https://www.faz.net/-gqe-37cl

Automobile : Wettlauf der Luxuslimousinen

Maybach, mehr als ein Hauch von Luxus Bild: Daimler-Chrysler

Rolls-Royce kriegt Konkurrenz. Der Maybach von DaimlerChrysler ist eine Alternative zu den britischen Edel-Autos.

          3 Min.

          Wer sich bisher ein richtig teures Auto kaufen wollte, hatte wenig Auswahl. In Frage kamen Rolls-Royce und Bentley. Unterschiede zwischen den beiden Schwestern, die nach 71 Jahren nun endgültig getrennte Wege befahren, gibt es auf den ersten Blick wenige. Selbst die Kühlerfiguren haben beide Flügel.

          Der neue Maybach von DaimlerChrysler hat zwar nur einen abgewandelten Mercedesstern auf der Haube, darunter aber mindestens 550 PS und beim Kauf auch den entsprechenden Preis: ab 300.000 Euro gehts los.

          Der Kunde als Initiator

          In dieser Preisklasse herrschen verdrehte ökonomische Verhältnisse. „Die Kunden kamen auf uns zu und sagten: Wir hätten gerne mehr Raum, mehr Luxus und noch mehr Individualisierung“, sagt Stefan Diehl, Pressesprecher von DaimlerChrysler. Der Kunde ist König. DaimlerChrysler baut die Luxuslimousine.

          Maßanfertigung beim Autoschneider

          „Der Maybach wird nur auf Kundenwunsch gefertigt. Die Manufaktur ist darauf ausgelegt, dass sieben Fahrzeuge pro Tag gefertigt werden können.“ Pressesprecher Diehl macht keine Angaben über das Mindestkontingent, aber „es gibt einen festen Kundenkreis, von denen die jeweiligen Kunden 50.000 Euro gezahlt haben, um bei der Auslieferung Priorität zu haben.“ Die zahlkräftigen Kunden kommen aus den USA, Japan und dem arabischen Raum. „Aber auch in Europa gibt es enorme Anfragen.“

          Über Rolls-Royce oder Bentley äußert sich Pressesprecher Diehl nicht. „Die Nachfrage im High-End-Bereich ist sehr überschaubar. Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere gesetzten Ziele trotz Wettbewerber erreichen werden.“

          Selten, aber teuer

          Sieht man sich die durchschnittlichen Produktionszahlen bei Rolls-Royce an, dann kann man die Kundendaten der Luxusliebhaber bequem in einem Palm speichern. „Im Jahresschnitt werden 1000 Fahrzeuge der Marke Rolls-Royce am neuen Standort Good Wood im Süden Englands hergestellt“, bestätigt Fred Fruth, Pressesprecher des Rolls-Royce-Projektes der BMW-Group. Dieses Maß wurde schon von den Briten eingehalten, als sie noch nicht zur BMW-Group gehörten. Nach offiziellen Aussagen von DaimlerChrysler im vergangenen Jahr wird die jährliche Anzahl der Maybachs, die vom Band laufen, bei 1500 liegen.

          Sportlicher Wettbewerb

          Auch bei Rolls-Royce sieht man dem Aufstieg des Maybach gelassen entgegen. Wettbewerb belebe das Geschäft und „das Jahr 2003 wird eines der spannendsten für das Klientel der Luxuslimousinen. Die Fahrzeuge, die es dann geben wird, hat es in dieser Dichte und Qualität nie gegeben.“

          Edles Wettrüsten

          Die Sportlichkeit des Wettbewerbs in allen Ehren. Den harten Wettbewerb kann man auch etwas anders interpretieren. Die Aussage von Pressesprecher Furth deutet in diese Richtung. „Die Rolle, die Rolls-Royce in der BMW-Group spielen wird, ist die ausschließliche Bedienung des High-End-Bereichs“. Ähnlich verhält es sich im unteren Bereich: BMW bedient dieses Segment mit dem Mini-Cooper.

          DaimlerChrysler greift nun mit einer anderen Strategie im Premiumsegment an. Sie decken vom kleinsten Segment mit der A-Klasse bis zum Luxussegment mit dem Maybach alle Sparten ab. Die so genannte Premiumklasse deckte bis vor einigen Jahren die S-Klasse ab. Mittlerweile verkauft man um die 100.000 S-Klasse-Wagen pro Jahr. „Der ursprüngliche Status, das Non-Plus-Ultra im Autobereich zu sein, ist DaimlerChrysler dadurch ein bisschen verloren gegangen“, urteilt Sebastian Stein, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin.

          King Premium

          „Es geht im Endeffekt darum, wer der König der Automobilbauer ist.“ Mit dem Maybach könnte DaimlerChrysler wieder die absolute royale Würde zurückerlangen. Doch die anderen wollen auch König spielen. Also haben sie die obersten Segmente besetzt. „Wenn BMW einen Rolls-Royce baut und VW demnächst einen neuen Bentley präsentiert, dann hat DaimlerChrysler das Problem, dass man als derjenige, der das Premiumsegment definiert, etwas braucht, mit dem man mithalten kann.“ Also bringt man den Maybach.

          Kleiner Markt für große Schlitten

          „Im Moment definiert sich der ganze Markt über die 2000 Rolls-Royce und Bentleys, die es jährlich gibt. Also ein sehr kleines Segment“, so Stein. Für Rolls Royce (BMW), Bentley (VW) und DaimlerChrysler stellt sich bei diesem Duell in der Königsklasse die Frage, ob dieser kleine Markt überhaupt diesen Gigantenkampf zulässt. Analyst Stein nennt zwei gegebene Voraussetzungen: „Der Automarkt ist gewachsen und die Anzahl der Leute, die sich ein Luxusauto leisten können, ist auch größer geworden.“ Auch wenn ein Auto mehr als 300.000 Euro kosten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkische Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen hohen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.