zu kommen, schließt Ford drei Werke in Großbritannien und Belgien - die damit verbundenen Kosten erhöhen die Verluste noch. Insgesamt 6200 Jobs gehen nach derzeitigem Stand verloren. Ford werde die Situation beobachten und notfalls weitere Maßnahmen ergreifen, hieß es vom Unternehmen. Der amerikanische Hersteller besitzt auch große Werke in Köln und Saarlouis. Die europäischen Verkäufe von Ford gingen im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 1,35 Millionen Stück zurück. In Deutschland alleine kam der Hersteller vergleichsweise glimpflich davon: Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes sanken die Neuzulassungen um 11 Prozent auf 206.000.

          Der amerikanische Erzrivale und Opel-Mutterkonzern General Motors steht vor den gleichen Problemen und rechnet deshalb ebenfalls mit einem hohen Jahresverlust in Europa. Auch GM spart und will das Werk in Bochum schließen. Die beiden großen amerikanischen Autohersteller haben sich zum Ziel gesetzt, ab Mitte des Jahrzehnts wieder schwarze Zahlen in Europa zu schreiben.

          Im Gegensatz zur alten Welt floriert das Geschäft auf dem nordamerikanischen Heimatmarkt, was Ford letztlich die Bilanz rettete. Unterm Strich verdiente der Konzern im vergangenen Jahr knapp 5,7 Milliarden Dollar. Das ist eines der besten Ergebnisse der vergangenen Jahre. „Wir sind gut aufgestellt für ein weiteres starkes Jahr“, erklärte Konzernchef Alan Mulally mit Blick auf 2013.

          Ford hat ein Comeback hinter sich: Der Konzern stand am Abgrund, ehe der ehemalige Boeing-Manager Mulally 2006 antrat und das Steuer mit harten Einschnitten bei der amerikanischen Belegschaft herumriss. Während die beiden heimischen Rivalen General Motors und Chrysler im Krisenjahr 2009 pleitegingen und vom Staat gerettet werden mussten, überlebte Ford aus eigener Kraft.

          Mulallys Ziel ist es, die Verkäufe bis 2015 auf rund 8 Millionen Autos jährlich steigen. Im vergangenen Jahr konnte Ford seinen weltweiten Absatz annähernd stabil halten bei 5,7 Millionen Autos. Der Umsatz schmolz um 1 Prozent auf 134,3 Milliarden Dollar. In Europa will Ford die zurückhaltende Kundschaft mit neuen Modellen locken. Deren Entwicklung und Vermarktung geht jedoch ebenfalls ins Geld. In diesem Jahr kommen etwa der Kleinwagen Fiesta, der SUV Kuga sowie der Transporter Transit frisch auf den Markt.

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